07.12.2011

06.12.2011

Tür zu

Der bEva verkündet mir, dass er nach dem Frühstück in die Garage geht. Er will dort aufräumen, die letzten Kartons in Haus holen (alles seine, meine sind fast leer), und ausprobieren, ob das Lieblingsauto überhaupt in seine Hütte passt. Er entschwindet also, und ich höre ihn noch eine Weile die Kartons im Haus verstauen, dann ist Stille. Ich kann also in Ruhe die Blogs anderer Menschen lesen und zwischendurch dies und das Teil zwischen Küche und Essecke hin- und her bewegen, um den Tisch abzuräumen. Damit sieht es wenigsten so aus, als würde ich meinen hausfraulichen Pflichten nachkommen. Jedenfalls hatte ich den bEva total vergessen, als es Sturm klingelt.

Ich denke auf dem Weg zur Haustür darüber nach, wer das denn sein kann, schließlich hat der liebe Ehemann seinen Schlüssel mit. Ich öffne die Tür, und an mir vorbei stürmt ein völlig aufgelöster bEva ins Haus. "Hast Du noch einen Garagenschlüssel?" Es folgt die - laut  bEva - blödeste Gegenfrage aller Gegenfragen meinerseits. Ich kann mir aber jetzt darüber nicht den Kopf zerbrechen, denn in dieser Situation scheint ausgefeilte Konservation nicht so wichtig zu sein. "Warum?" Augenaufschlag seinerseits: "Hast du nun?" Natürlich habe ich, und zwar an meinem Schlüsselbund. Das liegt da, wo es hingehört. In meiner Handtasche. Und die liegt gerade - äähhhmm - weiß ja gar nicht wo. "Jetzt mach mal schneller! In der Garage steht der Wagen mit laufenden Motor und das Tor ist zu!"

Ich drehe mich zu meinem Liebsten um und setze zu der wohl natürlichsten Frage der Welt an, da werde ich auch schon wieder unterbrochen. "Frag jetzt bloß nicht "warum"! Such den Schlüssel!" So redest du nicht mit mir, mein Freund! Leider habe ich just in diesem Moment die Tasche gefunden, gebe dem Göttergatten meinen Schlüssel, und schon ist er weg, das Auto vor dem sicheren Tod durch Autoabgase zu retten. Kann man ja verstehen. Aber warum wollte es nicht mehr leben, wo es doch gerade für viel Geld in der Kur war? Oder hatte der bEva etwa das Tor verriegelt, bevor er es schloß? Hätte er dann den sicheren Tod der schwarzen Karosse verschuldet? Fragen über Fragen... Eines ist jedoch sicher - das Lieblingsauto paßt trotz Regal an der Stirnseite ganz in seine neue Hütte. Tschakka!

03.12.2011

Chorgesänge und Volksmusik

Als Kind erlebten der bEva und sein Bruder mit ihrem Vater die Don Kosaken auf der Bühne. Wenn sie darüber sprechen, schwärmen sie noch heute davon. Meine Musik ist das nicht wirklich, aber als ich vor einigen Tagen ein Plakat in der Post hängen sah, mit dem ein Gastspiel der Herren in unserer Kirche angekündigt wurde, erzählte ich dem bEva und seinem Bruder davon. Natürlich waren wir dann zu viert in dem Konzert, und meine Schwägerin und ich hofften sehr, dass die singenden Russen jüngeren Datums sind als die, die unsere Ehemänner einmal gehört hatten. Ich muss zugeben, dass ich von dem Chor positiv überrascht wurde. Heute sind es zwar nur noch 11 Männer, aber sie sind sehr stimmgewaltig und beeindruckend in den Soli. Zum Glück sind sie zum Teil auch für eine Frau eine Augenweide :-), doch leider ist mein russisch nicht gut genug, daher verstand ich bis auf "Kalinka" nichts von den Texten. Es wurden aber auch Weihnachtslieder angeblich in unserer Sprache gesungen, da hätte ich mehr verstehen müssen. Wahrscheinlich war ich zu sehr in Gedanken.

Ich saß also so in meiner Bank und lauschte dem Gesang, da fiel mir ein anderes Konzert ein, dass der bEva und ich vor vielen Jahren besucht hatten. Wir waren mit meiner Oma und deren Schwester, die in Amerika lebte und zu Besuch in Deutschland war, bei den Egerländer Musikanten. Auch das war und ist nicht meine Mucke, aber den Damen gefiel es. Wir gingen danach essen, und im Lokal fiel meiner Oma das Messer herunter. Anstatt den Kellner zu rufen, und ihn um ein neues Messer zu bitten, stand sie auf, kniete sich auf den Boden, krabbelte unter Tisch und holte das Messer wieder herauf. Ihre Schwester zischelte "Oh my gosh, Martha, was tust du?", der bEva und der Mann meiner Großtante lachten sich kaputt und ich beobachtete die anderen Menschen im Restaurant. Es bestand aber überhaupt kein Grund zur Aufregung - es hatte niemand bemerkt.

In der nächsten Woche werde ich wieder in ein Konzert gehen, dass nicht meinem Musikgeschmack entspricht. Wir haben meiner Schwiegermutter zum Geburtstag eine Karte für das Weihnachtskonzert der Kastelruther Spatzen geschenkt und begleiten sie dorthin. Ich bin gespannt, ob der bEva und ich den Altersdurchschnitt im Saal senken werden. Die bEva-Mama freut sich schon sehr auf den Abend, und damit ist alles in Ordnung. Vielleicht habe ich ja Glück und Frau Caro Emerald tritt hier oder in der Nähe einmal auf, ich finde jemanden, der mit mir in das Konzert geht und der bEva liest gerade dann diesen Blogeintrag?