28.05.2010

Beim Arzt

Gestern nachmittag habe ich den Arzt meines Vertrauens besucht. Vor mir betraten zwei Frauen - offensichtlich Mutter und Tochter - die Praxis. Sie blieben am Counter stehen, verlangten nach einem Rezept, bezahlten die Praxisgebühr und erhielten die Quittung dafür. Danach wurden sie von der Sprechstundenhilfe freundlich aufgefordert, im Wartezimmer Platz zu nehmen. Mich begrüßte die Sprechstundenhilfe mit Namen (schließlich bin ich Privatpatient) und bat mich in das Sprechzimmer 1, welches in der Nähe des Tresens liegt. Sie ließ die Tür offen und ich setzte mich vor den Schreibtisch meines Docs. Von meinem Platz aus konnte ich zwar nicht in den Vorraum schauen, aber ich konnte hören, was dort vor sich ging. Der Arzt kam aus dem anderen Sprechzimmer mit einer Patientin und verabschiedete sich von ihr. Dann bat er die zwei Frauen aus dem Wartezimmer nach vorne, und es entspann sich folgender Dialog:

Doc: Für wen sind diese Tabletten?
Pat.: Für meine Mutter, Sie kennen sie doch.
Doc: Ja, aber sie war seit drei Jahren nicht mehr hier!
Pat.: Aber sie war früher immer hier, und da haben Sie ihr auch diese Tabletten verschrieben.
Doc: Wenn man solche Tabletten einnimmt, muss man sich auch ab und zu wieder beim Arzt sehen lassen.
Pat.: Kann sie nicht, sie ist alt.
Doc: Wo wohnen Sie denn? Immer noch unter dieser Adresse?
Pat.: Nein, wir sind umgezogen. Wir wohnen jetzt im Stadtteil XY.
Doc: Das ist aber weit von hier, da mache ich keine Hausbesuche. Dort gibt es auch Ärzte! Gehen Sie dort zum Arzt mit Ihrer Mutter, das ist nicht so weit.
Pat.: Sie hat aber keine Tabletten mehr und ist sehr krank!
Doc: Dann hätten Sie Ihre Mutter mitbringen sollen. Diese Tabletten verschreibe ich nicht, ohne die Patientin selbst untersucht zu haben. Ich habe auch eine Verantwortung für meine Patienten! Und ich habe Ihre Mutter seit drei Jahren nicht gesehen!!
Pat.: Es ist aber Wochenende, und meine Mutter braucht Tabletten!
Doc: Woher hat sie denn bisher die Tabletten bekommen?
Pat.: Meine Nichte ist Ärztin im unwirklichen Land, und die hat mir immer welche geschickt. Aber die sind jetzt alle.
Doc: Ohne Ihre Mutter gesehen zu haben, kann ich Ihnen kein Rezept ausstellen. Morgen ist Freitag, ein ganz normaler Wochentag. Gehen Sie mit Ihrer Mutter im Stadtteil XY zum Arzt, dann bekommen Sie auch neue Medikamente. Er kann gerne die Unterlagen hier anfordern. Von mir bekommen Sie kein Rezept. Sie bekommen die Praxisgebühr zurück. Guten Tag!

Er kam zu mir in das Sprechzimmer gestürmt, schloß die Tür etwas lauter und ließ sich an seinem Schreibtisch nieder. Man konnte sehen, dass er sich aufgeregt hatte. Ich lächelte ihn an, er lächelte zurück und fragte mich: "Und wann haben wir uns das letzte Mal gesehen?" "Ich glaube, das ist jetzt drei Jahre her!" Wir mussten beide lachen, und seine Laune verbesserte sich schlagartig.

Ich frage mich, was Menschen, die beruflich mit Menschen zu tun haben, so alles erleben. Wahrscheinlich Geschichten, die sich niemand ausdenken kann.

27.05.2010

Spooky Tooth, Frumpy + Cravinkel

Da der beste Ehemann von allen mal wieder "dienstreist", krame ich in meinem Sekretär herum. Dort bewahre ich alte Kalender auf. Ich bin auf der Suche nach einer bestimmten Reise, und da ich für mich wichtige Daten in Kalendern festgehalten habe, müßte ich eigentlich fündig werden. Plötzlich flattert mir eine Eintrittskarte vor die Füße. Am 28. Oktober 1970 war ich in der Stadthalle meiner Heimatstadt zu einem Konzert von Spooky Tooth, Frumpy und Cravinkel. Ich saß Rang-Mitte links in der 1. Reihe auf Platz 7 und habe so gar keine Erinnerung mehr daran. Ich könnte mir vorstellen, dass ich wegen Inga Rumpf hingegangen bin. Bestimmt war ich nicht alleine dort, aber wer mich begleitet hat, weiß ich nicht mehr. Leider habe ich erst später mit der Aufbewahrung von Kalendern begonnen, und warum und worin ich die Eintrittskarte aufgehoben habe, weiß ich auch nicht mehr. Lang, lang ist's her. Und das Herr Krawinkel bei Trio mal Gitarre spielen würde, wusste er damals wohl selbst noch nicht.

25.05.2010

Alte Turnschuhe

Über Pfingsten waren der beste Ehemann und ich den Sohnemann und dessen Frau besuchen. Wir hatten sehr schöne Tage, nicht nur vom Wetter her, und besuchten Orte, die wir noch nicht kannten. Das Saarland lag bisher nicht wirklich auf unserer Urlaubsliste. Es lohnt sich aber auf jeden Fall, die Ecke Deutschlands auf das Kurzreiseprogramm zu setzen. Unsere "Katzenpatentante" versorgte das Mörchen während unserer Abwesenheit.

Ich hatte ja geahnt, dass wir mit unserem Gastgeber viel zu Fuß unterwegs sein würden und hatte meine wunderbaren alten, ausgetretenen Turnschuhe eingepackt, denn nichts ist schlimmer als "Fußweh" unterwegs. Meine Rechnung ging auf - so und so. Wir waren viel zu Fuß unterwegs und meine Füße habe ich nicht gespürt. Ich liebe diese alten Turnschuhe, leider sind sie nicht mehr so richtig weiß und sie leiden auch unter Gummischwund. Egal, noch gehts!

Mörchen allerdings war sehr beleidigt, als wir nach Hause kamen, und ließ sich nicht blicken. Erst sehr viel später durften wir zur Kenntnis nehmen, dass in unserem Haushalt auch eine Katze wohnt. Er hat zwar lautstark nach Futter verlangt, als die Reste vom Mittag vertilgt waren, aber schmusen war nicht. Das zog sich durch bis heute morgen.

Da er nun jeden Tag zwei Tabletten nehmen muss, und er die Tabletten nicht nehmen will, versuche ich mit verschiedenen Tricks, die Dinger unterzumogeln. Heute früh wurde wieder laut die Füllung des Napfes gefordert, und ich mischte die in (!) ein Fleischstückchen gestopfte Tablette unter eine geringe Menge Nassfutter. Er hielt erwartungsgemäß erst Mal die Nase in den Napf, schaute mich vorwurfsvoll an, begab sich zu meinen Turnschuhen, die noch im Flur standen, setzte sich darüber und pullerte hinein. In meine schönen Turnschuhe! Böse Katze! Erst habe ich ihm lange Beine gemacht, und dann die Schuhe in die Waschmaschine gesteckt. Ich hoffe, sie überleben noch einmal diese Prozedur.

Die Tablette liegt noch einsam im Napf.

Nachtrag 26.5.2010: Die Turnschuhe sehen aus wie neu, und die Sohlen sind auch noch dran. Heureka!

21.05.2010

Du lügst!

Das Telefon klingelt.
Ich: "Chat noir, Guten Tag!"
Er: "Dich kann man überhaupt nicht mehr erreichen! Nie gehst Du ans Telefon! Wo bist Du denn immer? Und ich rede dauernd auf das Dings, und Du rufst nie zurück!"
Ich: "Guten Tag alter Mann, wie geht es Dir?"
Er: "Ich habe Urin im Blut, ähhh, neee, anders rum, Blut im Urin, aber das interessiert ja keinen, und die Doktersche ist mal wieder nicht da gewesen! Und wo bist Du dauernd?"
Ich: "Zu Hause. Und mein Telefon hat nicht geklingelt."
Er: "Doch! Ich habe ja angerufen! Und auf das Anrufdings gesprochen!"
Ich: "Mein Anrufbeantworter ist nie an, weil..."
Er: "DOCH!!! ICH HABE JA DRAUFGESPROCHEN! DAS WAR DEINE STIMME!"
Ich: "Nein. Und in meiner Anrufliste war kein Anruf von Dir, seit Tagen nicht."
Er: "DOCH! DOCH! DOCH! DU LÜGST! DU WILLST MICH NUR NICHT SPRECHEN!"
Ich: "Vielleicht stimmt die Nummer nicht, die Du gespeichert hast? Oder Du hast mein Handy angerufen?"
Er: "Ich kann mein Handy nicht benutzen, das ist leer. Und keiner füllt es auf. Und die Nummer stimmt. Ich habe ja auch Gottfried erreicht, die Nummer hat auch gestimmt!"
Ich: "Jedenfalls war ich zu Hause, und es hat nicht geklingelt, und ich habe keinen AB an."
Er: "Keinen was? Egal. Ich muss sowieso wieder ins Krankenhaus. Hoffentlich behalten die mich drei Monate, dann kann ich sechs Monate Reha machen. Die ist nämlich schon wieder rum. Und jetzt habe ich Blut im Urin, das ist bestimmt eine schwere Krankheit! Ich muss zur Dokterschen, die ist ab heute wieder da. Tschüß!"
Er legt auf. Und ich sitze auf meinem grünen Sofa mit dem Telefon in der Hand, mache mir so meine Gedanken. Aber ich werde nicht dahinter kommen, auf welchen AB er gesprochen hat und wo er immer anruft, und meine Anrufliste schweigt sich aus.

20.05.2010

Wenn einer eine Reise tut...

Man sollte sich ja gut vorbereiten, und wenn man eine Reise plant, die mal eben über die Nordsee hinaus geht, d.h., man kontrolliert u.a. vorausschauend seinen Reisepass. Meiner war noch grün und hatte ein Foto, von dem ich fest behaupte, das hat mir die damalige Verwaltungsstelle untergeschoben und einfach eins von einer anderen, sehr häßlichen Tante genommen. Also war es an der Zeit, ein neues Dokument zu beantragen.

Man begibt sich also zweckmäßiger Weise vorher zu einem Fotografen, der dann ein Foto von einem macht, auf dem man geradeaus gucken und nicht lachen darf. Also schon wieder ein blödes Foto von mir in einem Heftchen, dass man zum Glück nicht jeden Tag anschauen muss. Das man nur einen Ohrring sehen kann, ist dann auch schon ganz egal.

Mit dem Foto (wozu machen die eigentlich immer vier, wenn man nur eins braucht?) bewaffnet sucht man dann die entsprechende Verwaltungsstelle in seiner Stadt auf, zieht eine Wartemarke und wartet. Man wartet. Und wartet. Und irgendwann endlich ist das obgliatorische "Ping" des Monitors im Warteraum mit der eigenen Nummer unterlegt und man eilt an den vorgeschriebenen Schalter, wo man von einer etwas mürrisch aussehenden Dame empfangen wird (wahrscheinlich hat sie sich auch über ihr Foto im Pass geärgert!). Man legt das grüne Heftchen und das Foto vor und tut kund, dass man ein neues, weinrotes Heftchen haben möchte. Die Dame schaut in das grüne Dokument und fragt, ob man sich ausweisen kann. Hä? Sie hat den alten Pass in der Hand und fragt nach einem Personalausweis? Ich dachte ja immer, so ein Paß ist auch ein Ausweis, also, so ein personenbezogenes Dings, äähhh, gut. Also Personalausweis rauskramen (habe ich zum Glück immer dabei) und vorlegen. Er wird zuerst gelesen, und dann am PC geprüft, ob auch alles stimmt, was so auf dem Kärtchen steht. Dann muss ich unterschreiben, meine Zeigefinger scannen lassen, wieder unterschreiben, 59 Tacken abdrücken und bekomme dann den alten Paß zurück, den ich als Ausweis (?????) vorlegen muss, wenn ich den neuen in ca. sechs Wochen abholen darf. Gut, hätte ich das auch erledigt.

Dem Mörchen geht es wieder besser, wir waren gestern abend noch einmal zum Tierarzt. Das Auge ist wieder genauso groß wie das andere, er muss noch acht Tage lang ein Antibiotikum und immer weiter die Schilddrüsentabletten einnehmen und in drei Wochen wieder kommen. Für die Kohle, die ich letzter Zeit bei dem Doc gelassen habe, könnte ich mir eine neue Rassekatze kaufen. Aber ich liebe ja mein europäisches Hauskätzchen, und er liebt mich immer dann, wenn ich seine Futterdosen öffne.

Heile Welt! Alles ist gut!

18.05.2010

Der böse Zahn


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So sieht er aus, der Übeltäter, zum Vergleich liegt darüber ein Teelöffel. Gestern mussten wir wieder zum Tierarzt, weil sich das Auge über dem gezogenen Zahn entzündet hat. Die Fistel ging wohl schon sehr hoch hinauf. Das arme Mörchen hatte ein zugeschwollenes Auge, und es tränte ständig. Heute morgen sieht es aber schon besser aus. Ich bin also mit der Pflege der Katze beschäftigt und wünsche allen einen schönen Tag!

12.05.2010

Lebenszeichen

Ja, es gibt uns noch, das Mörchen und mich. Allerdings haben wir z.Zt. so viel "um die Ohren" dass wir nicht zum bloggen kommen. Viele schöne neue Geschichten warten darauf, geschrieben zu werden. Kommt Zeit, kommen Geschichten.

Schon mal eine vorweg: Ich musste mich am letzten Samstag doch sehr über die Post des Urologen meines Vertrauens wundern, der mir die Untersuchung meiner Prostata in Rechnung stellte. Eine Überprüfung meiner unteren Körperregion vor dem Spiegel ergab, dass er sich geirrt hat, nicht ich. Nun bin ich gespannt, was er zu seiner Entschuldigung zu sagen hat :-)

Demnächst wieder mehr von uns, jetzt muss ich mit dem armen Mörchen zum Tierarzt, der ihm am Montag einen Zahn ziehen musste und nachsschauen will, ob auch alles ok ist.