25.03.2012

Altersrelativitätstheorie

Der alte Mann hat schon wieder eine Harnweginfektion. Weil sein bisheriger Urologe keine Hausbesuche macht, haben wir (Frau chat noir zusammen mit der Pflegeleitung des Heimes) den Arzt gewechselt. Der neue Doktor war am Freitag das erste Mal bei ihm. Danach rief der alte Mann bei mir an:

Der Dr. sei da gewesen und hätte ihm nicht die Hand gegeben. Wegen der Infektionsgefahr mache er das bei keinem seiner Patienten im Altersheim. Na ja, es wäre ja auch ein junger Bursche gewesen. Aber gut, aber gut! Frau chat noir fragt nach. Wie alt der Arzt denn sei? Na ja, noch jung eben. Er sei bestimmt erst um die 50. Aber gut, aber gut! Und kam ganz ohne Kittel!

Weiße Bescheid, Schätzelein!

21.03.2012

Ehekrach

Der bEva und ich hatten kognitive Dissonanzen. Ein Wort gab das andere, und erbost stürmte der Herrscher der 100m²-Welt die Treppe hinauf, um im Badezimmer zu verschwinden. Ich räumte in Ruhe das Wohnzimmer auf und ging dann auch nach oben. Der bEva lag schon lesenderweise im Bett, mir demonstrativ seine Rückseite zeigend. Ich ging ins Arbeitszimmer, um nach meiner Blogliste zu schauen. Ich vergaß dabei wie immer die Zeit, und als ich sehr spät am Schlafzimmer vorbei ging, war es dort schon dunkel. Trotzdem machte ich das Licht im Flur an, und blieb wie angewurzelt stehen. Dunkle Fußstapfen kamen aus dem Badezimmer auf mich zu, verschwanden im Schlafzimmer, führten um die Betten herum an meine Seite des Bettes (dort ist das Fenster, dort kurbelt man die Jalousie herunter) und wieder zurück zur anderen Seite des Bettes. Bei genauerer Betrachtung stellte ich fest, dass es sich bei den Flecken unmöglich um Wasser handeln konnte. Ich schaute also im Badezimmer nach dem Ursprung der Flecken und blieb erst einmal wie angewurzelt stehen. Da hatte doch das Katertier unerlaubter Weise ein Kothäufchen auf dem Badezimmerteppich hinterlassen, und der brastige bEva war offensichtlich hineingetappt, ohne es zu bemerken. Eine genaue Untersuchung seines Schuhs bestätigte meine Vermutung. Ich drapierte Teppich und umgedrehten Schuh gut sichtbar in der Dusche, kippte das Fenster für die Nacht und ging zu Bett. 
Am nächsten Morgen beseitigte der bEva alle Spuren ohne Kommentar, ließ mich sogar schlafen und holte Brötchen zum Frühstück. Der 100m²-Weltfrieden war wieder hergestellt. Geht doch. Nur was den Kater geritten hat, möchte ich wissen. Hoffentlich wird das jetzt nicht zum Standard mit den Häufchen in der 100m²-Welt...

20.03.2012

Einfach vergessen

Da. Nun ist es passiert, und Frau chat noir muss sich sehr über sich selbst wundern. Der bEva und ich haben uns im Februar in einer kalten, schneereichen Winternacht  kennengelernt, in der auch das Sternzeichen Orion und die Einzelteile eines G 3 Gewehrs eine nicht zu unterschätzende Rolle spielten. Genau ein Jahr später beschlossen wir, diesen Tag als "Kennengelernttag" zu feiern. Da wir es weiter miteinander aushielten, wurde dieser Tag die nächsten gefühlten 100 Jahre zur Tradition. Und in diesem Jahr habe ich ihn vergessen, unseren Tag. Einfach so vergessen. Gestern fiel es mir ein, weil mir bei meinen Räumarbeiten im Arbeitszimmer ein Foto in die Hände fiel, dass aus der Anfangszeit unserer Beziehung stammt. Vor Schreck habe ich erst mal in den Kalender geschaut, welcher Tätigkeit wir an dem besagten Ehrentag nachgegangen sind. Also: Morgens hängten wir die Lampe im Arbeitszimmer auf, die nicht so wollte wie wir, und für die wir länger brauchten als eingeplant. Und weil es ein Donnerstag war, waren wir am Nachmittag wo? Richtig, beim alten Mann. Wenigstens waren wir da Kaffee trinken. Tja. Früher habe ich rechtzeitig und täglich in meinen Terminkalender geschaut. Und nun liegt er hier auf meinem Schreibtisch und liegt auf meinem Schreibtisch und liegt auf meinem Schreibtisch. Das Alter macht mir doch zu schaffen ;-) Und ich bin sehr gespannt, welche Ausrede der bEva morgen beim Frühstück haben wird. Ich muss schließlich nicht alleine an den Tag denken. Ist ja auch sein Kennengelernttag!

18.03.2012

Warum nicht ich?

Es waren drei Wahlen in schneller Folge, und ich warte noch immer darauf, dass ich den Bundespräsidenten mitwählen darf. Man vergißt mich jedesmal. Warum eigentlich? Ich gehe zu jeder Wahl, sogar zur Gemeinderatswahl meiner Kirche, ich zahle pünktlich meine nicht wenigen Steuern, ich habe trotz weiblichen Geschlechts eine eigene politische Meinung, habe mich in meinem früheren Leben gesellschaftspolitisch engagiert. Wahrscheinlich habe ich einige Fehler: Ich trainiere keine Fußballmannschaft, bin keine Schauspielerin (jedenfalls nicht hauptberuflich), habe kein Parteibuch in der Schublade und trage keine fernsehtaugliche Konfektionsgrösse. Dabei hätte ich den Herrn Pfarrer schon beim letzten Mal gewählt. Wenn man beruflich viel mit diesem Berufsstand zu tun hatte, entwickelt man ein Faible für die Herren. Na gut, er wird es heute auch ohne meine Stimme schaffen, aber man hätte mich ruhig mal fragen können, ob ich mitmachen möchte. Jetzt muss ich wieder fünf Jahre warten...

15.03.2012

Nur halb zugehört

Der bEva wuselt im Garten der 100m"-Welt herum, Frau chat noir sitzt im Arbeitszimmer am Schreibtisch und kümmert sich intensiv um ihre Blogliste den Schreibkram. Nach einiger Zeit steht der bEva in der Tür zum Arbeitszimmer. Folgender Dialog entsteht:

bEva (mit stolz geschwellter Brust): "Ich habe den Rasen gerecht".

chat noir (in das Sexualleben von Herrn MiM vertieft): "Mit was hast Du geschossen?"

bEva: "???"

chat noir schaut auf und ihren Ehemann an: "Na, Du hast doch den Rasen gerächt, haste gesagt, oder?"

Kommentare müssen in diesem Blog nicht unbedingt veröffentlicht werden. Überlegen Sie genau, was Sie schreiben, wenn Sie schreiben!

14.03.2012

Elternabend

Frau chat noir musste sich aufregen. Und zwar gestern Abend. Eigentlich hatte ich gedacht, die Zeiten, in denen ich eine Versammlung von Menschen besuche, die einzig und allein in einem Raum zusammensitzen, weil ihre Kinder zufällig in die selbe Klasse gehen, sind ein für alle Mal vorbei. Falsch. Und ich hatte gedacht, dass widerliche Besserwissermütter nie mehr meinen Weg kreuzen würden. Auch falsch. Nur auf die Wahl eines Elternpflegschaftsmitgliedes wurde verzichtet, ich musste also nicht innerlich "LaPaloma" pfeifend und in eine andere Ecke schauend möglichst unsichtbar werden. Diesmal handelte es sich bei den üblichen Verdächtigen nicht um Kinder, sondern um alte Menschen. Ich verbrachte meine Zeit in einem Raum mit mir  unbekannten Menschen (bis auf den bEva), deren einzige Gemeinsamkeit es ist, einen oder mehrere Angehörige im selben Seniorenpark untergebracht zu haben. "Angehörigenstammtisch" nannte sich das Ganze. Wie sich später herausstellte, definiere ich den Begriff  "Stammtisch" vollkommen anders als die "Heimleitung".

Heutzutage geht ja keine Begrüßung mehr ohne Beamer, also wurde auch hier zur Unterstützung der einleitenden Worte der Frau Leitung im Hintergrund Bildmaterial powerpointmäßig dargeboten. Gezeigt wurden in Endlosschleife Fotos vom Heim. Sehr informativ, denn die Versammelten sind ohnehin wenigstens einmal in der Woche hier zu Besuch und kennen alles in- und auswendig. Ich nehme an, dass die, die nie kommen, auch gestern nicht da waren . Das Haus hat 104 Bewohner und ca. 20 Leute saßen um den Konferenztisch. Übrigens werden die 104 People von 98 Menschen betreut (inkl. Küche und Verwaltung). Und z.B. in der Pflegestufe I stehen jedem in 24 Stunden 90 Minuten Pflege zu. Noch Fragen? Aber darüber mußte ich mich nicht besonders aufregen. Das hatte ich früher schon.

Es ging weiter damit, dass man ein blödes Zettelchen ziehen musste, um so einer Gruppe zugeteilt zu werden. Und Paare wurden getrennt. Das machte ja mal richtig Sinn, wenn es um nur eine hier lebende Person geht. Mit dieser Gruppe durchlief man drei Stationen: Pflegedienst, Küche und Ergotheraphie. In meiner Gruppe stieß ich auf eine Frau mit Betonfrisur und Riesenbrille, und genau wie früher wußte sie wie eine von den Wichtigmüttern alles besser. Sie musste mich unbedingt aufklären über alte Menschen, insbesondere über den alten Mann. Örgs. Im Alter verändere sich die Persönlichkeit, die Geschmacksnerven ließen nach und körperlich und geistig gehe es auch bergab. "Ach!" Ja, und wenn der alte Mann dann mal das hohe Alter von 80 Jahren erreicht habe, werde ich das schon noch merken. "Er wird im Juli 92". Dann wäre er ja schon bettlägerig und würde nur noch dahindämmern. "Er sitzt im Rollstuhl, nimmt aber an allen Veranstaltungen des Hauses teil, trinkt seinen Harem mit Ouzo unter den Tisch und versteht sogar, was in der Tagesschau berichtet wird. Damit ist er einer von ca. 30% der Nachrichtenkonsumenten". Örgs. Örgsörgsörgs. Ja, wie er denn sonst so mit seiner Situation klar käme? "Ich bin nicht hier, um die Lage meines Angehörigen zu diskutieren. Ich bin hier, um mich zu informieren." Zack. K.o. in der zweiten Runde. Kopfsprung in das Fettnäpfchen mit besten Haltungsnoten.

Aber wirklich geärgert habe ich mich, als es um die Küche ging. Frau Leiterin teilte mit, dass sie pro Tag und Bewohner 4,60€ für die Verpflegung zur Verfügung habe. Davon leiste man Frühstück, Zwischenmahlzeit, Mittagessen, Nachmittagskaffee und Abendbrot. Ganz stolz sei man auf das hauseigene Buchungssystem, mit dem man täglich auf die Essenswünsche der Bewohner eingehen könne. Sie zeigte eine müde Exeltabelle, in die die Pflegekräfte die Essenswünsche eintragen (es gibt zwei Mittagessen zur Auswahl, auch Brot- und Wurst/Käsesorten oder bestimmte Obstsorten können ausgewählt werden). Mit der Tabelle arbeitet dann die Küche. "Also kann man sich z.B. zum Abendessen ausschließlich Salami aussuchen."  Ja, natürlich.  "Und die ist dann abends oben im Gemeinschaftsraum dabei."  Ja, natürlich. "Und wie bekommt der Bewohner dann seine Salami, wenn Sie abends für alle nur eine Wurtsplatte reichen?"  Pause. Dann müsse er sich die Wurst von der Platte nehmen. "Es besteht die Möglichkeit zwischen 17.30 Uhr und 19.00 Uhr zum Abendbrot zu gehen. Es steht eine Gemeinschaftsplatte Wurst auf dem Tisch. Es essen insgesamt 8 Personen an dem Tisch. Sieben freuen sich über so viel Salami. Nr. 8 kommt ein bisschen später, und dann ist die Salami weg. Das finden Sie so in Ordnung?" Pause. Man habe ja auch nur 4,60 € am Tag zur Verfügung. "Warum gibt es dann keine personenbezogenen Mahlzeiten wie z.B. im Krankenhaus? Warum muss ich dem alten Mann dauernd Salami, Weißbrot und Bananen mitbringen, weil er das hier nicht bekommt?" Pause. Dann käme der alte Mann eben zu spät zum Abendessen. Dafür kann die Heimleitung aber nichts. Und mit nur 4,60€ am Tag... Aaaarrrggg!

Ok., das schreit nach einem Besuch bei Frau Leiterin ohne Publikum. Spannend finde ich auch, dass eine sogenannte "Biografie" über jeden einzelnen Bewohner beim Einzug angelegt wurde und stetig weitergeführt wird. Ich glaube, da muss ich auch mal reinschauen, ich war beim Einzug nämlich nicht dabei. Und die sollen mir gar nicht erst mit Datenschutz kommen. Ich bin nämlich die Betreuungsperson vom alten Mann. Das habe ich notariell beglaubigt! Zum Ende des "Stammtisches" saßen dann wieder alle um den Konferenztisch herum, knabberten Schnittchen, tranken Saft, den die alten Menschen wegen der 4,60€ am Tag nicht bekommen und starrten auf die Diaschau des Hauses. Ab und zu ein geflüstertes Gespräch zwischen Sitznachbarn oder ein lautes "Kann ich mal die Platte?". Als alles leer gefuttert war, verabschiedete man sich höflich von Frau Leiterin und Gefolge und verschwand in der Dunkelheit.

12.03.2012

Von Krankheiten und einem Dickkopf

Das Telefon klingelt. Es meldet sich das Altersheim. Der alte Mann ist wieder krank und läßt über die Stationsschwester Frau chat noir und Gefolge zur dringenden Staatsaudienz bitten. Die Schwester findet jedoch sogleich an meiner sexy Kratzestimme heraus, dass ich selbst krank bin. "Da kommen Sie wohl nicht?" Baby, ich bin unpäßlich. Aber so was von. Und stinkig. Auch so was von. Aber Baby, Sie sind nicht der Grund.

Bekanntlich ist im Hause chat noir der Donnerstag der Opatag. So waren wir auch letzten Donnerstag bei ihm. Vorher waren wir einkaufen, um die lange Liste seiner Sonderwünsche abzuarbeiten. Wir haben uns seine "Pi- und Pogeschichten" angehört und sind dann mit ihm ins hauseigene Café gegangen. Und dort erwähnt er mit einem Nebensatz in meine Richtung, dass es Bewohner gäbe, die viel öfter als er Besuch bekämen. Ich erwiderte freundlich, dass es aber noch mehr Bewohner gäbe, die niemals Besuch bekämen. Ja, das wäre schade, aber wir hätten doch den ganzen Tag nichts zu tun und könnten viel öfter kommen. Der bEva schaltete sich sofort ein, als er meinen Gesichtsausdruck sah und teilte dem alten Mann mit, dass wir bei Bedarf ja auch öfter kämen, aber sonst eben einmal in der Woche.

Falscher Ansatz. Habe ich gleich gemerkt. Listige alte Äuglein leuchteten beim Begriff  "bei Bedarf" auf. Und nun haben wir den Salat. Er hustet - und wir springen. Leider bin ich so krank, dass der bEva den Brei alleine auslöffeln muss. Und der alte Mann ist dickköpfig und stur. Zwei Beispiele:

1.) Als er in das Heim kam, konnte er gut mit dem Rollator laufen. Weil er sein Bett nicht mitbringen durfte (es war ja auch kein Krankenbett), tat ihm plötzlich die Hüfte vom Liegen in dem neuen Bett weh. Er hatte so große Schmerzen, dass er nicht mehr laufen konnte. Eine Untersuchung der Hüfte im Krankenhaus ergab, dass sie zwar altersbedingt abgenutzt, aber noch voll funktionstüchtig sei und von einer künstlichen Hüfte wegen der Länge der OP (zum damaligen Zeitpunkt) dringend abgeraten werde. Aber er konnte nicht mehr laufen, also verpasste man ihm einen Rollstuhl. Dabei ging das Laufen noch gut, langsam, aber er lief. Jetzt ist die Beinmuskulatur so schwach vom ewigen sitzen, dass er den Rollator nicht mehr nutzen kann.

2.) Er ist inkontinent. Das ist schlimm, ich verstehe das sehr gut. Aber das hatte sich schon vor einigen Jahren gezeigt als er jammerte, "es" liefe einfach so los. Ich sagte ihm, dann musst du jede Stunde zur Toilette gehen, was nicht in der Blase ist, kann auch nicht einfach laufen. Daraufhin wurde mir böse geantwortet, dass man nicht zur Toilette gehen kann, wenn man nicht muss. Und so nahm das Schicksal mit Ausreden seinen Lauf. Zu Hause schaffte er es nicht mehr zur Toilette, weil er sieben Stufen überwinden musste. Im Heim schaffte er es nicht mehr, weil er mit dem Rollator im Bad nicht klar kam. Dort ging man sofort den Weg des geringsten Widerstandes und verpasste ihm zuerst Einlagen (mitten im Gespräch kam mit einem erfreuten Augenaufschlag "Hach, jetzt läuft es wieder"), dann Inkontinenzunterhosen, dann einen Schlauch/Beutel. Ich will hier gar nicht darauf eingehen, wie oft er neu angekleidet werden musste, weil alles naß war.

Zuletzt setzte man ihm im Krankenhaus einen Katheder. Gleichzeitig stellte man dort fest, dass Bakterien in der Blase, die "nach oben" wandern, für die ewige Bronchitis verantwortlich sind, und stellte eine Lungenentzündung fest. Man legte ihm nahe, einen Katheder durch die Bauchdecke legen zu lassen, weil dadurch Blasenentzündungen und damit die ewige Husterei minimiert werden können. Weil aber "Einer" vorbeikam, der ihm davon dringend abgeraten hatte, ließ er das nicht machen und kam mit dem Katheder in der Blase und einer nicht wirklich ausgeheilten Bronchitis zurück ins Altersheim. Nach fast sechs Wochen Antibiotikum stellte man dessen Gabe ein. Am Donnerstag hat er wieder gehustet, und zwei Tage zuvor war der Notarzt da, der eine Harnweginfektion diagnostizierte. Und wieder gab es Antibiotika. In der nächsten Woche kommt ein Urologe ins Heim, und der will mit ihm sprechen wegen des Bauchkatheders. Baby hat mir versprochen, den Termin durchzugeben, und ich werde da sein, damit ich persönlich höre, was jetzt Sache ist. So geht es jedenfalls nicht weiter, und ich denke, ich werde mich durchsetzen müssen. Schon allein, weil es auch mal eine Lungenentzündung geben kann, die er nicht mehr einfach so wegsteckt.

Seit meinem 12. Lebensjahr ist der Mann angeblich krank. Freut sich, wenn er operiert werden muss. Geht gerne ins Krankenhaus. Rennt jede Woche zum Arzt. Misst jeden Tag mehrmals seinen Blutdruck. Verschlingt Unmengen von verschreibungspflichtigen und freien Medikamenten. Treibt die Krankenkassenkosten in die Höhe. Damit ist er über 90 Jahre alt geworden. Und trotzdem tut er mir leid.

Danke, dass Sie sich bis hierher durch meinen Wuseltext gewurschtelt haben. Das musste mal raus. Ich lege mich jetzt wieder hin, sonst wandert meine Bronchitis womöglich noch in die Blase, denn was rauf geht, geht bestimmt auch runter...

Nachtrag am Abend: Als der bEva den alten Mann gegen 14.30 Uhr besuchte, saß er fröhlich Kuchen essend in seinem Zimmer und hatte - nichts. Kein Kommentar.

11.03.2012

Ruhe im Funkkreis

Frau Chat Noir leidet still vor sich hin. Ich bin krank. Nasenläufe, Bellhusten und Dauermüdigkeit haben mich fest im Griff. Drei Tage habe ich fast ausschließlich schlafend verbracht. Und bin schon wieder müde. Ich gehe dann mal schlafen.

06.03.2012

Krach im Keller

Man erinnere sich: Frau chat noir und der bEva sind im Mai letzten Jahres umgezogen. Bisher war alles wichtig in der neuen 100m²-Welt, nur nicht die Ablage auf meinem Schreibtisch. Der Papierstapel wurde von mir zwar sortiert, war aber trotzdem total unübersichtlich und sollte eigentlich schon lange in ordentliche Aktenordner abgeheftet sein. Dazu kamen noch alle vollen Aktenordner des alten Mannes, die ich bei der Wohnungsauflösung einfach nur mitgenommen und im Arbeitszimmer abgestellt hatte, um sie später durchzusehen. Und der neue Papierkram für den alten Mann, dessen Heimaufenthalt und Pflegestufe verwaltet werden müssen, wartete auch noch auf mich.

Für mich als geborene Bürofrau war das ein unhaltbarer Zustand, mir wurde übel, wenn ich nur ins Arbeitszimmer schaute. Da auch dort die Blumen gegossen werden müssen und dummerweise mein PC sein Plätzchen im Chaos auf dem Schreibtisch hat, musste sich etwas ändern. Also habe ich bereits in der vergangenen Woche (!) damit begonnen, den Papierstapeln den Kampf anzusagen. Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht eine Strategie dazu entwickelt hätte. Die eigenen, bereits vorhandenen Ordner hatte ich schon in der alten 100m²-Welt durchgeschaut und aussortiert. Trotzdem sah ich in den letzten Tagen alles noch einmal durch. Dazu die Papiere vom alten Mann, die mich sehr lange aufhielten. Es waren nicht nur Papiere, sondern auch Erinnerungen. Die wirft man nicht einfach so weg. Ich sortierte neu,  legte neue Ordner an, beschriftete alte Ordner neu, heftete ab und entsorgte noch mehr. Ich bin noch immer nicht fertig damit, aber es wird sichtlich weniger, ich kann den Monitor schon wieder in Gänze sehen und weiß endlich, was für eine Farbe mein neuer Schreibtisch hat.

Das Altpapier habe ich in zwei Kisten sortiert: Eine für Papier, das einfach in die Tonne kann, und eine für Papier, das geschreddert werden muß. Dabei hatte ich scheinbar eine gute Idee und bat den bEva um Hilfe. Leider bekam ich von ihm die nur zur Hälfte geleerte Schredderkiste zurück mit der Frage, ob das denn wirklich alles vernichtet werden kann? Ob ich auch Verjährungsfristen beachtet habe, die Briefe nicht lieber aufheben will und die Versicherungspolicen nicht doch noch gebraucht werden? Ok., er meint es gut. Ich aber habe alles geprüft und mir genau überlegt. Ich bin hier zu Hause und mein eigener Chef. Ich will niemanden mehr fragen müssen, ob ich darf, was ich will. Und ich will keinen unnötigen Ballast mehr aufheben.

Was lehrt mich das? Mach es alleine. Gleich von Anfang an. Diskutiere nicht. Frage nicht. Mach einfach. Vertraue auf dich. Alles wird gut. Ich gehe dann mal in den Keller und mache Krach. Denn: Ich gehe schreddern.

03.03.2012

Bratpfanne und Gitarrenklänge

Frau chat noir nimmt immer wieder an Preisausschreiben teil, und sie ist fest davon überzeugt, irgendwann den großen ersten Preis abzuräumen. Bis dahin muss sie sich mit kleineren Preisen zufrieden geben, und sie freut sich jedesmal furchtbar arg sehr über einen Gewinn. In der letzten Woche schlug die Glücksgöttin gleich zwei Mal zu. Mit der Post kam ein Paket von der Fa. Rxma, das dem bEva eine neue Bratpfanne für seine Küche bescherte. Dabei lag eine Originalflasche von einem neuen Bratfett, das er auch gleich ausprobieren kann. Wenn das nichts ist! Aber das war noch nicht alles. Eine Mail informierte Frau chat noir darüber, dass sie Eintrittskarten für ein Konzert gewonnen hatte.

Das fand gestern Abend statt, leider nicht in unserer Stadt. Also machten sich der bEva und ich auf den langen Weg. Früh genug, um den Abend mit einem Abendessen zu beginnen.Wir wussten nicht, was uns erwarten würde, und waren deshalb sehr gespannt. Auf Anhieb fanden wir gleich neben dem Veranstaltungsort ein kleines, schnuckeliges Restaurant. Nach dem wirklich guten Essen begaben wir uns in eine historische Weinhandlung. Darin befindet sich auch eine Kleinkunstbühne mit ca.50 Plätzen. In einem alten Lagerraum, der eine gemütliche Atmosphäre ausstrahlte, erlebten wir den großartigen Künstler Jens Kommnick.  Er trat allein vor sein Publikum, zog es in seinen Bann und führte humorvoll durch sein Programm. Es war ein wunderbarer Abend der leisen Töne, ein wirkliches Erlebnis.

Frau chat noir wird also weiterhin fleißig Kärtchen schreiben. Ein Gewinn muss nicht immer der große Knaller sein, wie der gestrige Abend bewies.

PS.:  Der bEva läßt ausrichten, dass auch die Pfanne großartig ist und uns noch nette Abende bereiten wird. Ok., das lasse ich dann mal so stehen. Die Jungs unter den Lesern werden schon wissen, was er meint.

01.03.2012

Unerwarteter Blogeinschlag

Man hat mich beworfen, unerwartet und aus dem Hinterhalt, und auch getroffen. Mighty_Mo wollte mehr über mich erfahren und stellt mir Fragen, die ich gerne beantworte. Bekommen hat sie das Stöckchen von Miracle Man, und sie hätte ruhig die rote Schleife dran lassen können, so als Merchandisingartikel für die Fankurve. Leider war das Stöckchen schon etwas angeschlagen vom vielen werfen, daher glaube ich nicht, dass es noch mal funktionieren wird.

Also hier die Fragen und meine Antworten:

1: Welche 5 Gerüche würdest Du für immer konservieren wollen?
    
1. Den der Kittelschürze meiner Oma in meiner Kindheit.
2. Den des Parfums meiner Mutter auf ihrer Haut.
3. Den meiner Kinder, als sie noch Babys waren.
4. Den meiner Enkel, die noch Babys sind.
5. Den meiner Lieblingsinsel in der Nordsee.

2: Welcher Film würde Deinem Leben am nächsten kommen?

Filme gehören nicht zu meinem Leben, daher kann ich die Frage nicht wirklich beantworten. Ich kenne halt nicht genug davon. In meinem Leben haben die Inhalte und die Themen stets gewechselt. Sie wechseln immer noch, es gibt außerdem Dramen oder Komödien, manchmal ist sogar ein Krimi dabei oder ein Märchen. Wie soll ich da einen speziellen Film auswählen?

3: Das für Dich beste Buch aller Zeiten und warum?

Das ist ebenfalls eine Frage, die ich nicht eindeutig beantworten kann. Ich lese sehr viel, und ein Blick in meine Bücherregale zeigt, dass sich mein Geschmack im Laufe der Jahre verändert hat, immer wieder. Es gibt Bücher, die habe ich verschlungen, und tagelang danach noch darüber nachgedacht, es gibt Bücher, durch die ich mich durchgequält habe. Aber ich kann nicht auf Anhieb sagen, welches einen so bleibenden Eindruck hinterlassen hat, dass es mein Leben nachhaltig begleitet.

4: Wenn Du die Möglichkeit hättest einen Menschen wiederzubeleben, welcher wäre das und warum?

Meine Mutter. Sie ist in diesem Jahr schon zwanzig Jahre tot, und sie fehlt mir noch immer sehr.

5: Welche 3 Laster hast Du?

Schokolade. Schokolade. Schokolade.

Ich hoffe, ich habe die Aufgabe zur Zufriedenheit der Werferin erfüllt. Und weil der kleine Zweig schon so arg lädiert war, behalte ich ihn, auch ohne rote Schleife. Obwohl ich ihn ja gerne Herrn MiM vor die Füße gelegt hätte. Leider sind mir keine flauschigen, alkolhaltigen Fragen eingefallen...