16.04.2010

Bausteine

Der alte Mann liegt noch immer im Krankenhaus und findet das super. Am Montag hat er mir stolz am Telefon erzählt, dass man bei ihm bisher nichts gefunden hat, und alle Untersuchungen haben ergeben, dass ihm überhaupt nichts fehlt. Er wäre sogar vom Arzt für 75 gehalten worden, man stelle sich das vor! Gestern habe ich ihn dann gefragt, warum er denn immer noch da ist, schließlich fehle ihm doch nichts? Oh je, falsche Frage. Wer das denn behauptet hätte? Er hätte doch immer noch nachts diesen schlimmen Husten, und keiner würde etwas dagegen tun. Und er hätte jetzt eine Reha im Krankenhaus, und er hätte dem Arzt schon gesagt, dass die nicht richtig durchgeführt wird. Er würde gar nicht den ganzen Tag beschäftigt, er könne nur mit dem Rollator durch die Gänge gehen und im Bistro mit den anderen Kaffee trinken. Und tagsüber hätte er keinen Husten, aber nachts, ja nachts, da kann er nicht schlafen, und alles tut ihm weh davon und er weiß nicht, wie das noch enden soll. Aha. "Na, da wirst Du wohl noch bleiben müssen". Ja, er hat nämlich eine doppelseitige Lungenentzündung mit schweren Fieberschüben, man hat es hier nur noch nicht erkannt. Ich muss ein Lachen unterdrücken und huste. "Siehste, Du hustest auch schon!". Ich sage, dass das mit meiner Allergie zu tun hat, schließlich sei wieder Heuschnupfenzeit. "Jetzt redest Du auch schon so! Ich habe keine Allergie! Die sagen hier, es ist ein chronischer Husten, aber ich habe ihn doch erst fünf Wochen!". Um ihn zu beruhigen erzähle ich ihm, dass auch ich beim Arzt war und dieser Gallensteine gefunden hat. "Na, da kannst Du ja jetzt ein Haus bauen! Ich muss auflegen und ins Bistro gehen. Kaffeezeit, die warten schon auf mich. Tschüß." Erwähnte ich hier zufällig schon mal, dass ich ihn auch liebe?

04.04.2010

Ostern und so

Es war ja klar. Es ist Ostern, der alte Mann ist allein zu Hause, und nun liegt er mal wieder im Krankenhaus. In der Hoffnung, dass ich die 350km zu ihm mal eben schnell so fahre, schließlich hat er keine Sachen dabei, man hat ihn ohne Kamm und Bürste im Krankenwagen transportiert. Seinen mit mir vor zwei Wochen gepackten Notfallkoffer hat er total vergessen. Und seine Nachbarn kann er nicht erreichen, weil sein Handy nicht aufgeladen ist, schließlich habe ich das neulich nicht gemacht, obwohl er es mir gesagt hat, und ein Telefon hat er noch nicht. Er darf nur einmal und ausnahmsweise aus dem Schwesternzimmer anrufen. Außerdem hat er am Dienstag einen Termin, und die Frau steht bestimmt vor seiner verschlossenen Tür. Ich habe also die Nachbarn angerufen und dem Termin eine E-Mail geschickt. Und das auf meiner Schulter sitzende schlechte Gewissen herunter geschubst und es im Regen ausgesetzt. Mal sehen, wann es sich naß wieder auf seinen angestammten Platz setzt. Spätestens nach dem nächsten Telefonat aus dem Krankenhaus.