30.08.2012

Bunte Welt

"Man sollte viel öfter bunt träumen,

als schwarzsehen!"
 
Diesen Satz habe ich bei  Herrn Oter gefunden. Als ich ihn las, fiel mir folgende Begebenheit wieder ein:
 
Der bEva und ich hatten leider nicht das Glück,  in der Nähe unserer Eltern zu wohnen. Aus beruflichen Gründen wohnten wir stets sehr weit von "zu Hause" weg. So freuten wir uns mit den Kindern, wenn wir die Großeltern ab und zu für ein paar Tage besuchen konnten. Unsere Kinder waren noch klein, das jüngste etwa fünf Jahre alt. Gern saß es auf dem Schoß meiner Mutter und schaute sich mit ihr alte Fotoalben an. Sie konnte zu den Fotos spannende Geschichten aus vergangenen Zeiten erzählen. Eines Tages stellte es der Oma die Frage: "Seit wann ist die Welt eigentlich bunt?" Zunächst verstand meine Mutter ihr Enkelkind nicht. Voller Ernst wurde ihr erklärt, dass nur die Bilder in den letzten Alben farbig seien. Davor muss die Welt schwarz-weiß gewesen sein. Das könne man auf den Fotos doch deutlich sehen.

Mir ging damals durch den Kopf, dass das Kind vielleicht recht hatte. Sehen die alten Fotos nicht immer ein bißchen trostlos aus? War die Welt damals wirklich so bunt wie heute? Oder war sie grauer? Bestimmt hatten es die Menschen schwerer als wir und unsere Welt ist mit Sicherheit eine Spur farbiger als früher. Aber haben die Menschen sie als grau empfunden?

Schwer zu sagen. Sie wurden jedenfalls nicht abgelenkt von sich und ihrer Umgebung. Kein PC, kein Fernsehen, kein Computerspiel, keine großen Werbeplakate oder Lichtreklamen nahmen ihnen den Blick oder die Zeit. Ob die Menschen vor vielen Jahren zufriedener waren als wir, wissen wir nicht. Wir können nur mutmaßen, wie sie sich gefühlt haben. Aber sie haben sich Zeit genommen. Zeit für sich, ihre Familie und ihre Freunde in ihrer Welt, die für sie vermutlich genauso farbig war wie die heutige für uns. 
 
Nehmen wir uns in unserer bunten Welt doch Zeit. Haben wir ein offenes Ohr für den, der uns braucht. Und sorgen wir dafür, dass unsere Welt so bunt bleibt, wie sie ist. Vielleicht fangen wir einfach mit den bunten Träumen an.

26.08.2012

Kleinbloggersdorf

Außerhalb der 100m²-Welt spielt sich das wahre Leben ab. Nehmen Sie zum Beispiel Kleinbloggersdorf, ein Ort in den unendlichen Weiten des Web. Hier leben viele virtuelle Wesen, von denen man annimmt, dass es Menschen sind. Es können natürlich auch Katzen sein. Ich bin davon überzeugt, dass in diesen geheimnisvollen Tieren viel mehr steckt, als sie es uns wissen lassen.

Die nachbarschaftlichen Beziehungen in diesem Dorf, das man auf keiner Landkarte findet,  können von "sehr gut" bis "das geht gar nicht" sein, je nach Empfinden des Betreibers/der Nutzer. Da es sich bei den "Gesprächen" fast ausschließlich um das geschriebene Wort handelt, kann so manches falsch verstanden werden. Meistens jedoch finden sich Blogbetreiber, die zusammen passen. Oder es sind Wesen, die wie die Katzen heimlich und unerkannt lesen, was die anderen Wesen so von sich geben, über sich, über andere, über die wichtigen Dinge des Lebens und überhaupt.

Natürlich gibt es auch ab und zu Reibereien zwischen den Dorfbewohnern, die dann dazu führen, dass die betreffenden Häuser in der Nachbarschaft gegenseitig nicht mehr betreten werden. Oder es gibt Nachbarn, die sofort die Eingangstür zuknallen, wenn man an der Blogtür geläutet hat und die z.B. abgegebene Kommentare gar nicht erst veröffentlichen.. Zum Glück überwiegt die Anzahl der freundlichen, liebenswürdigen Nachbarn. Eine meiner besonderen Nachbarinnen ist die nette Frau an der Kasse. Ihr Blick auf die Ungereimtheiten des Seins sind einfach nur köstlich. Die Frau hat eine wunderbare "Schreibe", man könnte neidisch werden. Und ausgerechnet diese Frau verleiht mir an dem Tag, an dem es eine traurige Reiberei zwischen mir und einem Nachbarn zwei Straßen weiter gab, einen Award. Zunächst war ich sprachlos, habe mich dann sehr gefreut und hänge nun das Ehrenschild in meinem Blog auf:


Noch einmal vielen, vielen Dank, liebe Alex!

Umsonst gibt es diesen Preis natürlich nicht. Ich muss nun fünf Blogs benennen und habe lange darüber nachgedacht, wer denn hier gleich aufgeführt wird. Verdient haben es viele, einige in meiner Blogliste haben diesen Preis schon, und so habe ich die Idee einer anderen lieben Nachbarin aufgegriffen, deren Beiträge vom umwerfenden sauerländischer Humor geprägt sind und ein unbedingtes "Muss" in der Lektüre meiner  Blogroll sind. Ich vergebe diesen Preis also ausschließlich an männliche Blogbetreiber.

Zunächst fiel mir Herr Resunad Oter ein, der mich mit seinen Weisheiten und den Geschichten über Thomas und Sybille sehr fasziniert. Da er aber bereits am 13. August einen Preis nur sehr zögerlich angenommen hat, fällt er leider aus. Ich denke, ich tue ihm damit einen Gefallen.

Ein paar Straßen weiter gibt es den von mir sehr geschätzten Herrn Castorp. Leider hat er bereits angekündigt, aus dem virtuellen Dorf in das "richtige" Leben zurückzukehren. Vielleicht kann ich das ja mit diesem Award verhindern. Mir würde etwas fehlen, wenn er sich zum Aufhören entschließt, die Lektüre seiner stets informativen und wohldurchdachten Beiträge sind ein Muss für mich.

Seit ich selber ein Blog betreibe, lese ich die Geschichten seines Lebens mit. Der bodenständige Herr Andi ist nun schon sechs Jahre mein ständiger Begleiter im Dorf und bekam sogar schon einmal "richtige" Post von mir. Er hat angeblich die schönsten Beine hier im Dorf.

Auf der Suche nach Erinnerungen an meinen letzten Wohnort bin ich auf diesen Herrn gestoßen. Seine Berichte aus dem Rheinland mindern mein Heimweh etwas, obwohl sich meine Wehmut nicht abstellen läßt. Und ich verneige mich ehrfürchtig vor Dieter, der so manchen Kilometer auf dem Fahrrad zurücklegt.

 Zum Lesen seines Blogs muss man angeblich sämtlichen weltlichen Begierden abgeschworen haben. Nur so sei gewährleistet, dass man sich von gelegentlichen zynischen Anmerkungen nicht nachhaltig gestört fühlt. Ich bin jedenfalls begeistert von seinen Flügen mit dem Raumschiff und hoffe, dass der Capt'n zur Annahme des Preises weder in die Badewanne gehen noch den großen Kürbis um Rat fragen muss.

Mit dem Schweizer erlebt man den puren Luxus. Wer von langen oder kurzen Reisen träumen oder sich dazu passende Tipps holen möchte, ist in der Villa MiH genau richtig aufgehoben. Stets gut gekleidet und seit einiger Zeit sehr verliebt berichtet er aus seinem Leben.

Er ist jemand, den viele Nachbarn in Kleinbloggersdorf nicht mögen. Seine Kommentare sind bissig, er ist zynisch, bekommt graue Haare, kann nach eigenen Angaben sehr niedlich sein, lebt in Metropolis und wird diesen Preis mit Sicherheit nicht annehmen, geschweige denn weitergeben. Da er aber im Moment nicht so gut drauf ist, bekommt er ihn trotzdem - statt Blumen, die er bestimmt auch nicht leiden kann.

Mit ihm möchte ich gerne mal durch Wien schlendern. Dieser Mann ist genau der Richtige, wenn man shoppen gehen möchte. Er kennt sich aus. Wieso Vanille allerdings blau ist, weiß ich nicht. Nicht nur diese Frage muss er mir irgendwann einmal beantworten.

So, meinen nachbarschaftlichen Verpflichtungen bin ich hiermit nachgekommen. Ich hoffe, es ist so o.k., liebe Alex und Du bist zufrieden!

24.08.2012

Mausekind

Ich konnte nicht schlafen. Eine innere Unruhe, die über den Tag verteilt immer größer wurde, trieb mich von einem Raum in den anderen. Ich schaute aus dem Fenster in eine dunkle, verschlafene Straße. Nirgendwo brannte ein Licht hinter den fremden Fenstern. Die Zeit verging langsam. Ich ging wieder in mein Bett, versuchte mich zu beruhigen, bekam Bauchschmerzen, lief erneut durch das Haus. Von da an wußte ich, dass es an der Zeit war. Ich legte mich wieder hin, meine Gedanken kreisten um das, was geschehen sollte in dieser Nacht. Meine Bauchschmerzen nahmen zu. Ich zog die Beine an und rollte mich zusammen. Ich bin dann offensichtlich doch eingeschlafen, denn das Klingeln des Telefons weckte mich. Erschreckt und total benommen fand ich den Lichtschalter nicht gleich. Mit Herzklopfen nahm ich das Gespräch an und hörte die gute Nachricht: Ihr hattet ihn geschafft, deinen sehr schweren, langen Weg ins Leben. Nach dem Telefonat löschte ich das Licht und weinte in mein Kopfkissen. Ich war froh und traurig zugleich, es ging euch gut, aber ich konnte euch vorerst nicht in die Arme schließen, ihr wart so weit, weit weg.

Das Jahr verging so schnell. Herzlichen Glückwunsch, liebes Mausekind! Ich freue mich so, dass es Dich gibt. Ich wünsche Dir noch viele schöne Geburtstage in einem hoffentlich langen, glücklichen und erfüllten Leben!

19.08.2012

Fußball

Frau chat noir macht ihren wöchentlichen Besuch. "Na, alter Mann, hast Du auch gestern abend Fußball geschaut?"

Dumme Frage meinerseits. Ausnahmsweise fiel der Besuch auf einen Mittwoch, und ich hatte nebenbei im Vorbeigehen irgendwo gelesen, dass Deutschland spielt. Er konnte das Spiel am Nachmittag noch gar nicht gesehen haben, weil es erst am Abend stattfinden würde. Aber das hatte ich nicht auf dem Schirm.

"Ja, ja, habe ich, und die haben 5:1 gewonnen. Stell Dir vor. Und immer schön über die Flanke gespielt, wenn es auf nichts ankommt, dann können sie das!" "Ui, 5:1? Dann muss es ja ein tolles Spiel gewesen sein!"

Er futtert Eierlikörtorte. Nach ein paar Bissen nimmt er die Unterhaltung wieder auf.

"Mal sehen. ob sie die Goldmedaille bekommen!"

Irritiert schaue ich aus meinem Eisbecher auf.

"Goldmedaille? Ich glaube, Deutschland hat gar nicht bei der Olympiade im Fußball mitgemacht? Und überhaupt, die Olympiade ist doch seit Sonntag zu Ende?"

Er nimmt einen großen Schluck Cappuchino, kratzt mit dem Löffel in der Tasse herum und schaut mich dann mitleidig an.

"Zu Ende! Da verwechselst Du aber was. Da war doch noch Fußball!"

O.k., ich sage danach nichts mehr und wechsle das Thema. Später auf seinem Zimmer schaue ich ins Programmheft. Und ich sehe, dass am Tag zuvor die U 21 gespielt hat. Die Olympiade war sehr wohl schon zu Ende. Und mit meinem Erkenntnisstand von heute hätte er sich an dem Abend nicht vors Fernsehen setzen müssen, von wegen Flanke. Rote Karte, Eigentor und Langeweile. Damit hätte es auch keine Medaille gegeben, wenn sie denn dabei gewesen wären.

10.08.2012

Hören Sie Brahms?

Frau chat noir war gestern beim alten Mann. Donnerstag - Sie wissen schon. Plötzlich strahlt er mich über seinen Kuchen an: "Weißt Du was passiert ist?" Nein, weiß ich nicht. "Ich habe Klavier gespielt!" Klavier. Aha. Ich surfe schnell in den Ordnern meines Gehirns herum, klicke einen nach dem anderen auf - aber finde den alten Mann nirgends klavierspielend abgespeichert. "Und wo hast du Klavier gespielt?" Im Altersheim NATÜRLICH! Unten in dem Raum, in dem jede Woche getanzt wird. Mit Susi (also im Therapieraum) im Sitzen im Rollstuhl mit Papptellern nach Schlagern aus den 40igern. "Habe ich dir doch gesagt!!!" Also dort steht das Klavier. Und bei einer der letzten Tanzvormittage habe er erzählt, dass er schon früher Klavier gespielt hat, Brahms und so. Das sei allerdings etwa 80 Jahre her (kein Wunder, dass die Ordner in dieser Hinsicht leer sind in meiner Denkmaschine, ich höre es zum ersten Mal). In meinem Kopf macht sich ein leichtes Klopfen im hinteren rechten Bereich bemerkbar, allerdings noch ganz leise. Und Susi habe ihn an das Klavier geschoben und um eine Kostprobe seines Könnens gebeten. "Und was hast Du gespielt?" Erst habe er die großen Tasten gedrückt, so bombombom, ganz tiefe Töne, und dann die schwarzen kleinen Tasten, die gingen pingpingping, das alles gut gemischt und zum Schluss die Hand über die Tasten gezogen, so drrrringsdrrrringsplingpingbombom (also doch kein Klavierunterricht als Kind. An Geige kann ich mich erinnern). Das Klopfen in meinem Kopf wird ein wenig lauter. "Und die haben es alle für Brahms gehalten, stell dir vor! Sie haben sogar applaudiert!" Genüßlich kaut er auf seiner Marzipantorte herum und grinst. In meinem Gesicht zuckt ein Nerv unkontrolliert. "Und das nächste Mal will Susi dazu singen!". Ich glaube, ich will gar nicht wissen, was er dort sonst noch erzählt. Aber Sorgen muss ich mir noch keine machen, oder?

06.08.2012

Zweierlei Maß

Frau chat noir ärgert sich. Weil der Mann der falschen Partei angehört, darf die Frau, die ihn liebt, nicht bei der Polizei arbeiten. Sie darf auch nur so lange für Deutschland rudern, bis sicher ist, dass keine Medaille mehr zu erwarten ist, dann kann sie nach Hause fahren. Und mit der Bundeswehr, zu der sie möchte, wird es deswegen auch nichts, wetten? Wäre der Liebste z.B. ein Sozialdemokrat, würde niemand nach ihrer Einstellung fragen. Aber so? Sie MUSS in sich rechtsradikales Gedankengut tragen, weil sie mit dem Mann liiert ist.

Übrigens, der Olympische Fackellauf, der zur Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele gehört, wird seit 1936 ausgeführt. Auf Anweisung eines gewissen Herrn Goebbels wurde er erstmals zu den Sommerspielen in Berlin veranstaltet. Aber das ist scheinbar ok so und offenbar unkritisch für die Welt. Kritisch dagegen ist eine junge verliebte Frau in einem Ruderboot. Vielleicht werde ich das irgendwann verstehen. Jetzt ärgere ich mich nur.


05.08.2012

Am und auf dem Wasser

Nachtrag dazu: Es war ein schöner Tag. Man sollte so was öfter machen, noch ist ja ein wenig Sommer...


03.08.2012

Mein Model hatte keine Lust

Das kann man gut an dem genervten Gesichtsausdruck erkennen. Aber er lag so schön vor den bunten Kissen herum, und die Kamera gerade griffbereit daneben, also mußte er da durch. Erst hat er mit drehen versucht, der Linse zu entkommen, und kurz darauf ist er gegangen. Kater = männlich ;-).
Dabei ist es so hübsch, das alte Mörchen - immerhin schon 15 Jahre alt.

Danke, Nakura, für den Tipp. Hat super geklappt!!!

02.08.2012

Wer weiß es?

Frau chat noir fragt sich, ob es eine international anerkannte wissenschaftliche Studie über das gestörte Verhältnis von Männern zu Toilettendeckeln gibt? Warum kann man das Ding nicht wieder zuklappen? Muß frau nicht verstehen, oder?