27.11.2012

Geheimbund, Nervenstärke und Freude

Wenn man hier gerne dabei sein würde, aber einem jedesmal dieses Bild


gezeigt wird, wenn man eine E-Mail schreiben möchte, dann ist der Wurm drin. Und darum versucht man gar nicht erst, zum Geheimbund dazuzugehören. Geht ja auch ohne...

Ansonsten wird meine Zeit gerade Schwiegermuttertechnisch in Anspruch genommen. Sie ist für einige Tage in der 100m²-Welt zu Besuch, findet sich in dieser aber gar nicht zurecht. Der alte Mann verlangt nach Einkäufen für ihn, das "Weihnachtsraus" hockt mir im Nacken, morgen habe ich einen Arzttermin, übermorgen muss Schwiegermama zum Friseur und nachmittags ist der übliche Donnerstag beim alten Mann angesagt. Hänge ab jetzt ein Schild an meiner Schlafzimmertür auf:

Bitte nicht stören!!!


Ich stehe einfach nicht mehr auf. Mamie Eisenhower hat von ihrem 50. Lebensjahr an ihren Haushalt aus dem Bett heraus geführt. Scheint also zu gehen.

Aber einen Lichtblick gab es heute morgen im trüben Novemberwetter. Es kam ein Päckchen von meiner Freundin an. Darin viele Überraschungen für den Chef und mich. Darüber haben wir uns sehr gefreut, und das hübsche Tuch riecht sogar nach ihr - wie nennt man die Sehnsucht nach Menschen? Fernweh? Heimweh? Muhgeweh? Danke, meine Liebe, es kam gerade im richtigen Moment! (Der kleine Elefant ist auch schon in mein Schlafzimmer gezogen, von wegen Setzkasten *gg*)

So, ich gehe jetzt mal den Trockner leer räumen und dann eine Anzeige aufgeben. Ich schätze nämlich, dass ohne Personal ein Leben aus dem Bett heraus nicht möglich ist. Manno.

16.11.2012

Elternabend

Das Altersheim, in dem der alte Mann lebt, veranstaltet in unregelmäßigen Abständen Angehörigenabende, von mir scherzhaft "Elternabend" genannt. Die Abende erinnern mich nämlich in Aufbau und Ablauf genau an die Abende in diversen Schulen, die ich dort meinen Kindern zuliebe verbringen musste.

Nun also im Altersheim. Ich hatte den Chef und mich angemeldet, denn man erfährt an den Abenden doch immer mal wieder Neues. Eine Stunde vor Beginn rief der alte Mann im Hause chat noir an. Er teilte mit, dass ich am Donnerstag nicht kommen muss, weil ich kein Auto habe. (Der Chef ist damit unterwegs, ich wäre mit dem Bus gefahren und noch ein ordentliches Stück gelaufen. Ja, Frau V., evtl. hätte ich mir ein Taxi gegönnt :) ). Und weil ich so ein guter Mensch bin, sage ich ihm, dass ich gleich zum Angehörigenabend gehen werde und danach noch einmal bei ihm hereinschaue, damit wir uns in dieser Woche wenigstens kurz sehen. Grober Fehler meinerseits.

Er wurde ganz aufgeregt, er wisse von dem Abend nichts und das hätte im Heim auch nirgendwo gestanden. Er prüfe das jetzt. Zack, aufgelegt. 10 Minuten später rief er wieder an, er hätte sich schlau gemacht und wisse jetzt, worum es gehe. Er wünscht uns eine gute Fahrt, wir würden uns dann sehen, und legte wieder auf. Wir fuhren gleich danach los. Als wir das Heim durch einen Nebeneingang, der näher am Parkplatz liegt, betraten, sahen wir im sonst menschenleeren Flur den alten Mann auf eine Frau zurollern und laut fragen, wo denn der Elternabend stattfinde, im Restaurant und den Clubräumen sei alles dunkel. Die Frau schaute ihn verständnislos an, der alte Mann versuchte ihr zu erklären,dass seine Angehörigen zu dieser Veranstaltung kommen wollten und schon auf dem Weg wären.

Ich ging zu ihm hin und holte ihn zum Fahrstuhl. Er freute sich, uns zu sehen und wollte mit zu der Veranstaltung. Mein Einwand, das wäre nur für Angehörige, tat er mit einer Handbewegung ab. Er sei schließlich auch Angehöriger und wollte bei uns sein. Nun schlagen Sie so eine Bitte mal ohne Krach und Theater ab. Fazit: Wir haben ihn mitgenommen in den Veranstaltungsraum, was uns sehr verwunderte und fragende Blicke von allen Seiten einbrachte. Sehr unangenehme Blicke. Er aber saß in seinem Rollstuhl, trank Apfelsaft und verstand nichts, denn er hatte in der Aufregung sein Hörgerät vergessen. Ab und zu winkte er einer Frau zu, die damit aber nicht umzugehen wusste.

Später brachten wir ihn auf sein Zimmer. Er wollte wissen, wo denn die anderen Leute, die da gesessen hätten, wohnen würden. Auf seiner Station wären sie jedenfalls nicht, die würde er ja alle kennen. Nur die eine Frau, die hätte er schon mal gesehen. Der Chef sagte, dass die alle zu seiner Station gehören. Da wurde der alte Mann böse, ließ den Chef nicht ausreden, fuchtelte ihm mit dem Zeigefinger vor der Nase herum, und es kam wieder das obligatorische, laute "Du lügst!" Er kenne alle Leute auf der Station, und außer ihm wäre nur noch ein Mann hier, und da hätten drei andere Männer gesessen außer uns, und die wohnten nicht auf dieser Station. Wir versuchten es noch einmal, sagten, dass die Leute hier Angehörige wohnen haben und deshalb hier gewesen seien. Er schüttelte den Kopf, das sei falsch. "Noch einmal, alter Mann. Du bist ein Bewohner, wir sind Angehörige. Die Leute heute abend waren auch Angehörige, deren Mütter, Väter, Großeltern, Tanten oder Onkel hier wohnen. Und zwar alle auf dieser Station."

Er sah uns an. "Und dann will ich Dir mal was sagen: Die haben schon wieder meinen Bademantel in den Schrank gehängt, und da komme ich doch nicht dran. Warum machen die das bloß? Die wollen mich bestimmt ärgern!" Ok. Thema "Elternabend" beendet. Unser Besuch auch bald, denn er legte uns nahe zu gehen, der Tag wäre jetzt um. Ach ja, und ich sollte ihm das nächste Mal aus dem Regal im Wohnzimmer seines Hauses ein bestimmtes Buch mitbringen. Ich habe an diesem Abend nicht gesagt, dass sein Haus inzwischen vermietet ist und seine Sachen nicht mehr da sind. Das verdrängt er ohnehin wieder, und vom rumgemeckere hatte ich um diese Uhrzeit genug. Vielleicht ist der nächste Besuch harmonischer. Wenn er will, kann er nämlich auch nett.

15.11.2012

Dr. Dingens

Vor einiger Zeit wurde Frau chat noir von einem hartnäckigen Husten gequält und beschloss, zum Arzt zu gehen. In der Praxis angekommen, fiel ich fast über einen Mann, der im Flur auf dem Boden lag und einen Garderobenständer reparierte, assistiert Schwester, Tupfer! von der Sprechstundenhilfe. Der Mann war schon älter, trug einen beigen Pollunder und eine braune Cordhose. Nachdem ich mein Sprüchlein aufgesagt hatte, bat man mich im Wartezimmer Platz zu nehmen. Ich war die einzige Patientin.

Nach einigen Minuten ging die Tür wieder auf und der Mann im beigen Pollunder bat mich ins Sprechzimmer. Er stellte sich als Dr. Dingens vor, und er sei die Vertretung für Dr. Z. Was er für mich tun könne? Ich erklärte ihm heiser, dass ich schon seit drei Wochen Husten hätte und diesen mit meinen frei verkäuflichen Medikamenten nicht in den Griff bekäme. Er schaute mich lange an. "Sie müssen mit dem Rauchen aufhören!"

Guter Tipp. Dumm nur, dass ich gar nicht rauche....

Er schaute mich wieder lange an und kramte dann aus einer Ecke des übervollen Schreibtischs ein Stethoskop hervor. Aufstehen musste ich nicht, er hatte mir bisher keinen Platz angeboten. Er stellte sich hinter mich und schob das Stethoskop unter meinen Pullover. Ich musste tief atmen. "Sie haben einen Husten, die Bronchien sind zu."

Deswegen bin ich hergekommen, Dr. Dingens....

Er schaute mich noch einmal lange an, fragte nach den Medikamenten, die ich bisher eingenommen hatte, machte sich unlesbare Notizen und zog einen Rezeptblock hervor. "Die Medikamente sind alle apothekenpflichtig und wahrscheinlich nicht stark genug." Er verschrieb mir ein Antibiotikum. "Ich schreibe Sie auch gleich mal krank."

Ich gehe aber gar keiner beruflichen Tätigkeit nach. Steht auf der Karte, Herr Dr. Dingens...

Noch zwei Tage, dann sind die Tabletten verbraucht. Und ich huste immer noch, nur nicht mehr so stark. Vielleicht sollte ich noch einmal hingehen. Aber nur, wenn Dr. Z. da ist. Mit Dr. Dingens will ich nichts mehr zu tun haben.


11.11.2012

Nur nicht wundern

Gestern abend waren Frau chat noir und ihr Chef beim alten Mann. Im heimeigenen Restaurant wurde mal kein Kuchen, sondern Gans geboten. Schließlich musste jahreszeitenbedingt St. Martin ein Tier geopfert und dann geteilt werden. Oder habe ich da was falsch verstanden? Einen Mantel hatte jedenfalls niemand an oder dabei. Und es hat auch niemand eine Laterne herumgetragen und "St. Martin" gesungen. Es ging wohl doch ausschließlich ums Essen.

Das Restaurant war voll besetzt und der alte Mann saß schon am reservierten Tisch, als wir ankamen. Er freute sich sichtlich, uns zu sehen. Das fand ich schön, ging doch der Plan auf, ihm mal etwas anderes zu bieten als Kaffee und Kuchen. Das Essen wurde in Buffettform serviert, und zu den Gänsen gab es  verschiedene Gemüse und diverse Kartoffelvariationen. Alles sehr schön angerichtet und drumherum liebevoll mit herbstlichen Accessiore, Keramikgänsen und Kerzen dekoriert.

Der Chef brachte dem alten Mann einen gefüllten Teller an den Tisch, denn der alte Mann stellt sich ja immer ein bisschen an kommt mit dem Rollstuhl schlecht ans Buffett. Er schaute sich sehr genau an, was auf seinem Teller lag (Gänsebrust mit Rotkohl und Klößen), aß dann aber ohne Kommentar alles auf. Der Nachschlag fiel aus, weil er satt war. Aber er unterhielt sich angeregt mit uns über frühere Zeiten,  genoß den Nachtisch und trank sein Bier. Plötzlich und aus heiterem Himmel stellte er sein Glas heftig ab und wollte sofort vom Chef in sein Zimmer gebracht werden.

Bevor er mit dem Chef nach oben ging, bedankte er sich bei uns für den schönen Abend und für den hervorragenden Fisch. Er hätte wunderbar geschmeckt.

09.11.2012

Vögelei

Vor ein paar Monaten bekam Frau chat noir ein altes Vogelhäuschen geschenkt. Der Chef begutachtete das Teil sehr skeptisch, machte erst abfällige Bemerkungen über die Sinnhaftigkeit des Fütterns von Wildtieren und sich dann doch an die Arbeit und erneuerte das Dach und die Beine der Vogelvilla. Seither steht sie im Außengelände der 100m²-Welt und wartet auf ihren Einsatz.

Der kam vor ein paar Tagen. Frau chat noir rückte mit Vogelfutter, einem zweiten Futterhäuschen zum Hängen, Meisenknödeln, Meisenringen und sonstigem netten Körnerkram für die gefiederten Bewohner des Gartens an. Alles wurde rund um das Häuschen verteilt, aufgefüllt und aufgehängt. Seither erfreuen uns die kleinen Gesellen mit ihrem Besuch. Es wurden Buchfinken, Rotkehlchen, Spatzen, Kohlmeisen, Blaumeisen, Amseln und Drosseln gesichtet. Eine große Vögelei eben. Und das Mörchen sitzt auf einer Kiste hinter der Terrassentür und beguckt das Geflatter und Gehüpfe ganz genau. Ab und zu gibt er ein aufgeregtes "Hakhakhakhakhak" von sich.

Heute geschah etwas noch aufregenderes. Ein Wirbelsturm in Form einer mopsigen fremden Katze namens Mademoiselle K. aus der unmittelbaren Nachbarschaft fegte durch unseren Garten und versuchte elfengleich in das Vogelhäuschen zu springen. Dieses hielt die plötzliche Attacke nicht aus und kippte um. Erschrocken flüchtete die fremde Katze über den Zauzn vom Grundstück und die eigene Katze von der Kiste unter das Sofa. Zack. Tontotalausfall draußen, kein Gepiepse, Gesinge und Geträller mehr, nichts bewegte sich.

Ich ging in das Außengelände und richtete die Vogelvilla wieder auf. Natürlich lag das Futter jetzt  unter dem Häuschen und kann nur noch direkt aufgepickt werden. Das werden dann später die Elstern erledigen, die zum Glück für die Ausmaße des Häuschens zu groß und auf die Reste angewiesen sind. Für alle anderen Vögel sollte die Villa wieder befüllt werden. Ein kratzendes Geräusch aus dem im Baum hängenden Futterhäuschen hielt mich davon ab. Vorsichtig nahm ich das Häuschen aus dem Baum und stellte es auf einem Hackklotz. Durch das Glasfenster konnte ich eine kleine Blaumeise erkennen, die verzweifelt versuchte, sich aus ihrem selbstgewählten Gefängnis zu befreien. Nachdem ich das Dach und die Scheibe entfernt hatte, flog sie aufgeregt in den nächsten Baum.

Dort wartete sie gemeinsam mit den anderen Kumpanen, dass der Futterbetrieb wieder aufgenommen werden konnte. Als ich mich später zu Kater ans Fenster gesellte, war der Drive-In schon wieder gut besucht. Mal sehen, wann es Mademoiselle K. wieder versucht...

02.11.2012

Nutze den Tag

Ich sitze am Besuchertisch und höre zum x-ten Mal den Grundgedanken der Pflegeeinrichtung. Die Leiterin spult ihn immer dann ab, wenn sie nicht weiter weiß. "So viel Selbstständigkeit wie möglich bei so viel Betreuung und Pflege wie nötig." Ommm. Sogar meine Gesprächstaktik, erst loben und dann meckern, prallt an ihr ab. "Kommunikation und gemeinschaftliches Erleben stehen im Vordergrund." Ommm.

- Sie sollte sich mal die Kindergartenprobleme ihrer Bewohner live anhören, wenn es um die morgendliche Brötchenzuteilung oder die abendlichen Wurstrationen geht, oder um 6 Bananen, aber acht Menschen am Tisch, die alle auf ihr Dessert bestehen.

- Es ist ihr nicht bekannt, dass nicht alle Mietfahrzeuge in die Innenstadt fahren dürfen. Sie müssen am Rand der Fußgängerzone halten und sind deshalb preiswerter. Das ist nicht tragisch, wenn man gut zu Fuß ist. Sitzt man im Rollstuhl und kann diesen nicht allein bewegen, muss man in ein anderes Taxi umsteigen. Und das muss man erst mal finden. Arztbesuch mit Hindernissen, die vermeidbar wären, wenn man von vornherein ein "richtiges" Taxi rufen würde. Notizgekrackel auf einem Zettel.

- Es ist ihr nicht bekannt, dass es einen privaten Krankentransport in der Stadt gibt, der teurer ist als die herkömmlichen Institutionen. Das heißt für die alten Menschen, dass sie auf 27,00€ pro Fahrt sitzen bleiben, die die Krankenkasse nicht erstattet. Auch das wäre vermeidbar, wenn man gleich die bei der Krankenkasse zugelassenen "Transportunternehmen" anrufen würde. Notizgekrackel auf dem Zettel.

- Haarspray ist nur was für Frauen, und da macht es nichts, wenn es im hauseigenen Friseursalon etwas teurer ist (17,00€ die Flasche, ich regte mich schon an anderer Stelle hier im Blog auf). Man kann ja zum Discounter nebenan gehen, da ist es viel preiswerter. Und wenn man das nicht kann, findet sich bestimmt jemand, der für einen geht. Handlungsbedarf gegenüber dem Friseur besteht hier nicht.

-  Die Bewohner können täglich zwischen zwei Mittagessen wählen. Dazu gibt die Küche einen Monatsplan heraus, der bis zum 25. des Vormonats dort abgegeben werden muss. Nach meinem Verständnis bringt es nicht viel, wenn der Plan erst am 30. in der Station verteilt wird. Und - welche Überraschung - die Frau Leiterin weiß nichts von den Monatsplänen. Sie druckte mir den aktuellen Wochenplan aus und war der Meinung, dass dieser die tägliche Grundlage des Wahlmenüs sei. Großküchen kochen ja immer auf blauen Dunst hin. Notizgekrackel auf dem Zettel.

- Es ist im Hause üblich, dass Laborproben zur Untersuchung auf Kosten der Bewohner mit dem Fahrradkurier befördert werden. Warum sollte man damit auch die Angehörigen oder gar den Hausarzt belästigen. Das macht zusätzliche Arbeit. Kommunikation nach außen ist offenbar mit den Leitlinien nicht gemeint. Das Ommm wird irgendwie immer lauter in meinem Kopf.

Die besten Sachen habe ich mir bis zum Schluß aufgehoben.

- Der alte Mann wird jedes Jahr von der Krankenkasse auf Antrag und Zahlung eines Einmalbetrages von der Zuzahlung für Medikamente usw. befreit. Auch in diesem Jahr. Und ich habe brav im Heim gemeldet, dass das so ist, und eine Kopie des Ausweises abgegeben. Was ich nicht wußte ist, dass die Befreiung auch für sogenannte Versorgungspauschalen gilt. Nun werden ihm seit Januar 2012 vom Heim mtl.3.30€ Eigenanteil für die Inkontinenzpauschale vom Konto abgebucht und an die Krankenkasse abgeführt. Bis 31.12.2011 war das nicht so. Leider kann mir das Heim das Geld nicht wieder auszahlen, denn es ist bereits bei der Krankenkasse. Ich soll zur Krankenkasse gehen und die Rückzahlung geltend machen. Wieso ich damit nicht früher gekommen wäre? Ommm. Wieso passiert sowas überhaupt?

- Der alte Mann war fast drei Wochen im Krankenhaus. Dort hat man eine meldepflichtige Erkrankung nach dem Infektionsschutzgesetz festgestellt. Daraufhin schrieb das Gesundheitsamt den alten Mann an, er möge über die mögliche Ursache Auskunft geben. Wenn dieses Schreiben nicht fälschlicher Weise an die alte Adresse des alten Mannes gegangen wäre, hätte ich davon niemals Kenntnis erlangt. Auf meine Frage, warum man mich darüber nicht informiert, wurde ich gefragt, wieso das Gesundheitsamt eine alte Adresse verwendet - was ich nicht weiß ("haben Sie ihn etwa nicht umgemeldet?"). Eigentlich müsse mir das Krankenhaus Bescheid geben oder der Hausarzt, nicht das Heim. Ommm Ähhh - nein.  Die Arztberichte des Krankenhauses gehen an den Hausarzt, und der setzt sich mit der Pflegeleitung des Heimes in Verbindung und fordert z.B. eine Stuhlprobe an (s. Fahrradkurier, machte plötzlich Sinn als der Brief vom Gesundheitsamt kam). Es wäre aber wieder ausgeheilt und ich müsse mir keine Sorgen machen und könne den Brief des Gesundheitsamtes wegwerfen.

Ja, ich weiß, dass der alte Mann nicht immer nett ist. Ja, ich weiß, dass er junge Frauen anbaggert (offenbar nicht nur Junge). Ja, ich weiß, dass er ab und zu die Pfleger aus seinem Zimmer wirft. Ja, ich weiß, dass er Samstags geduscht werden will. Noch einmal zur Infektion: Hat er vielleicht eine infizierte Katze gegessen? Ratloser Blick meines Gegenübers.

Vielen Dank für den Besuch. Vielen Dank für das nette Gespräch. Und immer daran denken: "So viel Selbständigkeit wie möglich bei so viel Betreuung und Pflege wie nötig." Ommm