31.12.2012

Der letzte Tag im Monat

11 Monate lang schert sich kein Mensch um den letzten Tag im Monat. Höchstens wird er freudig erwartet, weil es am nächsten Tag wieder neues Geld gibt. Nur im Dezember werden die Mitmenschen etwas sentimental und schauen weiter nach vorn. Dort gibt es nämlich nicht nur neue Kohle, sondern gleich ein ganz neues Jahr zu sehen. Und manchmal schauen sie sich über die Schulter, um noch einen Blick auf das Alte zu erhaschen. Macht am Ende eines stinknormalen Monats auch kaum ein Mensch. Und wer nicht für sich selbst schwerwiegende Veränderungen - gewollt oder ungewollt - zu bewältigen hatte oder bewältigen wird, dem kann der Rest egal sein. Es wird nämlich so laufen wie immer. Die selbst eingetretenen Pfade werden weiter benutzt, um die Wege des Lebens zu gehen. Letztendlich dreht sich alles um den eigenen Mikrokosmos im großen Ganzen. Und machen wir uns doch nichts vor: Die guten Vorsätze beruhigen in der Regel nur für 2 Tage das eigene schlechte Gewissen. Darum gibt es bei Frau chat noir nur einen kurzen,  wohlwollenden Blick zurück, keine Vorsätze - weder gute noch schlechte - für das neue Jahr, sondern nur Pläne und den Wunsch, sich zu bedanken. Und zwar bei dem, der die Hand über uns alle hält und dafür gesorgt hat, dass alles gut gegangen ist mit mir und meinen Lieben. Ansonsten halte ich es mit Herrn von Goethe:

Das neue Jahr sieht mich freundlich an,
und ich lasse das alte 
mit seinem Sonnenschein und Wolken
ruhig hinter mir.

Ich wünsche allen, die hier vorbeischauen, einen angenehmen Jahreswechsel. Jeder begehe ihn so, wie er es mag. Denen, die Vorsätze für das kommende Jahr gefasst haben, wünsche ich, dass sie gelingen werden. Allen wünsche ich Gesundheit, Zufriedenheit und Glück. Jeder so, wie er es verdient hat es möchte. Liebe Grüße in die Welt von der schwarzen Katze

30.12.2012

Zeit

Der Baum ist bald Geschichte, so wie das Jahr bald Vergangenheit ist. Und bevor die Zeit für den "schönsten Baum, den wir je hatten" (Familieninsider) abläuft, wird er hier für spätere Zeiten konserviert. Weil er so schön ist. Findet Frau chat noir.


Mal sehen, wie lange er noch in meinem Wohnzimmer Asyl gewährt bekommt. Es scheint ihm aber nicht besonders bei uns zu gefallen, denn er nadelt bereits leise vor sich hin.

24.12.2012

Frohe Weihnachten!

Hallo, Ihr da draußen!
Frau chat noir wünscht allen gelungene Festtage ohne Streit, Bauchweh, Ärger und schlechte Laune. Auf das alle Geschenke den Wünschen entsprechen, das Essen schmeckt und alles so verläuft, wie jeder es sich wünscht. Gehabt Euch wohl, bis demnächst,
die schwarze Katze

22.12.2012

Fliegende Torten

Frau chat noir liest. Und zwar mehrmals täglich ihre Blogroll rauf und runter. Dazu gehört auch der Blog vom Capt'n. Und als dieser der Welt seine Gedanken über Tortenbilder und einer damit verbundenen Verlosung mitteilte, sandte ich ihm wie gefordert eine E-Mail mit meiner Adresse (keine Chance - er ist ein Gentleman und behält meinen Klarnamen für sich *g) und bat den großen Kürbis um Mithilfe. Denn wenn der für den Capt'n so manches regelt, macht er das vielleicht auch für mich. Nun, was soll ich sagen, mein Wunsch, den ich gleichzeitig ans Universum schickte, wurde erfüllt. Ich weiß aber nicht genau, von wem. Also ob von Capt'ns großen Kürbis oder meinem Universum. Oder mehr vom Kugelschreiber, der bei der analogen Ziehung der Lose zum Einsatz kam. Egal - ich habe mich sehr gefreut und bedanke mich bei Castagiro ganz herzlich!


Zuerst kam das Päckchen, in dem die Holzkiste lag. In der Holzkiste befindet sich die Torte, die nicht nur nach Weihnachten aussieht, sondern auch so duftet. Und die auch dann erst gegessen wird.

Die Spielregel besagt, dass ich nun etwas zurück schicken muss. Ich weiß auch schon was, aber darüber bewahre ich Stillschweigen. Soll der Empfänger entscheiden, ob er etwas dazu sagt. Ich denke jedoch, auch dann wird er ein Gentleman sein *gg

Klöng, Klöckschen, Klöngelöngelöng

Weihnachtsfeier im Altersheim Seniorenpark. Weil besuchsbedingt ein Kleinkind bei den chat noirs weilt, dieses einen langen, tiefen Mittagsschlaf hielt und dadurch unsere Zeit-Raum-Berechnung platzte, kamen wir 20 Minuten zu spät dort an. Der Flur vor dem Restaurant rappelvoll mit Rollatoren, das Restaurant selbst rappelvoll mit Menschen, auf Stühlen oder Rollstühlen an langen Tischen sitzend. Laute Weihnachtsmucke läßt die Stimmen während der Gespräche noch lauter werden, Hörgeräte beginnen zu piepsen. Am Ende der Fensterreihe an einem Tisch für fünf Personen sitzt der alte Mann mit Weihnachtsmannmütze, auf der "Nice" steht, in seinem Rollstuhl und noch zwei weiteren Bewohnern zusammen und wartet auf uns. Wir begrüßen ihn, aber er raunzt uns sofort an: "Ich warte hier schon seit 13.30 Uhr, um den Tisch frei zu halten, aber die setzen hier immer noch Leute ran, sagen, man kann nicht reservieren, und nun können wir nicht zusammen sitzen. Wir sind ja auch ÜBERHAUPT nicht angemeldet!!!"

10 Minuten später sitzt die angemeldete Familie chat noir an einem anderen Tisch, der für uns reserviert war, es stand sogar ein Kinderstühlchen daran. Der olle Muffelkopp thront am Kopfende mit dem Rücken zum Saal und rührt mit beleidigtem Gesicht mit seinem Finger im Plätzchenteller. Dabei wird er von seinem Urenkel fasziniert beobachtet. Die Kekse seien alle nur für den hohlen Zahn, der Kaffee zu kalt und die alten Menschen viel zu laut. Während seines Monologs kommt Bewegung in die Veranstaltung.

Tusch. Zwei Pflegerinnen, ebenfalls mit Weihnachtsmannmützen geschmückt, die eine hat sogar weiße Wollzöpfe an ihrem Exemplar, begrüßen mit dem zunächst nur vor sich hinpfeifenden Mikro die Gäste. Alle Hörgeräteträger fassen sich ans Ohr und fummeln daran herum, aber das Pfeifen kommt aus der Anlage. Endlich ist alles richtig eingestellt und es kann losgehen. Die Damen lesen eine weihnachtliche Geschichte vor, die furchtbar lang ist und von deren Inhalt ich nichts mehr weiß. Das lag daran, dass sich die Damen abwechselten, aber die eine wie eine Schülerin der 4. Klasse las vor sich hin stotterte. Während ihres nervtötenden Vortrags wird der Geräuschpegel um sie herum immer lauter und die Besserwisser mit den "Schschschsch"-Geräuschen treten in Aktion.

Pause. Es gibt Kinderpunsch für die alten Leute und Glühwein für die Angehörigen.Verdrehte Welt, irgendwie... Der alte Mann rührt weiter im Plätzchenteller, der kleine Mann mümmelt mitgebrachtes Obst und Käsewürfel. Er bietet dem Urgroßvater einen davon zum Tausch an, der versteht es nicht und isst den Würfel ohne Gegenleistung. Böser Blick aus Kinderaugen und kein neues Angebot mehr. Selber Schuld, der Käse wird allein verzehrt. Weihnachtliche Dudelmusik zwangsbeschallt die Festgesellschaft. Der alte Mann regt sich über seine Mitbewohner auf, die mit ihrem Messer Löcher in die Butter stechen, Honig mit dem Teelöffel herauspieken und seine Salami aufessen. Er beklagt, dass eine Bewohnerin immer dann ihren schmerzenden Arm zeigen muss, wenn er allein mit der Physiotherapeutin in der Küche Kaffee trinkt. Und überhaupt reden sie nicht mehr mit ihm und er will in die erste Etage umziehen. Die hatten gestern Weihnachtsfeier, da waren Bläser* für die reichen aus der ersten Etage, aber für den Pöbel in der zweiten Etage gibt es so was nicht.

Tusch. Es werden Liedzettel verteilt, die gesamte Pflegerschaft bewaffnet sich mit Blockflöten, Triangeln und sonstigem Orff'schen Instrumentarium und es beginnt die Liveshow. Löblich wäre es, wenn alle gleichzeitig begännen, aber das klappt bei keinem der Lieder. Brav werden alle Strophen abgesungen. O Tannenbaum, Leise rieselt der Schnee, Es ist ein Ros (warum singen die meisten Menschen immer "Roß"?) entsprungen usw. usw. Der Knaller ist das Lieblingslied des alten Mannes, dass er hingebungsvoll schmettert: "Klöng, Klöckschen, Klöngelöngelöng, klöng, Klöckschen, klöng!" Leider konnte ich nicht mitsingen, weil sich mein ostbengalischer Würfelhusten wieder breit gemacht hat und ich sowas von heiser bin... Mutter und Kind haben den Raum bereits verlassen und vergnügen sich nebenan mit bewegungstherapeutischen Luftballons. Die Wurzeln für den Musikgeschmack eines Menschen kann man nicht früh genug legen. Darum rocken Oma und Enkel zu Hause nach den Stones oder Herrn Maffey, hier aber wird das zarte Musikpflänzchen in dem Kind mit Füßen getreten.... Ende der musikalischen Einlage.

Pause. In der ersten Etage ist das Essen wärmer und besser, weil die Leute da die Vornehmen sind und gut behandelt werden müssen. Und ob ich denn die eine Wärterin da sehen würde? Die hätte er neulich auf dem Flur mit einer Bewohnerin erwischt. Sie hätte die Frau immerzu gestreichelt. Die ist bestimmt lesbisch, und zu ihm muss die nicht mehr kommen. Warum er kein Geld mehr von mir bekäme, seine Rente wäre doch sehr gut? Meine Erklärungen prallen völlig an ihm ab, er will gar nicht wissen, dass seine gute Rente nicht ausreicht und wie wir es ohne staatliche Hilfen schaffen, ihn dort wohnen zu lassen. Ihn interessiert nur, warum er nicht mehr Geld zur Verfügung hat. Me, Myself and I, die drei sind hier im Raum die wichtigsten Personen überhaupt.

Tusch. Der Weihnachtsmann kommt mit einem Rollwagen herein und verteilt an die Bewohner Geschenke. Er geht von Tisch zu Tisch, überreicht jeweils eine Tüte und wendet sich dem Nächsten zu. Schade, dass der alte Mann nicht gefragt wird, ob er immer brav war ;-) Dafür finde ich das Geschenk für ihn, der im Monat drei Flaschen Haarspray verbraucht, sehr gelungen: Ein Körbchen mit Kamm, Haarbürste und Shampoo. (Das will ich nicht. Ich nehme immer nur G.uh.l für weißes Haar!). Nach dem Weihnachtsmann folgt noch einmal ein Gedicht und eine Geschichte, diesmal von anderen dienstbaren Geistern vorgetragen. Derweil werden schon mal Teller, Tassen und Kannen abgeräumt und die Keksteller liebevoll ineinander geschüttet. Neuer Grund zum Fingerrühren.

Schluß. Das Restaurant leert sich überraschend schnell. Wir fahren noch mit dem alten Mann in die 2. Etage und bringen ihn in sein Zimmer. Das sei ja mal wieder eine blöde Veranstaltung gewesen. Warum er sich das immer wieder antut, weiß er auch nicht. Schon die Weinprobe neulich war Mist. Und mit der einen Oberwärterin hat er sich wegen des Essens gestritten. Die wollte ihm was geben, was er nicht bestellt hatte. Überhaupt wäre das Essen so schlecht, der Kartoffelsalat immer heiß (!), die Pfannkuchen hart und das Gyros aus der Pfanne. Nur die in der ersten Etage.....

Das Kind gab zur rechten Zeit kund, dass es jetzt nach Hause wolle. Verabschiedung, ("ach ja, warum hast Du uns kein Deospray mitgebracht? Und wir brauchen dringend Zahncreme und Schmerzgel. Das musst Du noch in dieser Woche vorbeibringen, bis Montag kommen wir damit nicht mehr hin!!") Ende des besinnlichen und ruhigen Nachmittags mit dezenter Musik und Geschichten für alte Menschen.

* Der Posaunenchor, den er in Erinnerung hat, gab am dritten Advent während des Weihnachtsmarktes ein Konzert. Er trat danach zu keiner Weihnachtsfeier des Altenheimes auf.

17.12.2012

Weihnachtsmarkt im Seniorenheim

Einer von drei Märkten im Jahr, die für die Bewohner und deren Angehörige veranstaltet werden. Die Bewohner basteln und werkeln ab Juli für die Verkaufsstände, und die Angehörigen können Stände mit Eigenkreationen aufbauen. Frau chat noir und der Chef hatten alle Hände voll zu tun, den alten Mann drei Stunden lang davon abzuhalten, vor dem familieneigenen Stand im Rollstuhl zu stehen und zu quatschen. Man konnte ihn nur mit frischen Waffeln, Glühwein sowie Kaffee und Kuchen und später mit Bratwürstchen davon abhalten. Junge, er hat alles durcheinander gegessen und getrunken. Mir wäre davon extrem schlecht geworden, wahrscheinlich fehlen mir da noch gefühlte hundert Jahre Übung. Aber unser Oppa hat gefuttert, was das Zeug hielt und war später von dem Glühwein ein klein wenig angeschickert...

Hier Impressionen vom Tag - ohne den alten Mann.


12.12.2012

Zufallstreffer?

Über guten Geschmack läßt sich nicht streiten. Und mein Geschmack ist ja so was von gut. Ich habe heute zwei Rollen Weihnachtspapier erstanden (nein, ich möchte hier nicht über die Auswirkungen des Weihnachtspapiers auf die Umwelt diskutieren). Eben habe ich sie zu den bereits herausgesuchten Rollen aus dem letzten Jahr gelegt. Und was soll ich sagen? Obwohl nicht im selben Geschäft gekauft haben sie das gleiche Muster wie die Rollen vom Vorjahr. Wenigstens da hat mein Geschmack bestand ;-) Allerdings wird das mit der bunten Vielfalt unter dem Baum nun nichts. Aber irgendwas ist ja immer.

Nur die Ruhe!

Meine eben gemachte Erfahrung sagt mir, dass man nicht in Panik und größte Befürchtungen ausbrechen muss, wenn man nach dem Zähneputzen kleine weiße Krümel im Waschbecken findet. Bei genauerer Betrachtung stellen sie sich nämlich als Katzenstreu heraus. Sowas bleibt schon mal liegen, wenn man vorher den Wassernapf der Katze säubert und neu mit Wasser befüllt. Boah, jetzt bin ich wieder wach!

Live aus dem Badezimmer

10.12.2012

Nachbarschaftliches

Er kommt uns im Dunkeln vor unserer Haustür entgegen.

Wir: "Guten Abend!"
Er:   "Guten Abend!"
Wir: "Na, alles klar?"
Er:   "Jau, und bei Euch?"
Wir: "Geht immer weiter!"
Er:   "So muss es sein!"

Keiner ist stehengeblieben. Alles im Vorbeilaufen. Wenn das mal keine ausführliche Kommunikation ist!

08.12.2012

Männerlogik

Der Chef und ich fahren auf der Autobahn. Rechts und 80, weil Baustelle. Uns überholt viel zu schnell ein Maserati. "Nun guck Dir den an! Hier ist 80!!!" Ich gucke, sehe aber nix mehr. Fünf Minuten schweigen. Immer noch Baustelle, immer noch 80, immer noch rechts. Uns überholt viel zu schnell ein Porsche.  "Die haben zwar so dicke Autos, aber bestimmt so ein kleines Geschlechtsteil (aus Gründen des Jugendschutzes kann ich hier nicht schreiben, was er tatsächlich gesagt hat). Darum geben sie hier so an!!! Hallo, hier ist ACHTZIG!!!!". Der Porschefahrer kann ihn nicht mehr hören, der ist schon ziemlich weit vor uns.

Nein, ich weiß auch nicht, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Ich bin nur eine Frau, diese Logik verwehrt sich mir ganz. Die Fahrer lenken die Wagen doch auch mit den Händen, oder?

07.12.2012

Der alte Mann und die Frauen

Als seine Ehefrau vor 20 Jahren starb, war er 72 Jahre alt und nach ca. drei Monaten wieder auf der Suche. Da war die Phase des Selbstmitleids bis auf einen kleinen, nützlichen Rest abgeklungen.

Er baggerte an, was nicht bei drei auf dem Baum war. Kegelschwestern, Schulfreundinnen seiner verstorbenen Frau, Nachbarinnen, Kassiererinnen im Supermarkt, Verkäuferinnen im Backshop. Zunächst bekamen wir davon nichts mit, wir lebten nicht im selben Ort, und wir sahen uns nur hin- und wieder. Viele Jahre schien er mit seinem Leben gut klar zu kommen, aber immer mehr trat die Suche nach einer Beziehung in den Vordergrund.

Der Chef und ich merkten es daran, dass wir genauestens befragt wurden, wie man einen Führerschein macht und wie hoch die finanzielle Belastung sei. Da war der alte Mann, der nie einen Führerschein besessen hatte, schon weit über 80. Nun hatte er eine Frau kennengelernt, die jemanden mit Auto suchte. Leider hat er sie dann an einen jüngeren Mann verloren, der war 75 und besaß einen Mercedes.

Seine Suche veränderte sich daraufhin. Er wurde älter, und die Damen jünger. Jetzt kam eine Sprechstundenhilfe dazu, die den Fehler begangen hatte, nett zu einem einsamen, alten Mann zu sein, ihn zum Einkaufen in ihrem Wagen mitzunehmen und mit ihm ein wenig ihrer freien Zeit zu verbringen. Er lauerte ihr an der Praxis auf und gestand ihr seine Liebe. Die Frau war Anfang 40 und alleinerziehend, merkwürdiger Weise konnte sie keinen 90jährigen Galan gebrauchen.

Dann war da die Physiotherapeutin. Er machte sich ernsthafte Gedanken über seine Potenz, beobachtete die Praxis tagelang von einem Fenster eines Cafés aus und verfolgte die Frau sogar mit dem Taxi ("Folgen Sie dem schwarzen Wagen dort vorne!"). Sie traf sich mit ihrem Freund an einem See und damit den alten Mann Mitten ins Herz. Daraufhin trat er in den folgenden Tagen so massiv an ihrem Arbeitsplatz auf, dass er Hausverbot bekam und sich eine andere Massagepraxis suchen musste.

Als er ins Altersheim zog, rückten die jungen Pflegerinnen in den Mittelpunkt. Sie mußten blond sein und "schöne Augen" (mindestens ein C-Körbchen) haben. Offensichtlich entsprach eine der Damen besonders seinem Beuteschema, ich wurde von der Pflegedienstleitung anläßlich eines Festes darauf hingewiesen. Den besten Zugang zum alten Mann hat unser Sohn, der wurde zur Klärung des Vorfalls ins Altersheim abkommandiert und redete mit seinem Großvater Klartext ("Alter, ich hatte vielleicht rote Ohren! Was der mir erzählt hat, wollte ich gar nicht wissen. Junge, Junge, hat der eine Fantasie!").

Es wurde ruhiger um den alten Mann und seine Frauen. Wir hatten schon gehofft, jetzt ist es gut. Falsche Einschätzung der Lage.

Zunächst fand ich im Altersheim bei der Suche nach einer Strickjacke im Schrank einen alten Kalender, den ich nicht anfassen durfte und sofort bei ihm abliefern musste. Natürlich schaute ich später nach, was denn so geheimnisvoll an diesem alten Ding ist. Es beinhaltete einen von ihm mit zahlreichen Unterstreichungen und Randbemerkungen versehenen Artikel, in dem über Hausbesuche von Damen des horizontalen Gewerbes berichtet wurde. Vor allem ging es darum, ob man die Kosten dafür bei der Krankenkasse einreichen kann. Daneben klebten gleich ein paar Anzeigen entsprechender Häuser mit markierten Telefonnummern.

Vor drei Monaten traf sich die gesamte Großfamilie zu einem feierlichen Anlass. Das jüngste Mitglied der "Sippe" wurde getauft, und natürlich wurde der alte Mann zu den Feierlichkeiten aus dem Seniorenpark geholt. Er saß neben der Großmutter meiner Schwiegertochter. Frau B. war seit etwa einem Jahr verwitwet und berichtete dem alten Mann davon. "Wie alt bist Du denn? 72? Na, da kann man doch noch mal heiraten! Ich suche gerade eine Frau!" Frau B. fand das und die Erzählungen über seine Damenbekanntschaften im Altersheim nicht so lustig und wechselte den Platz.

Gestern wurde ich im Seniorenpark von zwei Damen angesprochen, die sich bitterlich über den alten Mann beklagten. Sie hatten sich mit ihm eine zeitlang auf ein alkoholfreies Bier im Restaurant getroffen. Eine der beiden war wohl in seine engere Wahl getreten, aber sie gab mir zu verstehen, dass sie ihr Leben "mit so einem" verbracht und kein Interesse mehr an Männern habe. Und der Anderen hatte er während einer Unterhaltung den Mund mit den Worten "Halt doch mal das Maul, du dumme Ziege!" verboten und sich bis dato dafür nicht ENTSCHULDIGT!!!

Ich bin sehr gespannt, was noch alles kommen wird. Zur Zeit sitzt er am Fenster, beobachtet den Parkplatz und notiert sich die Kennzeichen der Fahrzeuge. Wetten, das hat wieder mit einer Frau zu tun?

27.11.2012

Geheimbund, Nervenstärke und Freude

Wenn man hier gerne dabei sein würde, aber einem jedesmal dieses Bild


gezeigt wird, wenn man eine E-Mail schreiben möchte, dann ist der Wurm drin. Und darum versucht man gar nicht erst, zum Geheimbund dazuzugehören. Geht ja auch ohne...

Ansonsten wird meine Zeit gerade Schwiegermuttertechnisch in Anspruch genommen. Sie ist für einige Tage in der 100m²-Welt zu Besuch, findet sich in dieser aber gar nicht zurecht. Der alte Mann verlangt nach Einkäufen für ihn, das "Weihnachtsraus" hockt mir im Nacken, morgen habe ich einen Arzttermin, übermorgen muss Schwiegermama zum Friseur und nachmittags ist der übliche Donnerstag beim alten Mann angesagt. Hänge ab jetzt ein Schild an meiner Schlafzimmertür auf:

Bitte nicht stören!!!


Ich stehe einfach nicht mehr auf. Mamie Eisenhower hat von ihrem 50. Lebensjahr an ihren Haushalt aus dem Bett heraus geführt. Scheint also zu gehen.

Aber einen Lichtblick gab es heute morgen im trüben Novemberwetter. Es kam ein Päckchen von meiner Freundin an. Darin viele Überraschungen für den Chef und mich. Darüber haben wir uns sehr gefreut, und das hübsche Tuch riecht sogar nach ihr - wie nennt man die Sehnsucht nach Menschen? Fernweh? Heimweh? Muhgeweh? Danke, meine Liebe, es kam gerade im richtigen Moment! (Der kleine Elefant ist auch schon in mein Schlafzimmer gezogen, von wegen Setzkasten *gg*)

So, ich gehe jetzt mal den Trockner leer räumen und dann eine Anzeige aufgeben. Ich schätze nämlich, dass ohne Personal ein Leben aus dem Bett heraus nicht möglich ist. Manno.

16.11.2012

Elternabend

Das Altersheim, in dem der alte Mann lebt, veranstaltet in unregelmäßigen Abständen Angehörigenabende, von mir scherzhaft "Elternabend" genannt. Die Abende erinnern mich nämlich in Aufbau und Ablauf genau an die Abende in diversen Schulen, die ich dort meinen Kindern zuliebe verbringen musste.

Nun also im Altersheim. Ich hatte den Chef und mich angemeldet, denn man erfährt an den Abenden doch immer mal wieder Neues. Eine Stunde vor Beginn rief der alte Mann im Hause chat noir an. Er teilte mit, dass ich am Donnerstag nicht kommen muss, weil ich kein Auto habe. (Der Chef ist damit unterwegs, ich wäre mit dem Bus gefahren und noch ein ordentliches Stück gelaufen. Ja, Frau V., evtl. hätte ich mir ein Taxi gegönnt :) ). Und weil ich so ein guter Mensch bin, sage ich ihm, dass ich gleich zum Angehörigenabend gehen werde und danach noch einmal bei ihm hereinschaue, damit wir uns in dieser Woche wenigstens kurz sehen. Grober Fehler meinerseits.

Er wurde ganz aufgeregt, er wisse von dem Abend nichts und das hätte im Heim auch nirgendwo gestanden. Er prüfe das jetzt. Zack, aufgelegt. 10 Minuten später rief er wieder an, er hätte sich schlau gemacht und wisse jetzt, worum es gehe. Er wünscht uns eine gute Fahrt, wir würden uns dann sehen, und legte wieder auf. Wir fuhren gleich danach los. Als wir das Heim durch einen Nebeneingang, der näher am Parkplatz liegt, betraten, sahen wir im sonst menschenleeren Flur den alten Mann auf eine Frau zurollern und laut fragen, wo denn der Elternabend stattfinde, im Restaurant und den Clubräumen sei alles dunkel. Die Frau schaute ihn verständnislos an, der alte Mann versuchte ihr zu erklären,dass seine Angehörigen zu dieser Veranstaltung kommen wollten und schon auf dem Weg wären.

Ich ging zu ihm hin und holte ihn zum Fahrstuhl. Er freute sich, uns zu sehen und wollte mit zu der Veranstaltung. Mein Einwand, das wäre nur für Angehörige, tat er mit einer Handbewegung ab. Er sei schließlich auch Angehöriger und wollte bei uns sein. Nun schlagen Sie so eine Bitte mal ohne Krach und Theater ab. Fazit: Wir haben ihn mitgenommen in den Veranstaltungsraum, was uns sehr verwunderte und fragende Blicke von allen Seiten einbrachte. Sehr unangenehme Blicke. Er aber saß in seinem Rollstuhl, trank Apfelsaft und verstand nichts, denn er hatte in der Aufregung sein Hörgerät vergessen. Ab und zu winkte er einer Frau zu, die damit aber nicht umzugehen wusste.

Später brachten wir ihn auf sein Zimmer. Er wollte wissen, wo denn die anderen Leute, die da gesessen hätten, wohnen würden. Auf seiner Station wären sie jedenfalls nicht, die würde er ja alle kennen. Nur die eine Frau, die hätte er schon mal gesehen. Der Chef sagte, dass die alle zu seiner Station gehören. Da wurde der alte Mann böse, ließ den Chef nicht ausreden, fuchtelte ihm mit dem Zeigefinger vor der Nase herum, und es kam wieder das obligatorische, laute "Du lügst!" Er kenne alle Leute auf der Station, und außer ihm wäre nur noch ein Mann hier, und da hätten drei andere Männer gesessen außer uns, und die wohnten nicht auf dieser Station. Wir versuchten es noch einmal, sagten, dass die Leute hier Angehörige wohnen haben und deshalb hier gewesen seien. Er schüttelte den Kopf, das sei falsch. "Noch einmal, alter Mann. Du bist ein Bewohner, wir sind Angehörige. Die Leute heute abend waren auch Angehörige, deren Mütter, Väter, Großeltern, Tanten oder Onkel hier wohnen. Und zwar alle auf dieser Station."

Er sah uns an. "Und dann will ich Dir mal was sagen: Die haben schon wieder meinen Bademantel in den Schrank gehängt, und da komme ich doch nicht dran. Warum machen die das bloß? Die wollen mich bestimmt ärgern!" Ok. Thema "Elternabend" beendet. Unser Besuch auch bald, denn er legte uns nahe zu gehen, der Tag wäre jetzt um. Ach ja, und ich sollte ihm das nächste Mal aus dem Regal im Wohnzimmer seines Hauses ein bestimmtes Buch mitbringen. Ich habe an diesem Abend nicht gesagt, dass sein Haus inzwischen vermietet ist und seine Sachen nicht mehr da sind. Das verdrängt er ohnehin wieder, und vom rumgemeckere hatte ich um diese Uhrzeit genug. Vielleicht ist der nächste Besuch harmonischer. Wenn er will, kann er nämlich auch nett.

15.11.2012

Dr. Dingens

Vor einiger Zeit wurde Frau chat noir von einem hartnäckigen Husten gequält und beschloss, zum Arzt zu gehen. In der Praxis angekommen, fiel ich fast über einen Mann, der im Flur auf dem Boden lag und einen Garderobenständer reparierte, assistiert Schwester, Tupfer! von der Sprechstundenhilfe. Der Mann war schon älter, trug einen beigen Pollunder und eine braune Cordhose. Nachdem ich mein Sprüchlein aufgesagt hatte, bat man mich im Wartezimmer Platz zu nehmen. Ich war die einzige Patientin.

Nach einigen Minuten ging die Tür wieder auf und der Mann im beigen Pollunder bat mich ins Sprechzimmer. Er stellte sich als Dr. Dingens vor, und er sei die Vertretung für Dr. Z. Was er für mich tun könne? Ich erklärte ihm heiser, dass ich schon seit drei Wochen Husten hätte und diesen mit meinen frei verkäuflichen Medikamenten nicht in den Griff bekäme. Er schaute mich lange an. "Sie müssen mit dem Rauchen aufhören!"

Guter Tipp. Dumm nur, dass ich gar nicht rauche....

Er schaute mich wieder lange an und kramte dann aus einer Ecke des übervollen Schreibtischs ein Stethoskop hervor. Aufstehen musste ich nicht, er hatte mir bisher keinen Platz angeboten. Er stellte sich hinter mich und schob das Stethoskop unter meinen Pullover. Ich musste tief atmen. "Sie haben einen Husten, die Bronchien sind zu."

Deswegen bin ich hergekommen, Dr. Dingens....

Er schaute mich noch einmal lange an, fragte nach den Medikamenten, die ich bisher eingenommen hatte, machte sich unlesbare Notizen und zog einen Rezeptblock hervor. "Die Medikamente sind alle apothekenpflichtig und wahrscheinlich nicht stark genug." Er verschrieb mir ein Antibiotikum. "Ich schreibe Sie auch gleich mal krank."

Ich gehe aber gar keiner beruflichen Tätigkeit nach. Steht auf der Karte, Herr Dr. Dingens...

Noch zwei Tage, dann sind die Tabletten verbraucht. Und ich huste immer noch, nur nicht mehr so stark. Vielleicht sollte ich noch einmal hingehen. Aber nur, wenn Dr. Z. da ist. Mit Dr. Dingens will ich nichts mehr zu tun haben.


11.11.2012

Nur nicht wundern

Gestern abend waren Frau chat noir und ihr Chef beim alten Mann. Im heimeigenen Restaurant wurde mal kein Kuchen, sondern Gans geboten. Schließlich musste jahreszeitenbedingt St. Martin ein Tier geopfert und dann geteilt werden. Oder habe ich da was falsch verstanden? Einen Mantel hatte jedenfalls niemand an oder dabei. Und es hat auch niemand eine Laterne herumgetragen und "St. Martin" gesungen. Es ging wohl doch ausschließlich ums Essen.

Das Restaurant war voll besetzt und der alte Mann saß schon am reservierten Tisch, als wir ankamen. Er freute sich sichtlich, uns zu sehen. Das fand ich schön, ging doch der Plan auf, ihm mal etwas anderes zu bieten als Kaffee und Kuchen. Das Essen wurde in Buffettform serviert, und zu den Gänsen gab es  verschiedene Gemüse und diverse Kartoffelvariationen. Alles sehr schön angerichtet und drumherum liebevoll mit herbstlichen Accessiore, Keramikgänsen und Kerzen dekoriert.

Der Chef brachte dem alten Mann einen gefüllten Teller an den Tisch, denn der alte Mann stellt sich ja immer ein bisschen an kommt mit dem Rollstuhl schlecht ans Buffett. Er schaute sich sehr genau an, was auf seinem Teller lag (Gänsebrust mit Rotkohl und Klößen), aß dann aber ohne Kommentar alles auf. Der Nachschlag fiel aus, weil er satt war. Aber er unterhielt sich angeregt mit uns über frühere Zeiten,  genoß den Nachtisch und trank sein Bier. Plötzlich und aus heiterem Himmel stellte er sein Glas heftig ab und wollte sofort vom Chef in sein Zimmer gebracht werden.

Bevor er mit dem Chef nach oben ging, bedankte er sich bei uns für den schönen Abend und für den hervorragenden Fisch. Er hätte wunderbar geschmeckt.

09.11.2012

Vögelei

Vor ein paar Monaten bekam Frau chat noir ein altes Vogelhäuschen geschenkt. Der Chef begutachtete das Teil sehr skeptisch, machte erst abfällige Bemerkungen über die Sinnhaftigkeit des Fütterns von Wildtieren und sich dann doch an die Arbeit und erneuerte das Dach und die Beine der Vogelvilla. Seither steht sie im Außengelände der 100m²-Welt und wartet auf ihren Einsatz.

Der kam vor ein paar Tagen. Frau chat noir rückte mit Vogelfutter, einem zweiten Futterhäuschen zum Hängen, Meisenknödeln, Meisenringen und sonstigem netten Körnerkram für die gefiederten Bewohner des Gartens an. Alles wurde rund um das Häuschen verteilt, aufgefüllt und aufgehängt. Seither erfreuen uns die kleinen Gesellen mit ihrem Besuch. Es wurden Buchfinken, Rotkehlchen, Spatzen, Kohlmeisen, Blaumeisen, Amseln und Drosseln gesichtet. Eine große Vögelei eben. Und das Mörchen sitzt auf einer Kiste hinter der Terrassentür und beguckt das Geflatter und Gehüpfe ganz genau. Ab und zu gibt er ein aufgeregtes "Hakhakhakhakhak" von sich.

Heute geschah etwas noch aufregenderes. Ein Wirbelsturm in Form einer mopsigen fremden Katze namens Mademoiselle K. aus der unmittelbaren Nachbarschaft fegte durch unseren Garten und versuchte elfengleich in das Vogelhäuschen zu springen. Dieses hielt die plötzliche Attacke nicht aus und kippte um. Erschrocken flüchtete die fremde Katze über den Zauzn vom Grundstück und die eigene Katze von der Kiste unter das Sofa. Zack. Tontotalausfall draußen, kein Gepiepse, Gesinge und Geträller mehr, nichts bewegte sich.

Ich ging in das Außengelände und richtete die Vogelvilla wieder auf. Natürlich lag das Futter jetzt  unter dem Häuschen und kann nur noch direkt aufgepickt werden. Das werden dann später die Elstern erledigen, die zum Glück für die Ausmaße des Häuschens zu groß und auf die Reste angewiesen sind. Für alle anderen Vögel sollte die Villa wieder befüllt werden. Ein kratzendes Geräusch aus dem im Baum hängenden Futterhäuschen hielt mich davon ab. Vorsichtig nahm ich das Häuschen aus dem Baum und stellte es auf einem Hackklotz. Durch das Glasfenster konnte ich eine kleine Blaumeise erkennen, die verzweifelt versuchte, sich aus ihrem selbstgewählten Gefängnis zu befreien. Nachdem ich das Dach und die Scheibe entfernt hatte, flog sie aufgeregt in den nächsten Baum.

Dort wartete sie gemeinsam mit den anderen Kumpanen, dass der Futterbetrieb wieder aufgenommen werden konnte. Als ich mich später zu Kater ans Fenster gesellte, war der Drive-In schon wieder gut besucht. Mal sehen, wann es Mademoiselle K. wieder versucht...

02.11.2012

Nutze den Tag

Ich sitze am Besuchertisch und höre zum x-ten Mal den Grundgedanken der Pflegeeinrichtung. Die Leiterin spult ihn immer dann ab, wenn sie nicht weiter weiß. "So viel Selbstständigkeit wie möglich bei so viel Betreuung und Pflege wie nötig." Ommm. Sogar meine Gesprächstaktik, erst loben und dann meckern, prallt an ihr ab. "Kommunikation und gemeinschaftliches Erleben stehen im Vordergrund." Ommm.

- Sie sollte sich mal die Kindergartenprobleme ihrer Bewohner live anhören, wenn es um die morgendliche Brötchenzuteilung oder die abendlichen Wurstrationen geht, oder um 6 Bananen, aber acht Menschen am Tisch, die alle auf ihr Dessert bestehen.

- Es ist ihr nicht bekannt, dass nicht alle Mietfahrzeuge in die Innenstadt fahren dürfen. Sie müssen am Rand der Fußgängerzone halten und sind deshalb preiswerter. Das ist nicht tragisch, wenn man gut zu Fuß ist. Sitzt man im Rollstuhl und kann diesen nicht allein bewegen, muss man in ein anderes Taxi umsteigen. Und das muss man erst mal finden. Arztbesuch mit Hindernissen, die vermeidbar wären, wenn man von vornherein ein "richtiges" Taxi rufen würde. Notizgekrackel auf einem Zettel.

- Es ist ihr nicht bekannt, dass es einen privaten Krankentransport in der Stadt gibt, der teurer ist als die herkömmlichen Institutionen. Das heißt für die alten Menschen, dass sie auf 27,00€ pro Fahrt sitzen bleiben, die die Krankenkasse nicht erstattet. Auch das wäre vermeidbar, wenn man gleich die bei der Krankenkasse zugelassenen "Transportunternehmen" anrufen würde. Notizgekrackel auf dem Zettel.

- Haarspray ist nur was für Frauen, und da macht es nichts, wenn es im hauseigenen Friseursalon etwas teurer ist (17,00€ die Flasche, ich regte mich schon an anderer Stelle hier im Blog auf). Man kann ja zum Discounter nebenan gehen, da ist es viel preiswerter. Und wenn man das nicht kann, findet sich bestimmt jemand, der für einen geht. Handlungsbedarf gegenüber dem Friseur besteht hier nicht.

-  Die Bewohner können täglich zwischen zwei Mittagessen wählen. Dazu gibt die Küche einen Monatsplan heraus, der bis zum 25. des Vormonats dort abgegeben werden muss. Nach meinem Verständnis bringt es nicht viel, wenn der Plan erst am 30. in der Station verteilt wird. Und - welche Überraschung - die Frau Leiterin weiß nichts von den Monatsplänen. Sie druckte mir den aktuellen Wochenplan aus und war der Meinung, dass dieser die tägliche Grundlage des Wahlmenüs sei. Großküchen kochen ja immer auf blauen Dunst hin. Notizgekrackel auf dem Zettel.

- Es ist im Hause üblich, dass Laborproben zur Untersuchung auf Kosten der Bewohner mit dem Fahrradkurier befördert werden. Warum sollte man damit auch die Angehörigen oder gar den Hausarzt belästigen. Das macht zusätzliche Arbeit. Kommunikation nach außen ist offenbar mit den Leitlinien nicht gemeint. Das Ommm wird irgendwie immer lauter in meinem Kopf.

Die besten Sachen habe ich mir bis zum Schluß aufgehoben.

- Der alte Mann wird jedes Jahr von der Krankenkasse auf Antrag und Zahlung eines Einmalbetrages von der Zuzahlung für Medikamente usw. befreit. Auch in diesem Jahr. Und ich habe brav im Heim gemeldet, dass das so ist, und eine Kopie des Ausweises abgegeben. Was ich nicht wußte ist, dass die Befreiung auch für sogenannte Versorgungspauschalen gilt. Nun werden ihm seit Januar 2012 vom Heim mtl.3.30€ Eigenanteil für die Inkontinenzpauschale vom Konto abgebucht und an die Krankenkasse abgeführt. Bis 31.12.2011 war das nicht so. Leider kann mir das Heim das Geld nicht wieder auszahlen, denn es ist bereits bei der Krankenkasse. Ich soll zur Krankenkasse gehen und die Rückzahlung geltend machen. Wieso ich damit nicht früher gekommen wäre? Ommm. Wieso passiert sowas überhaupt?

- Der alte Mann war fast drei Wochen im Krankenhaus. Dort hat man eine meldepflichtige Erkrankung nach dem Infektionsschutzgesetz festgestellt. Daraufhin schrieb das Gesundheitsamt den alten Mann an, er möge über die mögliche Ursache Auskunft geben. Wenn dieses Schreiben nicht fälschlicher Weise an die alte Adresse des alten Mannes gegangen wäre, hätte ich davon niemals Kenntnis erlangt. Auf meine Frage, warum man mich darüber nicht informiert, wurde ich gefragt, wieso das Gesundheitsamt eine alte Adresse verwendet - was ich nicht weiß ("haben Sie ihn etwa nicht umgemeldet?"). Eigentlich müsse mir das Krankenhaus Bescheid geben oder der Hausarzt, nicht das Heim. Ommm Ähhh - nein.  Die Arztberichte des Krankenhauses gehen an den Hausarzt, und der setzt sich mit der Pflegeleitung des Heimes in Verbindung und fordert z.B. eine Stuhlprobe an (s. Fahrradkurier, machte plötzlich Sinn als der Brief vom Gesundheitsamt kam). Es wäre aber wieder ausgeheilt und ich müsse mir keine Sorgen machen und könne den Brief des Gesundheitsamtes wegwerfen.

Ja, ich weiß, dass der alte Mann nicht immer nett ist. Ja, ich weiß, dass er junge Frauen anbaggert (offenbar nicht nur Junge). Ja, ich weiß, dass er ab und zu die Pfleger aus seinem Zimmer wirft. Ja, ich weiß, dass er Samstags geduscht werden will. Noch einmal zur Infektion: Hat er vielleicht eine infizierte Katze gegessen? Ratloser Blick meines Gegenübers.

Vielen Dank für den Besuch. Vielen Dank für das nette Gespräch. Und immer daran denken: "So viel Selbständigkeit wie möglich bei so viel Betreuung und Pflege wie nötig." Ommm

28.10.2012

Eine vollkommen ernst gemeinte Geschichte

Nur mal angenommen, Sie leben in einem Bundesland, in dem Sie sich demnächst über einen Feiertag freuen dürfen. Sie schauen etwa 14 Tage vorher in Ihren Kalender und überlegen, was Sie spontan unternehmen können. Ihnen fällt ein, dass Sie gerne den Ort Ihrer Kindheit besuchen möchten. Der liegt ca. 300 km weit entfernt in einem Bundesland, in dem es den bevorstehenden Feiertag nicht gibt. Sie besitzen ein Auto, mit dem fahren Sie jedoch keine weiten Strecken. Aber in den Nachbarort zum Bahnhof trauen Sie sich. Also klappen Sie Ihren Kalender zu und düsen dorthin, um schon mal Fahrkarten für diese Reise zu organisieren. Nun haben Sie nicht so viel Geld, dass Sie sich eine teure Fahrkarte leisten können.Sie kaufen die günstigste Variante, die es am Schalter gibt und werden sehr lange mit dem Zug unterwegs sein, weil dieser an jeder Milchkanne halten wird. Und zurückgeben können Sie die Karte auch nicht.

Als die Nachrichten um 20 Uhr beginnen, greifen Sie zum Telefon und rufen Ihre Cousine an. Mit der haben Sie schon länger nicht gesprochen, und Sie sind sich sicher, dass diese sich freut, von Ihnen zu hören, zumal Sie bei ihr schlafen möchten, wenn Sie in Ihrer Kindheit angekommen sind. Leider kann man Sie wegen eines Krankheitsfalls in der Familie nicht aufnehmen. Sie reden noch, bis die Tagesschau vorbei ist, und dann legen Sie auf.

Als am nächsten Tag um 20 Uhr die Nachrichten beginnen, greifen Sie zum Telefon und rufen Ihren Cousin an. Mit dem haben Sie schon länger nicht gesprochen, und Sie sind sich sicher, dass dieser sich freut, von Ihnen zu hören, zumal Sie bei ihm schlafen möchten, wenn Sie in Ihrer Kindheit angekommen sind. Leider kann man Sie wegen Renovierungsarbeiten im Haus nicht aufnehmen. Sie reden noch, bis die Tagesschau vorbei ist, und dann legen Sie auf.

Als einen Tag später um 20 Uhr die Tagesschau beginnt, greifen Sie zum Telefon und rufen Ihren anderen Cousin an. Mit dem haben Sie schon länger nicht gesprochen, und Sie sind sich sicher, dass dieser sich freut, von Ihnen zu hören, zumal Sie bei ihm schlafen möchten, wenn Sie in Ihrer Kindheit angekommen sind. Leider hat er genau zu diesem Zeitpunkt für mehrere Tage Freunde zu Besuch, die in einem Bundesland leben, in dem es den Feiertag gibt. Sie reden noch, bis die Tagesschau vorbei ist, und dann legen Sie auf.

Noch einen Tag später greifen Sie um 20 Uhr zum Telefon und rufen eine weitere Cousine an. Mit der haben Sie schon länger nicht gesprochen, und Sie sind sich nicht so sicher, dass diese sich freut. Ihre Frage nach einer Übernachtungsmöglichkeit wird auch hier abgewiesen, weil Ihre Tante ins Altersheim gezogen ist und an genau diesem Wochenende ihr Haus leergeräumt werden muss. Nach der Tagesschau legen Sie auf.

Sie haben nun eine Fahrkarte, aber keine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit. Ein Hotel können Sie sich nicht leisten. Kurzerhand rufen Sie in einer Jugendherberge an, die nur 20 km von Ihrer Kindheit entfernt liegt und buchen dort ein Zimmer. Zum Glück hatten die Nachrichten noch nicht angefangen, so können Sie um 20 Uhr den ersten Cousin anrufen, um zu fragen, ob er Sie vom Bahnhof abholen,  zur Jugendherberge bringen und in der Zeit Ihres Aufenthaltes chauffieren kann. Leider kann er das nicht, denn er muss arbeiten. Er lebt schließlich in einem Bundesland, in dem es den Feiertag nicht gibt. Vielleicht, wenn ihn seine Frau um 5.30 Uhr zur Arbeit fährt, dann könnte sie das Auto nehmen und Sie vom Bahnhof abholen. Das Angebot nehmen Sie an.Eventuell.

Denn im Laufe des nächsten Tages fällt Ihnen ein, dass Ihr anderer Cousin inzwischen pensioniert ist und mehr Zeit hat als sein Bruder. Der könnte doch mit Ihnen den ganzen Tag durch Ihre Kindheit fahren. Essen müssen Sie schließlich auch mal etwas. Außerdem hat der Cousin eine andere 100m²-Welt bezogen, die Sie noch nicht gesehen haben. Sie sind ja nicht neugierig, aber anschauen möchten Sie sich alles schon. Man könnte dort zusammen Kaffee trinken, wenn Sie vom Bahnhof abgeholt wurden. Also rufen Sie zu den Nachrichten dort an, um zu fragen, ob das so laufen könnte. Leider hat die Frau Ihres Cousins einen alten Mann im Seniorenheim. Und Ihr Ankunftstag ist ein Donnerstag, der ist ständig für den alten Mann belegt. Zumal auch noch gerade an diesem Donnerstag um 15.00 Uhr ein Termin mit der Heimleitung ansteht und später die schon einmal erwähnten Freunde anreisen.

Sie haben eine Fahrkarte und ein fest gebuchtes Zimmer in einer Jugendherberge. Und keiner Ihrer Verwandten kann Sie so kurzfristig unterstützen. Das können Sie gar nicht verstehen, denen fehlt es allen an Spontanität. Sie reisen auf jeden Fall an. Sie wollen Ihre Kindheit besuchen. Wenn Sie erst mal da sind, hat auch irgendwer Zeit. Wäre ja noch schöner. Und wer weiß, im nächsten Frühjahr gibt es die Orte Ihrer Kindheit vielleicht nicht mehr. Und dann?

22.10.2012

21.10.2012

Drei Dinge

1.) Der bEva heißt ab sofort "Chef", weil eine nette Sauerländerin der Ansicht ist, dass der Abküfi Abkürzfimmel in Kleinbloggersdorf überhand nimmt. Da Klaus-Dieter schon besetzt ist, habe ich mich für Chef entschieden. Ob er es gut findet, wird sich zeigen.

2.) Ich habe ein wenig aufgeräumt und geputzt, nun sieht dieser Blog aus, wie er aussieht. Ich habe mich der Panik vor der Abmahnwelle angeschlossen und nebenbei Platz geschaffen. Die Einträge von 2006 bis 2009 liegen jetzt auf meinem PC und nicht mehr hier, der Rest ist gesichtet und zum Teil gelöscht. Alles nur, weil ich keinen Bock auf eine weitere Baustelle habe (wenn denn überhaupt jemand vorbei gekommen wäre).

3.) Wir waren ein paar Tage unterwegs, auf dem Weg fand ich Traumbäume, die unbedingt von mir fotografiert werden mussten wollten:

Einen schönen Sonntagabend allen da draußen!

12.10.2012

Ich werde alt

Frau chat noir beim Hautarzt. Freundliches Lächeln, Diagnose: "Also Sie müssen sich keine Gedanken machen, liebe Frau chat noir. Es ist alles in Ordnung. Diese Flecken da, um die es geht sind - ich kann leider keinen anderen Ausdruck dafür benutzen, weil es keinen anderen Ausdruck dafür gibt, ähhh - Altersflecken." Wieder ein freundliches Lächeln, und ich bin entlassen mit meinen Altersflecken. Altersflecken. Mmmpff.

27.09.2012

Der Lauf des Goldes 4.0

Sein ausgestreckter Zeigefinger fuchtelt vor meiner Nase herum, seine kleinen Augen senden böse Blitze zu mir. Er versucht sich in seinem Rollstuhl zu ganzer Größe aufzurichten, seine laute Stimme schallt aufgebracht durch das ganze Restaurant. "DAS IST NICHT WAHR!" Uff. Stille um uns herum. Um was es geht? Um diesen blöden Herrenring, den ich besser nicht wiedergefunden hätte.

Im Oktober vergangenen Jahres brachte ich den lang verloren geglaubten Ring des alten Mannes zu ihm zurück. Er war sehr gerührt - und verlor ihn zwei Wochen später wieder. Er wurde nach ein paar Tagen in seinem Badezimmer unter einem Schrank wiedergefunden. Daraufhin machte er mir klar, dass er den Ring nur verlöre, weil er ihm viel zu groß sei. Also wurde mit einem Faden der kleine Finger, an dem der Ring getragen werden musste, weil er für den Ringfinger zu klein war, Ihr Gehirn läuft völlig normal, keine Angst. Sie erleben gerade mein wöchentliches Gehirnjogging live. gemessen und das Schmuckstück zum Juwelier gebracht. Dieser sollte die Ringschiene auf das ermittelte Maß verkleinern. Einige Tage später brachte ich ihm den Ring zurück und zeigte ihm die Tüte, auf der das herausgenommene Stück Gold klebte und der Rechnungsbetrag stand. Für beides interessierte er sich nicht wirklich. Die Arbeit des Juweliers wurde genau betrachtet und die Größe für gut befunden. Das war im Dezember.

Das Ringlein wollte wandern, und es war abwechselnd mal zu Hause und mal unterwegs. Mal fand es sich in der Nachttischschublade an, wo es die Batterien besuchte, mal trieb es sich bei den Unterhosen herum, wo es pikante Geschichten hören wollte, die es seit langer Zeit nicht mehr gab, mal unterhielt es sich mit den Kaffeetassen, in denen es fast ertrunken wäre. Zuletzt lag es auf dem TV-Gerät und betrachtete von dort die 20m²-Welt des alten Herrn, ohne sich bemerkbar zu machen. Allerdings war es auch fast taub, denn der alte Mann schaut  laut, sehr, sehr, laut Fernsehen.

Wir saßen also im Café des Seniorenheims um einen Tisch herum und aßen den donnerstäglichen Kuchentraum. Dabei rutschte plötzlich das unternehmungslustige Ringlein Richtung Schlagsahne, und der alte Mann verkündete dem bEva und mir, dass der Ring ja auch viel zu groß sei. Wir hätten ihn angeblich zu einem Juwelier gebracht, aber der hätte nichts gemacht und nur sein Geld genommen. Mein Käsekuchen schmeckte plötzlich sehr bitter. Sehr, sehr bitter geradezu. Der bEva sah mich pumpen und legte beruhigend eine Hand auf meinen Arm. Mich störten auf Anhieb einige Worte dieser Aussage: Angeblich, nichts gemacht, sein Geld. Ich widersprach dieser Aussage und versuchte, ihn an die Tüte zu erinnern.

Er ruckelt seinen Ring am kleinen Finger hin- und her. "Guck es Dir an, wie der wackelt! Die haben nur ein Stück Gold auf die Tüte geklebt und nichts gemacht!" Auf meinen Einwand, dass ein Juwelier sich soetwas nicht leisten kann, ging er nicht ein. "Vielleicht ist ja auch Dein Finger wieder dünner geworden?" Jetzt schnellte sein Zeigefinger hoch, s.o. Ich stelle daraufhin die Konversation ein und mummele meinen Käsekuchen. Mit vollem Mund soll ich nicht sprechen, hat mein Vater früher immer gesagt.

20.09.2012

Hopp, hopp, hopp,

Pferdchen lauf galopp! Über Stock und über Steine, das war so toll!!



18.09.2012

Für Resunad

und natürlich auch für alle anderen Mitleser...

Alles ist gut... Alles. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort, im selben Augenblick...

Fedor M. Dostojeweski


17.09.2012

Frau chat noir auf Reisen 2.0

Und nun ist sie erst mal vorbei, die Reiserei. Schade. Aber es kommen neue Herausforderungen. Bald ist ja wieder Donnerstag...

13.09.2012

Frau chat noir auf Reisen

 
Mal sehen, wohin es den bEva und mich noch treiben wird. Viele Grüße an die Dorfgemeinschaft!

30.08.2012

Bunte Welt

"Man sollte viel öfter bunt träumen,

als schwarzsehen!"
 
Diesen Satz habe ich bei  Herrn Oter gefunden. Als ich ihn las, fiel mir folgende Begebenheit wieder ein:
 
Der bEva und ich hatten leider nicht das Glück,  in der Nähe unserer Eltern zu wohnen. Aus beruflichen Gründen wohnten wir stets sehr weit von "zu Hause" weg. So freuten wir uns mit den Kindern, wenn wir die Großeltern ab und zu für ein paar Tage besuchen konnten. Unsere Kinder waren noch klein, das jüngste etwa fünf Jahre alt. Gern saß es auf dem Schoß meiner Mutter und schaute sich mit ihr alte Fotoalben an. Sie konnte zu den Fotos spannende Geschichten aus vergangenen Zeiten erzählen. Eines Tages stellte es der Oma die Frage: "Seit wann ist die Welt eigentlich bunt?" Zunächst verstand meine Mutter ihr Enkelkind nicht. Voller Ernst wurde ihr erklärt, dass nur die Bilder in den letzten Alben farbig seien. Davor muss die Welt schwarz-weiß gewesen sein. Das könne man auf den Fotos doch deutlich sehen.

Mir ging damals durch den Kopf, dass das Kind vielleicht recht hatte. Sehen die alten Fotos nicht immer ein bißchen trostlos aus? War die Welt damals wirklich so bunt wie heute? Oder war sie grauer? Bestimmt hatten es die Menschen schwerer als wir und unsere Welt ist mit Sicherheit eine Spur farbiger als früher. Aber haben die Menschen sie als grau empfunden?

Schwer zu sagen. Sie wurden jedenfalls nicht abgelenkt von sich und ihrer Umgebung. Kein PC, kein Fernsehen, kein Computerspiel, keine großen Werbeplakate oder Lichtreklamen nahmen ihnen den Blick oder die Zeit. Ob die Menschen vor vielen Jahren zufriedener waren als wir, wissen wir nicht. Wir können nur mutmaßen, wie sie sich gefühlt haben. Aber sie haben sich Zeit genommen. Zeit für sich, ihre Familie und ihre Freunde in ihrer Welt, die für sie vermutlich genauso farbig war wie die heutige für uns. 
 
Nehmen wir uns in unserer bunten Welt doch Zeit. Haben wir ein offenes Ohr für den, der uns braucht. Und sorgen wir dafür, dass unsere Welt so bunt bleibt, wie sie ist. Vielleicht fangen wir einfach mit den bunten Träumen an.

26.08.2012

Kleinbloggersdorf

Außerhalb der 100m²-Welt spielt sich das wahre Leben ab. Nehmen Sie zum Beispiel Kleinbloggersdorf, ein Ort in den unendlichen Weiten des Web. Hier leben viele virtuelle Wesen, von denen man annimmt, dass es Menschen sind. Es können natürlich auch Katzen sein. Ich bin davon überzeugt, dass in diesen geheimnisvollen Tieren viel mehr steckt, als sie es uns wissen lassen.

Die nachbarschaftlichen Beziehungen in diesem Dorf, das man auf keiner Landkarte findet,  können von "sehr gut" bis "das geht gar nicht" sein, je nach Empfinden des Betreibers/der Nutzer. Da es sich bei den "Gesprächen" fast ausschließlich um das geschriebene Wort handelt, kann so manches falsch verstanden werden. Meistens jedoch finden sich Blogbetreiber, die zusammen passen. Oder es sind Wesen, die wie die Katzen heimlich und unerkannt lesen, was die anderen Wesen so von sich geben, über sich, über andere, über die wichtigen Dinge des Lebens und überhaupt.

Natürlich gibt es auch ab und zu Reibereien zwischen den Dorfbewohnern, die dann dazu führen, dass die betreffenden Häuser in der Nachbarschaft gegenseitig nicht mehr betreten werden. Oder es gibt Nachbarn, die sofort die Eingangstür zuknallen, wenn man an der Blogtür geläutet hat und die z.B. abgegebene Kommentare gar nicht erst veröffentlichen.. Zum Glück überwiegt die Anzahl der freundlichen, liebenswürdigen Nachbarn. Eine meiner besonderen Nachbarinnen ist die nette Frau an der Kasse. Ihr Blick auf die Ungereimtheiten des Seins sind einfach nur köstlich. Die Frau hat eine wunderbare "Schreibe", man könnte neidisch werden. Und ausgerechnet diese Frau verleiht mir an dem Tag, an dem es eine traurige Reiberei zwischen mir und einem Nachbarn zwei Straßen weiter gab, einen Award. Zunächst war ich sprachlos, habe mich dann sehr gefreut und hänge nun das Ehrenschild in meinem Blog auf:


Noch einmal vielen, vielen Dank, liebe Alex!

Umsonst gibt es diesen Preis natürlich nicht. Ich muss nun fünf Blogs benennen und habe lange darüber nachgedacht, wer denn hier gleich aufgeführt wird. Verdient haben es viele, einige in meiner Blogliste haben diesen Preis schon, und so habe ich die Idee einer anderen lieben Nachbarin aufgegriffen, deren Beiträge vom umwerfenden sauerländischer Humor geprägt sind und ein unbedingtes "Muss" in der Lektüre meiner  Blogroll sind. Ich vergebe diesen Preis also ausschließlich an männliche Blogbetreiber.

Zunächst fiel mir Herr Resunad Oter ein, der mich mit seinen Weisheiten und den Geschichten über Thomas und Sybille sehr fasziniert. Da er aber bereits am 13. August einen Preis nur sehr zögerlich angenommen hat, fällt er leider aus. Ich denke, ich tue ihm damit einen Gefallen.

Ein paar Straßen weiter gibt es den von mir sehr geschätzten Herrn Castorp. Leider hat er bereits angekündigt, aus dem virtuellen Dorf in das "richtige" Leben zurückzukehren. Vielleicht kann ich das ja mit diesem Award verhindern. Mir würde etwas fehlen, wenn er sich zum Aufhören entschließt, die Lektüre seiner stets informativen und wohldurchdachten Beiträge sind ein Muss für mich.

Seit ich selber ein Blog betreibe, lese ich die Geschichten seines Lebens mit. Der bodenständige Herr Andi ist nun schon sechs Jahre mein ständiger Begleiter im Dorf und bekam sogar schon einmal "richtige" Post von mir. Er hat angeblich die schönsten Beine hier im Dorf.

Auf der Suche nach Erinnerungen an meinen letzten Wohnort bin ich auf diesen Herrn gestoßen. Seine Berichte aus dem Rheinland mindern mein Heimweh etwas, obwohl sich meine Wehmut nicht abstellen läßt. Und ich verneige mich ehrfürchtig vor Dieter, der so manchen Kilometer auf dem Fahrrad zurücklegt.

 Zum Lesen seines Blogs muss man angeblich sämtlichen weltlichen Begierden abgeschworen haben. Nur so sei gewährleistet, dass man sich von gelegentlichen zynischen Anmerkungen nicht nachhaltig gestört fühlt. Ich bin jedenfalls begeistert von seinen Flügen mit dem Raumschiff und hoffe, dass der Capt'n zur Annahme des Preises weder in die Badewanne gehen noch den großen Kürbis um Rat fragen muss.

Mit dem Schweizer erlebt man den puren Luxus. Wer von langen oder kurzen Reisen träumen oder sich dazu passende Tipps holen möchte, ist in der Villa MiH genau richtig aufgehoben. Stets gut gekleidet und seit einiger Zeit sehr verliebt berichtet er aus seinem Leben.

Er ist jemand, den viele Nachbarn in Kleinbloggersdorf nicht mögen. Seine Kommentare sind bissig, er ist zynisch, bekommt graue Haare, kann nach eigenen Angaben sehr niedlich sein, lebt in Metropolis und wird diesen Preis mit Sicherheit nicht annehmen, geschweige denn weitergeben. Da er aber im Moment nicht so gut drauf ist, bekommt er ihn trotzdem - statt Blumen, die er bestimmt auch nicht leiden kann.

Mit ihm möchte ich gerne mal durch Wien schlendern. Dieser Mann ist genau der Richtige, wenn man shoppen gehen möchte. Er kennt sich aus. Wieso Vanille allerdings blau ist, weiß ich nicht. Nicht nur diese Frage muss er mir irgendwann einmal beantworten.

So, meinen nachbarschaftlichen Verpflichtungen bin ich hiermit nachgekommen. Ich hoffe, es ist so o.k., liebe Alex und Du bist zufrieden!

24.08.2012

Mausekind

Ich konnte nicht schlafen. Eine innere Unruhe, die über den Tag verteilt immer größer wurde, trieb mich von einem Raum in den anderen. Ich schaute aus dem Fenster in eine dunkle, verschlafene Straße. Nirgendwo brannte ein Licht hinter den fremden Fenstern. Die Zeit verging langsam. Ich ging wieder in mein Bett, versuchte mich zu beruhigen, bekam Bauchschmerzen, lief erneut durch das Haus. Von da an wußte ich, dass es an der Zeit war. Ich legte mich wieder hin, meine Gedanken kreisten um das, was geschehen sollte in dieser Nacht. Meine Bauchschmerzen nahmen zu. Ich zog die Beine an und rollte mich zusammen. Ich bin dann offensichtlich doch eingeschlafen, denn das Klingeln des Telefons weckte mich. Erschreckt und total benommen fand ich den Lichtschalter nicht gleich. Mit Herzklopfen nahm ich das Gespräch an und hörte die gute Nachricht: Ihr hattet ihn geschafft, deinen sehr schweren, langen Weg ins Leben. Nach dem Telefonat löschte ich das Licht und weinte in mein Kopfkissen. Ich war froh und traurig zugleich, es ging euch gut, aber ich konnte euch vorerst nicht in die Arme schließen, ihr wart so weit, weit weg.

Das Jahr verging so schnell. Herzlichen Glückwunsch, liebes Mausekind! Ich freue mich so, dass es Dich gibt. Ich wünsche Dir noch viele schöne Geburtstage in einem hoffentlich langen, glücklichen und erfüllten Leben!

19.08.2012

Fußball

Frau chat noir macht ihren wöchentlichen Besuch. "Na, alter Mann, hast Du auch gestern abend Fußball geschaut?"

Dumme Frage meinerseits. Ausnahmsweise fiel der Besuch auf einen Mittwoch, und ich hatte nebenbei im Vorbeigehen irgendwo gelesen, dass Deutschland spielt. Er konnte das Spiel am Nachmittag noch gar nicht gesehen haben, weil es erst am Abend stattfinden würde. Aber das hatte ich nicht auf dem Schirm.

"Ja, ja, habe ich, und die haben 5:1 gewonnen. Stell Dir vor. Und immer schön über die Flanke gespielt, wenn es auf nichts ankommt, dann können sie das!" "Ui, 5:1? Dann muss es ja ein tolles Spiel gewesen sein!"

Er futtert Eierlikörtorte. Nach ein paar Bissen nimmt er die Unterhaltung wieder auf.

"Mal sehen. ob sie die Goldmedaille bekommen!"

Irritiert schaue ich aus meinem Eisbecher auf.

"Goldmedaille? Ich glaube, Deutschland hat gar nicht bei der Olympiade im Fußball mitgemacht? Und überhaupt, die Olympiade ist doch seit Sonntag zu Ende?"

Er nimmt einen großen Schluck Cappuchino, kratzt mit dem Löffel in der Tasse herum und schaut mich dann mitleidig an.

"Zu Ende! Da verwechselst Du aber was. Da war doch noch Fußball!"

O.k., ich sage danach nichts mehr und wechsle das Thema. Später auf seinem Zimmer schaue ich ins Programmheft. Und ich sehe, dass am Tag zuvor die U 21 gespielt hat. Die Olympiade war sehr wohl schon zu Ende. Und mit meinem Erkenntnisstand von heute hätte er sich an dem Abend nicht vors Fernsehen setzen müssen, von wegen Flanke. Rote Karte, Eigentor und Langeweile. Damit hätte es auch keine Medaille gegeben, wenn sie denn dabei gewesen wären.

10.08.2012

Hören Sie Brahms?

Frau chat noir war gestern beim alten Mann. Donnerstag - Sie wissen schon. Plötzlich strahlt er mich über seinen Kuchen an: "Weißt Du was passiert ist?" Nein, weiß ich nicht. "Ich habe Klavier gespielt!" Klavier. Aha. Ich surfe schnell in den Ordnern meines Gehirns herum, klicke einen nach dem anderen auf - aber finde den alten Mann nirgends klavierspielend abgespeichert. "Und wo hast du Klavier gespielt?" Im Altersheim NATÜRLICH! Unten in dem Raum, in dem jede Woche getanzt wird. Mit Susi (also im Therapieraum) im Sitzen im Rollstuhl mit Papptellern nach Schlagern aus den 40igern. "Habe ich dir doch gesagt!!!" Also dort steht das Klavier. Und bei einer der letzten Tanzvormittage habe er erzählt, dass er schon früher Klavier gespielt hat, Brahms und so. Das sei allerdings etwa 80 Jahre her (kein Wunder, dass die Ordner in dieser Hinsicht leer sind in meiner Denkmaschine, ich höre es zum ersten Mal). In meinem Kopf macht sich ein leichtes Klopfen im hinteren rechten Bereich bemerkbar, allerdings noch ganz leise. Und Susi habe ihn an das Klavier geschoben und um eine Kostprobe seines Könnens gebeten. "Und was hast Du gespielt?" Erst habe er die großen Tasten gedrückt, so bombombom, ganz tiefe Töne, und dann die schwarzen kleinen Tasten, die gingen pingpingping, das alles gut gemischt und zum Schluss die Hand über die Tasten gezogen, so drrrringsdrrrringsplingpingbombom (also doch kein Klavierunterricht als Kind. An Geige kann ich mich erinnern). Das Klopfen in meinem Kopf wird ein wenig lauter. "Und die haben es alle für Brahms gehalten, stell dir vor! Sie haben sogar applaudiert!" Genüßlich kaut er auf seiner Marzipantorte herum und grinst. In meinem Gesicht zuckt ein Nerv unkontrolliert. "Und das nächste Mal will Susi dazu singen!". Ich glaube, ich will gar nicht wissen, was er dort sonst noch erzählt. Aber Sorgen muss ich mir noch keine machen, oder?

06.08.2012

Zweierlei Maß

Frau chat noir ärgert sich. Weil der Mann der falschen Partei angehört, darf die Frau, die ihn liebt, nicht bei der Polizei arbeiten. Sie darf auch nur so lange für Deutschland rudern, bis sicher ist, dass keine Medaille mehr zu erwarten ist, dann kann sie nach Hause fahren. Und mit der Bundeswehr, zu der sie möchte, wird es deswegen auch nichts, wetten? Wäre der Liebste z.B. ein Sozialdemokrat, würde niemand nach ihrer Einstellung fragen. Aber so? Sie MUSS in sich rechtsradikales Gedankengut tragen, weil sie mit dem Mann liiert ist.

Übrigens, der Olympische Fackellauf, der zur Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele gehört, wird seit 1936 ausgeführt. Auf Anweisung eines gewissen Herrn Goebbels wurde er erstmals zu den Sommerspielen in Berlin veranstaltet. Aber das ist scheinbar ok so und offenbar unkritisch für die Welt. Kritisch dagegen ist eine junge verliebte Frau in einem Ruderboot. Vielleicht werde ich das irgendwann verstehen. Jetzt ärgere ich mich nur.


05.08.2012

Am und auf dem Wasser

Nachtrag dazu: Es war ein schöner Tag. Man sollte so was öfter machen, noch ist ja ein wenig Sommer...


03.08.2012

Mein Model hatte keine Lust

Das kann man gut an dem genervten Gesichtsausdruck erkennen. Aber er lag so schön vor den bunten Kissen herum, und die Kamera gerade griffbereit daneben, also mußte er da durch. Erst hat er mit drehen versucht, der Linse zu entkommen, und kurz darauf ist er gegangen. Kater = männlich ;-).
Dabei ist es so hübsch, das alte Mörchen - immerhin schon 15 Jahre alt.

Danke, Nakura, für den Tipp. Hat super geklappt!!!

02.08.2012

Wer weiß es?

Frau chat noir fragt sich, ob es eine international anerkannte wissenschaftliche Studie über das gestörte Verhältnis von Männern zu Toilettendeckeln gibt? Warum kann man das Ding nicht wieder zuklappen? Muß frau nicht verstehen, oder?

29.07.2012

Schützenfest

Frau chat noir liest Zeitung. In der vergangenen Woche war hier Schützenfest. Als ich den Artikel darüber lese, fällt mir eine Begebenheit aus der Kindheit wieder ein.

Meine Mutter hatte mir ein Kleid genäht. Es war diesmal gelbweiß kariert, hatte aufgesetzte Taschen, einen weiten Rock und war vorne durchgeknöpft. Wunderbare, große weiße Knöpfe, und den Halsausschnitt, die Ärmel und die Taschen zierten weiße Baumwollspitze. Ich fand mich sooo schön!

In diesem Kleid durfte ich eines Nachmittags mit meiner Oma und meiner Mutter in "die Stadt" gehen. Die Straßen wurden überspannt von Girlanden mit Wimpeln und die Stadtbusse schmückten vorne Fähnchen in den städtischen Farben (gelb/schwarz). Wir kamen an der Wäscherei vorbei, in der mein Großvater als Färbermeister arbeitete, und blieben am Ende der Straße stehen. Viele Menschen standen schon dort, ich fragte meine Oma, was denn da los sei? "Die Schützen ziehen durch die Stadt" bekam ich zur Antwort. Und da kam er auch schon, der Umzug. Allen voran die Kutsche der Brauerei mit vielen Fässern Bier, gezogen von vier großen Kaltblütern. Dann kamen Menschen in Uniformen, meistens grün, sie trugen glitzernde Orden auf der Brust und Blumen in der Hand. Zwischendurch folgten Musikkapellen, der Reiterverein mit vielen Reitern usw. usw. Ich stand neben meiner Oma und staunte und hatte ein bißchen Angst vor den Pferden. Ich glaube, sogar die Polizei war damals noch beritten.

Als der Zug zu Ende war, gingen wir zum Schützenplatz auf den "Rummel" (alles noch zu Fuß, wenn ich mir heute die Strecken so ansehe...), um die Fahrgeschäfte zu bestaunen, Karussell zu fahren, Zuckerwatte, Paradiesäpfel, gebrannte Mandeln und Bratwürstchen zu essen. Wir kauften Lose, zogen Fäden (ich weiß gar nicht, ob es das heute noch gibt), warfen Ringe über Vasen und sammelten so einige Gewinne, die wir eigentlich gar nicht gebrauchen konnten. Gerne hätte ich eine Puppe in einem Rüschenkleid gehabt, aber das Glück hatte ich nie. Zum Trost bekam ich ein Lebkuchenherz mit "Süße" drauf. Das hing in meinem Zimmer, bis es von irgendetwas aufgegessen wurde, von dem ich nicht wissen wollte, was es war. Der ganze große Platz wurde für den "Rummel" genutzt, wir blieben bis zum Abend, dann hatten wir alles gesehen und auch die vielen Lichter bestaunt. Bepackt und mit vollem Bauch traten wir den Heimweg an. Mir war ein bißchen schlecht.

Das Spektakel auf dem Platz dauerte von Samstag bis Samstag, und am Dienstag gab es ein Höhenfeuerwerk. Dazu durfte ich spät abends noch einmal aus dem Bett aufstehen und aus dem Flurfenster im zweiten Stock schauen, denn von dort konnte man es sehen. Und hören...

Heute stand in der Zeitung, dass das Schützenfest früher schöner war. Kein Wunder, der Schützenplatz ist mit einer teuren Halle zugebaut, die Stadt wird nicht mehr geschmückt, die Busse schon gar nicht. Es gibt keinen Umzug und auch kein Feuerwerk mehr. Die Brauerei wurde verkauft und das Gebäude ist längst abgerissen (auf dem Gelände wohnt heute der alte Mann im Altersheim), das Ganze dauert nur noch drei Tage und der "Rummel" wird auf dem Parkplatz vor dem Sportplatz aufgebaut.  Ich bin gar nicht erst dort gewesen, die kindliche Faszination fehlt und die schöne Erinnerung an früher bleibt so schön, wie sie ist.

25.07.2012

Hä?

Weil gerade mal Sommer ist und man ja nie so genau weiß, wie lange noch, haben der bEva und ich heute morgen spontan beschlossen, einen Ausflug zu machen. Wir waren uns sofort einig über das Ziel und den ganzen Tag auf dem Wasser. Am Abend sind wir noch essen gegangen mit Blick auf das Wasser, und dann ging es wieder heim. Ab Mitte der Strecke wurden die Gespräche seltener, und wir fuhren bald schweigend durch die Gegend. Das lag an mir, ich war satt und zufrieden, hatte mein Gehirn heruntergefahren und starrte träge aus dem Fenster. Wir kamen durch eine kleine Stadt, in die vor vielen Jahren ein Kumpel vom bEva gezogen war. "Ob er hier noch wohnt?" schreckte mich die Stimme meines Liebsten aus der Döserei hoch. Mein Gehirn fuhr aus dem Sparmodus langsam hoch. "Wer?" Offenbar zu langsam. "Na, Ernstchen Müller!". Voller Level erreicht. "Müssen wir mal googlen." "Mhhmmm. Wie hieß der eigentlich mit Vornamen? Den braucht man doch dazu?" Mein Gehirn schien noch auf Sparflamme zu laufen. "Wer?" "Na der Müller. Wie hieß der noch gleich mit Vornamen?" "Ähhh - Ernst?" Schweigen auf meiner linken Seite. Lange. Sehr lange. So lange, dass mein Gehirn wieder ins Standby absank. Und die Landschaft flog an mir vorüber.

22.07.2012

Griechischer Humor

Gestern Abend beim Griechen. Auf die Frage, ob mit der EC-Karte bezahlt werden kann, antwortet der Inhaber Nikolaos: "Mit jeder Karte kannst Du zahlen. Nur nicht mit einer griechischen." Alles klar. Gut, dass unsere Bank keine griechische ist...

20.07.2012

Unterwegs für den alten Mann

Frau chat noir ist in Äktschen. Der alte Mann hält mich und den bEva auf Trab. Es verschwinden aus seinem Zimmer unaufgeklärt Gegenstände, die für ihn wichtig sind. Zunächst war da sein Hörgerät, das er seit Ostern vermißt. Intensive Suchen in seinem Zimmer und im Heim (Restaurant, Wäscherei usw.) blieben erfolglos. Das teure Ding (er hat nicht unerheblich dazugezahlt) ist weg. Ebenso wie eine von ihm sehr geliebte Strickjacke. Einfach nicht wiederzufinden. Und im Mai hat man ihm dann noch den Rollator weggenommen. Er war nicht in seinem Zimmer als es geschah. Das Heim schob es auf das Sanitätshaus, das Sanitätshaus auf die Krankenkasse, und die wußte von nichts. Viele Telefonate und persönliche Auftritte später ist alles geregelt: Er hat den Rollator (einen ganz Neuen) zurück (das Heim war "Schuld"), er bekommt in der nächsten Woche ein neues Hörgerät, der Abdruck wurde bereits bei ihm im Heim genommen (ein Kassenteil, jetzt muss er damit klar kommen), nur die Strickjacke gibt es noch nicht, die Herbstmode ist trotz herbstlichen Wetters wohl noch nicht da. Wir mußten einkaufen: Kaffee (nur löslichen Néscafé Gold ohne Koffein, das große Glas hält gerade zwei Wochen), Haarspray ("sitzt mein Haar auch ordentlich?"), Paracetamoltabletten, Lefax  ("die nehmen sie mir hier immer weg") und Dosenmilchtöpfchen. Wir müssen meistens für die eine oder andere Sache extra einkaufen fahren, weil er erst kurz vor unserem Besuch telefonisch ankündigt, was er haben möchte. Wir haben schon begonnen, für ihn Vorräte anzulegen.

Anfang Juli verstarb ein Freund des alten Mannes. In der vergangenen Woche (Mittwoch) nahmen der bEva und ich an der Beerdigung teil. Er selbst kann und will das nicht mehr ("der kommt zu meiner Beerdigung ja auch nicht"). Danach fuhren wir ins Heim und haben genau erzählt, wie es war und wer alles da war und zusammen Kaffee getrunken (darauf wartet er jede Woche, der Kuchen ist so gut dort im Restaurant.). Und natürlich die Besorgungen mitgebracht. Ich Dumme hatte Schokolade (?) vergessen. Hach.

Am Samstag war im Altenheim Sommerfest, und die ganze Familie reiste extra zur Teilnahme an. Leider hat man den alten Mann daran gehindert, für uns einen Tisch zu reservieren (was auch in Ordnung war, erst mal sind die Heimbewohner dran), darüber war er so erbost, dass man mit ihm später nichts anfangen konnte. Dabei hatten wir draußen in einem Gartenpavillion einen ganz tollen Platz, passten alle zusammen in das Häuschen, konnten alles sehen und wurden nicht naß. Er aber war nur am Meckern ("Hier ist es kalt, hier ist keine Musik, hier zieht der Rauch vom Grill rüber, der Kaffee ist lauwarm, der Kartoffelsalat zu wenig"). Wir anderen hatten einen schönen Tag, weil wir etwas gemeinsam unternommen haben, schließlich sehen wir uns nicht so häufig.

Montag hatte er Geburtstag (92.), ich hatte im Heim einen Raum reserviert, Kuchen bestellt und Gäste eingeladen. Ehemalige Nachbarn, ehemalige Kollegen, meine Schwiegermutter, ein Bekannter und die Familie mit noch 3 1/2 Personen (alle anderen waren ja schon am Samstag bei ihm und auch wieder abgereist). Er hat sich gefreut über die Geschenke, den Kuchen und die Leute. Ich hatte den Eindruck, dass ihm die Feier Spaß gemacht hat. Er war allerdings am Abend auf seinem Zimmer etwas verwirrt, küßte meine Schwiegermutter auf die Stirn und meinte, dass man sich nicht zanken müsse. Beide starrten sich dann an, und er bemerkte plötzlich, dass diese Frau die falsche Frau ist, gab ihr noch einen Kuss und entschuldigte sich für den ersten. Meine Schwiegermutter stand zur Salzsäule erstarrt vor ihm, starrte ihn nur an und sagte nichts. Redete gar nicht mehr bis wie dann gingen. So was ist ihr wohl schon lange nicht mehr passiert ;-)

Gestern waren wir wieder bei ihm, der wöchentliche Besuch stand an, und er erklärte uns bei Kaffee und Kuchen, dass er ja schon lange keinen Besuch mehr hatte und immer so alleine ist. Wir könnten doch öfter kommen... Sommerfeste und Geburtstage zählen nicht, das ist kein Besuch sondern Pflichtteilnahme. Ok. Wir wissen jetzt Bescheid. Nächsten Donnerstag besuchen der bEva und ich ihn wieder zur Kaffeezeit. Er hat schon Bedarf an Zahnpasta und Voltaren Salbe angemeldet. Ich gehe dann morgen mal zur Apotheke.

09.07.2012

Alles neu

Der Mai, der angeblich alles neu macht, ist zwar schon lange vorbei, aber mir war nach Veränderung. Und ich denke, so sind die Texte - vor allem in der mobilen Version des Blogs - besser zu lesen. Vielleicht erscheinen die neuesten Texte auch endlich wieder in den Blogrolls anderer Seiten. Meine eigene Blogroll habe ich überarbeitet, es gibt Neuzugänge und - was sagt man da? Trennungen? Abgänge? Keine Ahnung. Ansonsten wünsche ich allen eine schöne Woche mit viel Sonnenschein und wenig Gewitter!

08.07.2012

Heiliger Sonntag

Es ist Sonntag. Es ist 5.10 Uhr, als direkt an der Staatsgrenze zur 100qm-Welt der Schlaf der Bewohner von feindlichen Individien angegriffen wird. Im Grenzgebiet zum benachbarten Ausland stehen ein Mann und eine Frau und streiten. Es geht um Themen, die schon so alt sind wie die Menschheit: Andere Frauen, fremder Sex, zu viel Alkohol und zu wenig Geld. Er redet laut auf sie ein, sie keift zurück. Sie umrunden sich wie kampfbereite Hunde, spucken die Worte dem jeweils anderen vor die Füße. Plötzlich bewegen sie sich und schlendern mitten auf der Straße weiter, immer noch laut schimpfend. Sie gehen ein ganzes Stück die Straße hinauf, wobei das Gequake der Frau noch lange zu hören ist und allmählich vom üblichen Vogelgezeter überstimmt wird. Nach einer Weile nehmen die Stimmen jedoch an Lautstärke wieder zu. Sie kommen bummelnd den gegangenen Weg zurück. Ihr Streit hat nicht an Heftigkeit verloren. Wieder bleiben sie an der Staatsgrenze stehen und brüllen sich an, er grollend, sie schrill. Dann setzen sie sich wieder in Bewegung und biegen in eine andere Straße ab. Langsam werden die Stimmen leiser, Ruhe kehrt ein, der Gesang der Vögel erscheint lieblich nach dem Krach. Muss Liebe schön sein!

07.07.2012

Windstill

Im Garten ist es ganz ruhig. Kein Lüftchen weht, kein Vogel singt, auf der Straße fährt kein Auto. Nichts bewegt sich. Ich sitze auf dem Balkon und warte auf das erste Grummeln. Die Luftfeuchtigkeit ist unerträglich, obwohl die Temperatur gar nicht so hoch ist. Nach einer Weile kommt Wind auf, erste Tropfen fallen. Dunkle Wolken ziehen über das Haus, ein Blitz zuckt in der Ferne. Der bisher neben mir schlafende Kater hebt den Kopf, lauscht mit wackelnden Ohren, streckt sich und verläßt beim Donner den Balkon. Ich rücke meinen Sessel ganz an die Wand, höre dem jetzt rauschenden Regen zu und klappe mein Buch wieder auf. Wochenende. Balkon. Buch. Schokolade. Kater (wenn er jetzt nicht feige unter meinem Bett liegen würde). Was macht da schon ein Gewitter, wenn es weit genug weg ist? Der Wind läßt nach, der Regen hört auf, Mörchen kommt zurück. Heile kleine Welt am Samstag. Es ist wieder still. Ruhe kehrt ein.

02.07.2012

Stimmt auffallend.

Frau chat noir hat mal wieder gelesen ;-) Und aus dem Buchjournal 3_2012 aus einem Interview mit Sabine Asgodom* folgenden Satz für sich mitgenommen:

"Manchmal müssen wir uns verabschieden von der Hoffnung, dass unsere Eltern uns das geben können, was wir uns von ihnen wünschen."

Es geht darum, dass die Mutter der Autorin es nie über sich gebracht hat zu sagen, dass ihre Tochter etwas gut gemacht hat.

* Sabine Asgodom: So coache ich.  25 überraschende Impulse, mit denen Sie erfolgreicher werden. Kösel, 224 S., 17,99€

29.06.2012

Abwehr. Abwehr?

Frau chat noir saß gestern abend vor dem Fernseher. Und ich fand diese Farben furchtbar. Grüner Hintergrund, darauf ein blauweißer Punkt mit einem kleineren weißen Punkt, der plötzlich an einem orangenen Punkt vorbei ins Netz flog. Das durfte ich mir mehrfach anschauen. Und noch einmal mit Erfolg. Abwehr wurde gestern völlig überbewertet. Was ist schon Abwehr?

Und wer nach einem eigenen lethargischen Einsatz einmal versucht hat, dass Ruder in den letzten verbleibenden 10 Minuten für sich herumzudrehen, der weiß, dass das in den meisten Fällen nicht klappt.

Um es auf den Punkt zu bringen: Ihr habt gestern beschissen gespielt, Jungs. Angst vor dem Gegner ist ein mieser 12. Mann.

Aber das Oberhaupt aller Trainer kann beruhigt sein. Es wird ihm nichts passieren. Nur wenn er einen Teppich auf Staatskosten einfliegen lassen würde, das, ja das könnte eventuell unangenehme Konsequenzen haben. Für sein Konto. Und nur für sein Konto. Was dachten Sie denn?

Ich sage ja: Es bleibt schwierig!

28.06.2012

Schiff fahren

Frau chat noir ist mit dem bEva nach ein paar Wochen Reisen in Sachen innerfamiliärer Unterstützung für ein Wochenende in eigener Sache unterwegs gewesen. Man kann auch "Städtetour" dazu sagen. Tolles Hotel, leckeres Essen und fertiges Programm. Basta. Ab und zu tut so etwas der Seele gut. Diesesmal hatten wir ein Städtchen an einem Fluß ausgesucht. Auf dem Fluß kann man auch Böötchen fahren, natürlich einer der Programmpunkte. Ich liiiiebe Böötchen fahren! Das Highlight der Schiffstour habe ich für die werte Leserschaft im Bild festgehalten:


Es war einfach toll. Sogar der bEva hat mal kurz von seiner Lektüre aufgeschaut. Nun sind wir wieder daheim und die Wundertüte, die man Leben nennt, hat uns voll im Griff. Dazu später einmal mehr, ich warte, bis ich auch das Ende der Geschichte bloggen kann.Es bleibt schwierig!

19.06.2012

Schon 20 Jahre - der Schmerz bleibt

Du bist schon lange nicht mehr dort, wo Du einst warst,
aber Du bist auch jetzt noch überall, wo ich bin.
Ich begegne Dir immer wieder und sehe Dich lächeln,
die Spuren Deines Lebens erinnern mich stets an Dich.
Dein Stern leuchtet heller als zuvor und weist mir den Weg.
Wo immer Du auch bist, mögest Du glücklich sein!
Für mich warst und bist Du etwas ganz Besonderes,
Danke, dass es Dich gab.

Erinnerung an Schummel, die morgen vor 20 Jahren für immer von mir ging. Sie war die beste Mama der Welt und verließ diese viel zu früh.

13.06.2012

Nur ein Sparbuch

Frau chat noir kann sich noch genau daran erinnern. Frueher ging man zur Bank/Sparkasse seines Vertrauens, wurde an einem Schalter von einem netten Banker begruesst, teilte die eigenen Wuensche mit und bekam diese in der Regel sofort erfuellt. Natuerlich nicht, wenn man einen groesseren Kredit brauchte, auch das dauerte frueher schon laenger, aber so Kleinigkeiten eben. Wie z.B. das Anlegen eines Sparbuchs. Heute benoetigt man fuer sowas einen Termin beim Kundenbetreuer. Den kann man natuerlich nicht mehr selbst anrufen, sondern muss ueber einen heissen Draht (oder wie uebersetzt man Hotline?) einen Termin machen oder persoenlich in der Zweigstelle zwecks Terminabsprache vorbeischauen. Da ich Call Center nicht leiden kann und der Meinung bin, dass es die Tante oder den Onkel da am Telefon nichts angeht, ob mein Grossvater vaeterlicherseits einen deutschen Schaeferhund hatte und er diesem auch regelmaessig die Zaehne geputzt hat, begab ich mich also selbst in die Filiale.

Hinter dem Tresen Counter stand ein sehr junger Mann in einem sehr schwarzen Anzug und einer sehr gedeckten Krawatte und tat sehr wichtig. Wahrscheinlich hielt er sich fuer den zukuenftigen Leiter dieser Nebenstelle. Er musterte mich von oben bis unten (Ich hatte morgens vergessen, mich diesem wichtigen Anlass gemaess zu kleiden und trug statt grauem Kostuem Jeans und T-Shirt. So ein Frevel.) und fragte ohne Begruessung nach meinem Begehr. Froehlich schmetterte ich ihm ein "Guten Morgen" entgegen und bat um einen Termin bei meinem mir sogar namentlich bekannten Kundenbetreuer. In dem maskenhaften Gesicht mir gegenueber hob sich eine Augenbraue. "Warum?"

Also tat ich Kund, dass ich ein Sparbuch eroeffnen moechte. "Wozu?" Innerlich wuenschte ich mir den nie vorhandenen deutschen Schaeferhund meines Grossvaters herbei, der jetzt fuer mich schoen knurren koennte und seine vorgestern nicht geputzten Zaehne fletschen wuerde. "Weil ich Geld einzahlen moechte, um es zu sparen." Wie ich mir denn die Anlageform vorstellen wuerde? Und wie hoch denn der Betrag sein soll, der angelegt wird? Oder ob ich monatlich sparen will und wie hoch da die Raten sein sollen? Der Bankdirektor vor mir schaute mich spoettisch an. "Ich moechte das mit Herrn XY besprechen, deshalb benoetige ich ja den Termin".

Ich solle bedenken, dass ein Sparbuch eine ganz antiquierte Art der Geldanlage sei. Der Wolf neben mir stellte seine dicken Pfoten bedrohlich knurrend auf den netten Verkaufstisch und blies dem Bundesbankpraesidenten dahinter eine Wolke schlechten Atem ins Gesicht. Alle Freundlichkeit hinter mich lassend fauchte ich den dringenden Wunsch nach einem Termin gegen den schwarzen Anzug. Der Traeger des Zwirns liess sich daraufhin herab, in den PC zu schauen, um mir ein Datum mit Uhrzeit anzubieten. Ich nahm den Vorschlag an. "Ich notiere das dann mal vorsichtshalber fuer Sie." Ich konnte den Wolf gerade noch an der Leine zurueckhalten. Dankend nahm ich den Zettel an und schaute pruefend darauf. Leider hatte er sich im Monat geirrt, der aufgeschriebene Termin waere schon zwei Wochen zuvor gewesen. Sueffisant laechelnd reichte ich das Briefchen zurueck. "An diesem Tag haette ich ohnehin keine Zeit gehabt". Er wurde beim aendern der Zeile tatsaechlich rot. Der Schaeferhund und ich gingen pfeifend nach Hause.

07.06.2012

Jetzt ist es genug!

ICH.WILL.SOMMER. Aber sofort!

28.05.2012

Jahresbilanz

Ein Jahr ist es jetzt her, dass Frau chat noir mit dem bEva und Kater Mörchen in die neue 100m²-Welt um- und eingezogen ist. Ich bedauere den Umzug nicht, und auch mit dem Haus habe ich meinen Frieden geschlossen. Schließlich hat es mir leer so gut gefallen, dass ich es unbedingt haben wollte. Es liegt an uns und nicht am Haus, dass nicht gleich alles so hineinpasste, wie ich es mir vorgestellt hatte wir es planten. Wir hatten vorher eben noch nicht genug "ausgemistet". Also trennten wir uns weiter von vielen Dingen oder suchten und fanden andere Lösungen, und wenn ich heute durch die Räume gehe, ist letztendlich doch alles nach Plan verlaufen. Nur eben manchmal ein klitzekleines bisschen anders, und das nicht nur aus Platz- sondern auch aus finanziellen Gründen. Und weil so viel nebenher passiert ist, sind wir im Haus und drumherum noch nicht ganz fertig. Die letzten ca. 10 gepackten Kartons, die jetzt noch herumstehen, sind bald ausgepackt. Manches braucht halt seine Zeit. Zum Beispiel sind in zwei Zimmern noch keine Bilder an den Wänden, und wenn man wie ich bestimmte Vorstellungen hat, muss man Geduld aufbringen. Leider nicht meine Stärke.

Viel Zeit hat uns der alte Mann gekostet. Sein Umzug und das Ausräumen seines Hauses war mitten im eigenen Umzug nicht nur körperlich sehr anstregend. Ich hatte nicht mit den Emotionen gerechnet, die mich beim Auflösen des elterlichen Haushaltes schier überwältigten. Die Erinnerungen schlugen wie große Wellen über mir zusammen und spülten mich ab und zu in ein Tal der Tränen. Und dann die Entscheidungen: Was möchte der alte Mann behalten, was kann er im Heim behalten, was möchte ich selbst behalten, was kann weg und wohin?  Nun, wir haben auch das geschafft. Die Zeit, die wir jetzt für und mit dem alten Mann verbringen, wird nicht weniger werden. Es bleibt nicht bei wöchentlichen Besuchen, sondern das Drum und Dran nimmt zu. Aber das ist ok so, er hat schließlich nur noch uns.

Die Quintessenz der Lebensumstellung ist jedoch positiv. Zunächst hat es mich beim Blick auf das Datum geschüttelt, weil das Jahr so rasend schnell vergangen ist. Und dann habe ich mit Staunen realisiert, was sich alles verändert hat in dieser Zeit. Es ist viel geschehen, Gutes und Schlechtes, Glück und Trauer lagen dicht beieinander. Nicht über alles konnte und wollte ich berichten. Manches musste privat bleiben und durfte hier nicht veröffentlicht werden. Es waren Personen betroffen, und von denen ich weiß, dass sie sich an diesem Ort nicht wiederfinden möchten. Aber wir werden gebraucht, sind glücklich darüber, freuen uns, dass wir helfen können und genießen solche Tage ganz besonders.

Durch die Zeit, die wir nun in Überfluss haben, änderten sich unsere Prioritäten. Das "Wir" steht wieder mehr im Vordergrund, die Zweisamkeit ist uns sehr wichtig. Wir lernten, dass wir die gegenseitige, dauerhafte  Nähe nicht als unangenehm empfinden und wir uns noch lange nicht satt haben. Das ist wunderbar, ein großes Geschenk, dass der bEva und ich so lange wie möglich genießen wollen. Wir gehen intensiv unseren Hobbys nach, jeder für sich oder gemeinsam, können einfach nach Lust und Laune ins Auto steigen und durch die nahe oder ferne Welt reisen, nächtelang vor dem Fernseher hocken, lange ausschlafen, einkaufen, wann wir wollen oder einfach mal nichts tun.  Die Nähe zur "Sippe" ist nach wie vor wunderbar. Ich liebe diese Familie, und ich bin froh, sie endlich alle in erreichbarer Nähe zu wissen. Wir haben uns in diesem Jahr so oft gesehen wie in den letzten 10 Jahren zuvor zusammen. Und es ist jedesmal ein Genuss. Auch in dieser Hinsicht war der Entschluss zum Umzug genau der Richtige. Etwas auf der Strecke geblieben sind die geplanten Treffen mit (Schul) Freunden. Das kann und muss anders werden.

Nun bin ich gespannt, was das nächste Jahr in der neuen alten Umgebung bringen wird. Ich lasse mich überraschen.


25.05.2012

Willkommen...

... im Leben, kleine Prinzessin!

22.05.2012

Hochzeitstag

Frau chat noir ist gerührt. Der bEva und ich haben heute zu unserem XX. Hochzeitstag von unseren Gastgebern einen Restaurantgutschein geschenkt bekommen. Und einen Tisch haben sie für heute Abend für uns auch schon reserviert. Wir sind schon sehr gespannt. Ich gehe mich dann mal anhübschen. Ich sehe zwar noch genaoso aus wie damals, brauche dafür aber ein paar Stunden ;-)

21.05.2012

Glücksmomente

Heute auf dem T-Shirt des kleinen Mannes (1 1/2) entdeckt: "Nobody is perfect. I'm Nobody". Und da steht er vor mir mit seiner Kindergartenbienentasche, sein Cap verkehrt herum auf dem Kopf, fast mich an die Hand, zieht mich zu sich herunter und gibt mir einen nassen Knutscher. "Tschusch!", winken, und weg ist der kleine coole Mr. Nobody. Tee trinken mit seinen Freunden in der KiTa. Und mein Herz macht einen Hüpfer...

16.05.2012

Unverschämt

Frau chat noir war heute wieder im Altersheim Seniorenpark. Der alte Mann wartete schon auf Kaffee und Kuchen und Gesellschaft. Im Restaurant erzählte er mir dann, dass er überhaupt kein Haarspray mehr habe. Er müsse schon sein Deospray (!) als Haarspray benutzen! Vor ca. drei Wochen hatte ich ihm zwei Flaschen mitgebracht, und auf meine Frage, wo die denn geblieben seien, bekam ich zur Antwort, dass er eben viel Spray verbrauche. Schließlich seien nur Damen um ihn herum* und er müsse gut aussehen. Ok. Nun werde ich ihn in der nächsten Zeit nicht besuchen können, und um ihm behilflich zu sein, ging ich in den dem Seniorenpark angeschlossenen Friseursalon. Man hatte dort natürlich Haarspray. Und zwar von P*ul Mit**ell zum Preis von 17,50€ die Flasche. Ich musste schon schlucken, aber vor allem musste ich mich wundern. Wie kann man in einem Altersheim, in dem die meisten Menschen von ihrer Rente nichts oder fast nichts übrig haben, so teures Haarspray  - und noch nicht einmal eine Alternative dazu - anbieten? Ich denke, ich muss mich doch mal an die Heimleitung wenden. Es häufen sich irgendwie die Probleme.

*Früher aß er gerne Weichkäse mit Knoblauch. Als ich ihm den mal mitbringen wollte, hat er das abgelehnt. Er könne den Damen den Gestank nicht zumuten...

Lange nichts von ihm geschrieben...

...deshalb mal ein Post nur für ihn:


Und wer mag, kann hier für ihn abstimmen. Er möchte ein "hochwertiges Katzenmöbel" gewinnen. Am liebsten "Le Canapé". Hoffentlich passt das Ding dann unter mein Bett. Schließlich ist das sein bevorzugter Schlafplatz. Oder wir stellen es auf den Balkon. Nur die passende Sonnenbrille ist leider im Lieferumfang nicht enthalten.

12.05.2012

Vor 17 Jahren

Schon von weitem konnte man auf dem Weg zum Tagungsort das alte Kloster erkennen. Es wurde von blühenden Kastanien gesäumt, und die Sonne sorgte für eine angenehme Atmosphäre, nahm dem Ort die Finsternis. Die alten Mauern verbargen ein modernes Tagungszentrum. Von meinen vorherigen Besuchen wußte ich, dass Zimmer und Essen sehr gut waren. Trotzdem dachte ich darüber nach, was mich wohl erwarten würde. Zum ersten Mal nahm ich an einem Seminar teil, das ausschließlich von Frauen besucht wurde. Ob deren Verhalten ohne ihre eigenen Männer in der Runde wohl anders war? Ich hatte einen Vortrag zu halten über das spezielle Thema der Tagung und war auf die Reaktionen der Damen sehr gespannt. Um es kurz zu machen: Ja, das Verhalten war anders, und der Vortrag wurde lebhaft diskutiert. Sogar am Abend in gemütlicher Runde vor dem Kamin ging der Meinungsaustausch weiter.
Warum ich das hier heute schreibe? Deshalb:

Liebe Muhge,
wir lernten uns genau dort kennen. Schon während der Vorstellungsrunde waren wir uns sofort sympatisch. Bei  langen Gesprächen stellten wir fest, dass wir den gleichen familiären Hintergrund hatten. Wir traten den Heimweg gemeinsam an, und Du nahmst mich mit nach Hause. Dort versorgte uns Dein noch Zopf tragender Sohn Ci Äitsch mit köstlichen Waffeln. Wenige Wochen nach dem Seminar besuchtest Du mich in Berlin, wo ich damals wohnte. Diese wunderbare Woche werde ich niemals vergessen. Unsere Freundschaft besteht seither, und auch Deine vielen Jahren in anderen Ländern auf einem anderen Kontinent konnten uns nicht wirklich trennen. Leider war es uns nie vergönnt in einem Ort zu wohnen, und nun ist diese Chance für immer vorbei. Aber es gibt Fernbeziehungen, warum soll das nicht auch bei Freundinnen so sein und weiterhin klappen? Es ist schön, dass es Dich gibt!
Alles Liebe zu unserem "Kennengelernttag",
Deine chat noir


03.05.2012

Tanz in den Mai

Frau chat noir war "schwofen". Es war Walpurgis und Halli Galli im Seniorenpark von 15 bis 18 Uhr, es gab Mucke aus der Mitte des letzten Jahrhunderts - und die zwei Mann "Orchester" passten vom Alter zu den älteren Herrschaften.
Wir besuchten zu fünft den alten Mann, der mit uns viel Spaß hatte. Mit "geklauter" Sonnenbrille auf der Nase seinen im Eintrittspreis enthaltenen Kaffee und Kuchen genießend und bei einem anschließenden Bierchen laut und kräftig mitsingend (meistens Texte, die nicht jugendfrei sind. Ich hätte sie für mich meinen Enkel aufschreiben sollen! Bei einem meiner nächsten Besuche werde ich mich mit einem Block bewaffnen und ihn genauer dazu befragen. So was kann der Partyknüller werden!) war er richtig gut drauf.


Der ganz kleine Mann war auch dabei.* Er besucht seinen Urgroßvater seit ein paar Wochen regelmäßig und sie können jetzt auch schon etwas miteinander anfangen. Ihm gefiel die Musik sehr und er staunte mit großen Augen, als manche ältere Herrschaften das Tanzbein schwangen. Als er auf dem Schoß seines Urgroßvaters im Rollstuhl saß, kommt eine der Bewohnerinnen und spricht den alten Mann an.
Vorab: Das Hörgerät vom alten Mann ist noch nicht wieder aufgetaucht, die alte Dame hört auch schwer und ist dement.
Es entsteht zwischen den beiden folgender Dialog :

Sie: "Wie heißt denn das Kind?"
Er: "Lasse"
Sie: "Katze?"
Er: "Nein. LASSE!"
Die Musik setzt wieder ein. Und nicht gerade leise.
Sie: "Katze! Wer nennt denn sein Kind Katze? Wie alt ist es denn?"
Er: "LASSE ist acht Monate alt."
Sie schreit: "Wie alt ist Katze?"
Er: Zunächst leise "Mann, Mann, hört die schwer..." "L A S S E ist ACHT Monate alt!!!"
Das Kind schaut zwischen den beiden hin- und her.
Sie: "Hat es Geschwister?
Er: "Nein."
Sie: "Da müssen aber Geschwister her, der ist ja so gut gelungen!! Der kleine Katze!"
Sie streichelt dem Kind die Wange, was es nicht mag. Es dreht sich zu seiner Mama und will weg.
Er: "Ich glaube Lasse will zu seiner Mama."
Sie: "Was? Die Mutter wird wieder Mama? Gut so!" Dreht sich um und geht.

Es war ein schöner Nachmittag mit viel Spaß, besonders für den alten Mann. Und es war ein gutes Gefühl.

*