30.10.2011

Anzugserleichterung

Gestern traf ich einen älteren Herren, den ich schon viele Jahre kenne. Er ist ein pensionierter Offizier, sehr charmant und zuvorkommend. Er hält sich mit über 80 Jahren noch kerzengerade und ist stets korrekt gekleidet, immer im Anzug, immer eine Krawatte. Er lebt auch in der Stadt, in der unsere neue 100m²Welt liegt, und ich traf ihn neulich zufällig beim einkaufen. Selbst da trug er einen Anzug und einen Schlips. Gestern saß ich neben ihm, und zu später Stunde habe ich ihn gefragt, was er denn zu Hause anzieht. Er sah mich überrascht an: "Zu Hause? Na, da verschaffe ich mir Anzugserleichterung, lege die Krawatte ab und öffne den oberen Hemdenknopf ." Wieso habe ich überhaupt gefragt?

29.10.2011

Farbenblinde Küsse

Eine nicht repräsentative Umfrage im Familien- und Freundeskreis bei Ehepaaren ergab, dass in 97,573% der Fälle eine blau/rot Konstellation vorherrscht. Also bei Zahnbürsten. Er blau, sie rot. Das hat offenbar einen guten Grund, denn man konnte bereits vor gefühlten 100 Jahren vom lieben Herrn Grönemeyer lernen, dass Männer schon als Baby blau sind. Mir ist allerdings nicht bekannt, ob bisher erforscht wurde, dass die Herren der Schöpfung dies auch verinnerlicht haben. Der beste Ehemann von allen jedenfalls weiß es nicht, oder er ist farbenblind. Mein Zahnschrubberstiel ist klar erkennbar rot. Und ich bin sehr eigen: Ich möchte mein Zahnreinigungsutensil alleine benutzen. Gestern abend war der liebe Mann vor mir im Bad, und danach war mal wieder meine rote Zahnbürste nass, seine Blaue pulvertrocken. Auf meine sehr empörte Rückfrage schaute er mich nur an. Ziemlich lange. Pokerface. Und dann kam: "Ich weiß gar nicht, warum du dich so aufregst. Schließlich küßt du mich ja auch!" Zufrieden lächelnd schaute er vom Bett aus meiner Sprachlosigkeit zu. Bedauerlicherweise konnte ich lediglich erhobenen Hauptes das Gefechtsfeld verlassen, um eine neue rote Zahnbürste aus dem Vorratsschrank zu holen. Mistn.

28.10.2011

Auch meine Haare sitzen heute nicht

Das Auto ist immer noch in der Werkstatt, aber die Mobilitätsgarantie wird nur bis Montag morgen verlängert, und der beste Ehemann von allen muss das Mietauto wieder abgeben. Unser Auto ist dann jedoch nicht fertig, man weiß nicht wie lange es überhaupt dauert (Gemurmel über Getriebe hoch und Simmering raus und weiß der Teufel was). Steht ja auch erst eine Woche in der Werkstatt rum. Narf.

Vor drei Tagen erhielt ich eine Bücher/CD-Lieferung, in der eine bestellte CD fehlte. Ich bemängelte das mit einer E-Mail und bekam heute ein Buch nachgeliefert, dass ich schon zweimal habe. Die CD fehlt noch immer Narf.

Der am 14.10. von der Telekom freigeschaltete Entertain-Anschluss funktioniert seither nicht. Jetzt vermutet man, dass der Receiver einen Defekt hat und will ihn austauschen. So lange geht das Fernsehen nur bedingt. Narf.

Der im April (!) für Mitte September bestellte Kaminofen wurde bis heute nicht geliefert. Eine Rückfrage beim Hersteller ergab, dass ein genauer Liefertermin nicht angegeben werden kann, weil die Aufstellung eine Fremdfirma übernimmt, die sich mit uns in Verbindung setzt. Narf.

Die vor mir stehende Wand von Umzugskartons ist zwar niedriger geworden, aber latent vorhanden. Ich will jetzt sofort eine aufgräumte 100m²-Welt. Aber flott! Narf.

Mörchen ist gerade sehr wählerisch hinsichtlich seines Nassfutters und mäkelt lautstark neben dem frisch gefüllten Napf herum. Egal, was drin ist. Das ewige "Mää" geht mir auf die schon angegriffenen Ketten. Narf.

Narfnarfnarfnarf. Narf.

27.10.2011

Bad Hair Day

Heute beim alten Mann. Er war total mäkelig und launisch nicht gut drauf. Er beschwerte sich über:
- Geldmangel (dauernd muss er was bezahlen)
- Kopfschmerzen am Hinterkopf (vom Sturz am vergangenen Mittwoch)
- mangelnde Pflege (keiner reibt den Rücken ein, er war doch gestürzt)
- schlechte Krankenhausärzte (nahmen Schmerzen vom Sturz nicht ernst)
- Schmerzen in der Hüfte (vom Sturz)
- Inkontinenz (man möchte nicht wissen, was er dazu zu sagen hat)
- Schlaflosigkeit (durch Kopfschmerzen vom Sturz)
- muffeliges Pflegepersonal (vor allem männlich, nehmen den Sturz nicht ernst)
- Schmerzen im Knie (weil die Hüfte vom Sturz weh tut)
- schlechtes Essen (kein Wunder das man stürzt, man wird ganz schwach von dem Fraß)
- sein Hörgerät (verbraucht zu viele Batterien, die ich besorge und bezahle)
- zu geringe Mieteinnahmen (ich hätte ruhig 500€ - 700€ mehr nehmen können)
- Geldmangel (mit mehr Miete usw. usw.)
- zu junge Krankenhausärzte (der war höchstens 30!)
- Inkontinenz (nein - s.o.)
- mangelnde Patientenaufklärung im Krankenhaus (der Arzt hatte mit mir telefoniert)
- zu lange Haare (Friseur im Heim ist zu teuer: Geldmangel)
- schlechtes Essen (immer nur Körnebrot zum Abendessen)
- Kopfschmerzen über dem rechten Auge (muss auch vom Sturz sein)
- falscher Kaffee (verursacht Verstopfung)
- usw. usw. usw.
Sagte ich schon, dass ich vier Stunden dort war? Sagte ich schon, dass ich gerade etwas aggressiv bin? Sagte ich schon, dass ich Kopfschmerzen habe (NEIN! Nicht vom Sturz!!!). Ja, ich weiß: Es bleibt sehr schwierig...

26.10.2011

Sodele

So bleibt er nun, mein Blog. Und ich hoffe, die scrappende Damenwelt ist jetzt zufrieden ;-)

Gestern habe ich einen der Kellerräume fast leer geräumt und die umgepackten Kisten gestapelt. Es passen sage und schreibe 12 Umzugskartons in eine Reihe, und ich habe drei Reihen zur Verfügung. Es hat sich doch gelohnt, die Kartons von verschiedenen Größen in eine gleiche Göße zu tauschen, zumal die alten Kisten schon etliche unschöne Gebrauchsspuren aufwiesen. Manche waren 30 Jahre alt, die Umzugsfirma gibt es gar nicht mehr... Jetzt kann es weitergehen, und ich sehe endlich Licht am Ende des Tunnels... In der nächsten Woche widme ich mich dem Arbeitszimmer. Wir haben bald wieder Abfuhr von Altpapier!

Aber vorher holen wir das Auto aus der Werkstatt, das gute Stück ist schon wieder da. Zuletzt war es leicht inkontinent, und die Flecken bekommt man so schlecht aus der Straße raus :-) Hoffentlich ist es dann erst mal  gut bis zur nächsten Inspektion.

Ich begebe mich jetzt an die nächsten Kartons - Weihnachtsschmuck aussortieren und umpacken. Da kann ich gleich für den alten Mann Schmuck und Lichter für das Kunstbäumchen aus dem schwedischen Möbelhaus heraussuchen, er soll es zum 1. Advent bekommen. Mal sehen, was er sagt. Wahrscheinlich wird er die bunte, blinkende Lichterkette vermissen, die sein altes Bäumchen "zierte". Na ja, irgendwas ist ja immer. Sie wissen ja: Es bleibt schwierig!

24.10.2011

Alles neu

So langsam wird es was mit dem neuen Outfit meines Blogs. Wenn sich schon die 100m²-Welt und die Gegend drumherum geändert haben, dann kann sich auch hier etwas ändern. Allerdings bin ich immer noch auf die großzügige Leihgabe des besten Ehemannes von allen in Form seines Laptops angewiesen. Darum dauert alles ein bisschen länger. Ich übe schon mal mit diesem Ding. Vielleicht verirrt sich ja einmal so eines in mein Eigentum. Ja, ich glaube noch an den Weihnachtsmann! Meinen "großen" PC habe ich noch nicht an das weltweite Web angeschlossen. Das kommt nach den Kisten, die ich heute den ganzen Tag geleert, umgepackt und bearbeitet habe. Im Wohnzimmer sieht es aus, als wollte ich wieder umziehen. Mörchen hat sich vorsichtshalber in die oberen Gefilde verzogen und läßt sich nur zum Fressen blicken. Feigling! Ok., ich bastele jetzt noch ein wenig und bin gespannt, was es noch so zu ändern gibt, denn: Es bleibt schwierig!

Auf dem Parkplatz

Gestern besuchte ich den Supermarkt meines Vertrauens und stand auf dem Parkplatz neben einem Wagen, dessen Besitzer offensichtlich ein Jäger ist. Ich erkannte es
a) an der Art des Fahrzeugs,
b) an der Art der Verschmutzung des Fahrzeugs,
c) an dem Jagdhund auf der Ladefläche,
d) an folgendem Aufkleber:
"Vegetarier ist indianisch und heißt schlechter Jäger".
Leider war der Urheber des Spruchs bzw. der Hersteller des Aufklebers nicht mehr zu entziffern. Ich bitte daher um Nachsicht, dass ich keine Angaben zum Urheberrecht oder zur Herkunft machen kann. Aber den Spruch fand ich super, ich alte fleischfressende Pflanze :-)

22.10.2011

Das Leben an sich

Jetzt läuft gerade das Internet, und ich hoffe, es überlegt es sich nicht wieder anders. Wenn der neue Router hier eintrudelt, geht auch hoffentlich der Festnetzanschluss, und vielleicht denkt das Fernsehen bis dahin darüber nach, ob es länger als zwei Stunden bunte Bilder zeigen möchte oder sich elegant mit einem Standbild verabschiedet. Frau chat noir wollte etwas ändern, hat es falsch gemacht und kämpft nun mit den Folgen. Aber weil ich einen netten Schwager habe, muss ich zum Glück nicht alleine kämpfen.

Weiterhin kämpfe ich noch immer mit unausgepackten Umzugskisten, und mit Kisten, die schon seit mehreren Jahren gepackt in der alten 100m²-Welt standen. Es ist an der Zeit, sich von noch mehr Dingen zu trennen. Seit Januar krame ich, packe ein, packe aus, sortiere, verschenke, entsorge. Vielleicht sollte man von vornherein weniger aufheben. Im nächsten Leben mache ich es dann bestimmt anders. Jetzt muss ich mich nicht mehr ändern, ist eh kein Platz zum Kistenstapeln da.

Aus dem Altersheim gibt es zu berichten, dass auf merkwürdige Weise alle Krawatten des alten Mannes aus seinem Schrank verschwunden sind. Auch die aufgeregte Suche in der Wäscherei ergab kein Ergebnis. Nun grübelt er herum, wer denn seine wunderschönen Schlipse aus der Zeit um 1970 gebrauchen konnte. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ist er in seinem Zimmer gestürzt und hat mir natürlich nichts davon erzählt. Er hat sich ordentlich den Steiß geprellt, den Kopf am Bett angeschlagen und die Brille angeknackst. Und nur, weil ich das mit der Brille heute gesehen habe, berichtete er mir davon.

Bevor gleich meine geistigen Ergüsse ins Nirvana entschwinden, verschwinde ich hier jetzt. Schönen Sonntag allen, die hier ab und zu vorbeischauen! Und immer daran denken: Es bleibt schwierig!

21.10.2011

Hurra!!!

Endlich ist er da, der Herbst! Woran man das so genau merkt? Die Männer mit den Laubpustern sind wieder unterwegs. Auch die Umgebung der neuen 100m²-Welt wird von ihnen zu den für sie angenehmsten Zeiten wie morgens um 7 oder mittags um eins mit Sauberkeit verwöhnt. Und die Blätter sollen es bloß nicht wagen, auf die frisch gepusteten Wege zu fallen! Dann werden sie noch einmal gepustet, so zwischen den Zeiten sozusagen! Ach, wie habe ich sie doch vermißt, diese Herren!!!
Wie, Sie hören hier Ironie heraus? Niemals!

12.10.2011

Böser Fehler

Der beste Ehemann von allen und Frau chat noir sitzen am Fenster eines Cafés und schauen auf die im Regen vorbeieilenden Passanten. Zwischen den Fußgängern bewegt sich langsam ein Wesen, bei dem man das Geschlecht nicht auf Anhieb erkennen kann.
Er: "Guck mal da!"
Sie: "Ist das ein Mensch oder eine Frau?"
Er: "???"
Breites Grinsen seinerseits. Schlagartig war Frau chat noir klar, was sie da gesagt hat. Freud'sche Fehlleistung. Und sie weiß jetzt ganz genau, dass sie diesen Satz von nun an öfter zu hören bekommt. Mistn.  

09.10.2011

Wie schnell vergeht doch ein Jahr

Die Farben der Roben der Damen sind vielfältig. Leuchtendes Rot, schimmerndes Weiß, samtenes Mitternachtsblau, dunkles Lila, zartes Rosa. Die Stoffe sind kostbar und die Kleider der Ladies nicht von der Stange. Bekannte und auch unbekannte Modeschöpfer haben sie geschaffen. Spitze, Perlenzier, Pailetten und Glassteinchen zieren die Kunstwerke, sie glitzern und funkeln im Halbdunkel des Raumes. Man meint fast, Walzermusik zu hören und hat plötzlich einen Hauch von Parfum in der Nase. Gebannt stehe ich da, schaue und staune.

Ich lasse mich treiben von Schaukasten zu Schaukasten. Ich bin in Washington DC im Smithsonian American History Museum und schaue mir die Ausstellung "First Ladies at the Smithsonian" an, als mir von meiner Begleitung ein Handy in die Hand gedrückt wird. Der Anruf kommt aus Deutschland, und man teilt mir mit, dass der kleine Schatzemann geboren wurde.

Das ist heute ein Jahr her. Kaum zu glauben. Inzwischen kann er die ersten unsicheren Schritte alleine laufen, er lacht und spielt mit mir, nimmt mich in den Arm. Herzlichen Glückwunsch zum ersten Geburtstag, kleiner Schatzemann, schön, dass es Dich gibt!

06.10.2011

Abschied

Als ich am 30. August mir ihr telefonierte, war sie richtig gut drauf. Sie wollte alles wissen über den Umzug, die Familie, das Mörchen. Sie kommentierte, hinterfragte, lachte mit mir. Sie ließ sich von mir den Weg von der neuen 100m²-Welt in das Dorf erklären, in dem sie geboren wurde, knappe zehn Minuten von hier. Mir fiel dabei der Name eines Ortes nicht ein, welchen man auf diesem Weg durchfahren muss. Ich beschrieb ihr die Gaststätte, die direkt an der Straße liegt, und sie nannte mir den Namen des Dorfes und den der "ollen Kneipe", wie sie das heute renommierte Restaurant mit ländlichen Charakter liebevoll umschrieb. Es war ihr 87. Geburtstag.

Gestern am frühen Abend sind der beste Ehemann und ich an der "ollen Kneipe" vorbeigefahren, und ich musste grinsen und an sie denken. Dabei nahm ich mir vor, sie wieder mal anzurufen. Wir kamen spät nach Hause, und das Telefon klingelte noch beim hereinkommen. Man teilte uns mit, dass sie gerade zu der Zeit, als wir an dem Restaurant vorbeifuhren, gestorben war. Einfach so.

Sie war eine bemerkenswerte Frau mit einem nicht immer ganz leichten Leben. Sie war die Lieblingstante des besten Ehemannes von allen, und ich konnte gut verstehen, warum. Ich mochte sie sehr.

Wir sind zusammen traurig, und wir werden die "olle Kneipe" von nun an immer mit Wehmut betrachten. Auf Wiedersehen Tante Anneliese, grüß' alle anderen da oben von uns und nimm Kater mal auf den Arm, der mag das nämlich sehr.

03.10.2011

Tarnnetz

Unsere neue 100m²-Welt hat nicht nur einen Garten mit Terrasse, sondern auch einen Balkon. Diesen kann man von zwei Zimmern aus betreten. Mörchen ist eine reine Hauskatze und darf wegen seiner angeborenen Kurzsichtigkeit nicht in die große Welt außerhalb unserer kleinen Welt. Darum haben der beste Ehemann von allen und der einzige, und darum beste Sohn ein Katzennetz über die gesamte Breite des Balkons gespannt. Nun kann Mörchen durch zwei Ausgänge in die frische Luft wechseln, draußen auf dem Kratzbaum in der Sonne liegen, aber nicht in den Garten fallen, falls er auf die Balkonbrüstung springen sollte. Macht er aber nicht, er liegt faul in der Sonne, blinzelt ab und zu, wenn sich in den Baum vor seiner Nase ein frecher Vogel setzt und genießt die neue Freiheit.

Gestern sprach mich über den Gartenzaun hinweg eine Nachbarin an. Sie wollte dringend wissen, warum wir dieses Netz gespannt haben da oben. Wir würden wohl Papageien züchten? Aber das Netz wäre am oberen Ende nicht ganz bis an die Decke ran, ob die Vögel da nicht wegfliegen können? Es hat mich ja sehr gejuckt, aber ich habe keine blöde Antwort gegeben, so alá "Nein, wir schneiden denen immer einen Flügel ab, deshalb schwirren sie im Kreis herum" oder "Sie sind mit einem Fuß an einem Pfahl am Boden angebunden". Ich habe sie nett darüber aufgeklärt, dass unser Kater mit dem Netz am Herabstürzen vom Balkon gehindert werden soll. Daraufhin stellte sie fest, dass die Katze ja nicht fliegen könne und eigentlich so ein Netz überflüssig sei. Sie wünschte mir noch einen schönen Tag und entschwand. Tja, Kater. Du bist irgendwie nicht in Ordnung. Die Frau hat wohl eine Katze, die fliegen kann. Wieso kannst Du das nicht?