31.12.2012

Der letzte Tag im Monat

11 Monate lang schert sich kein Mensch um den letzten Tag im Monat. Höchstens wird er freudig erwartet, weil es am nächsten Tag wieder neues Geld gibt. Nur im Dezember werden die Mitmenschen etwas sentimental und schauen weiter nach vorn. Dort gibt es nämlich nicht nur neue Kohle, sondern gleich ein ganz neues Jahr zu sehen. Und manchmal schauen sie sich über die Schulter, um noch einen Blick auf das Alte zu erhaschen. Macht am Ende eines stinknormalen Monats auch kaum ein Mensch. Und wer nicht für sich selbst schwerwiegende Veränderungen - gewollt oder ungewollt - zu bewältigen hatte oder bewältigen wird, dem kann der Rest egal sein. Es wird nämlich so laufen wie immer. Die selbst eingetretenen Pfade werden weiter benutzt, um die Wege des Lebens zu gehen. Letztendlich dreht sich alles um den eigenen Mikrokosmos im großen Ganzen. Und machen wir uns doch nichts vor: Die guten Vorsätze beruhigen in der Regel nur für 2 Tage das eigene schlechte Gewissen. Darum gibt es bei Frau chat noir nur einen kurzen,  wohlwollenden Blick zurück, keine Vorsätze - weder gute noch schlechte - für das neue Jahr, sondern nur Pläne und den Wunsch, sich zu bedanken. Und zwar bei dem, der die Hand über uns alle hält und dafür gesorgt hat, dass alles gut gegangen ist mit mir und meinen Lieben. Ansonsten halte ich es mit Herrn von Goethe:

Das neue Jahr sieht mich freundlich an,
und ich lasse das alte 
mit seinem Sonnenschein und Wolken
ruhig hinter mir.

Ich wünsche allen, die hier vorbeischauen, einen angenehmen Jahreswechsel. Jeder begehe ihn so, wie er es mag. Denen, die Vorsätze für das kommende Jahr gefasst haben, wünsche ich, dass sie gelingen werden. Allen wünsche ich Gesundheit, Zufriedenheit und Glück. Jeder so, wie er es verdient hat es möchte. Liebe Grüße in die Welt von der schwarzen Katze

30.12.2012

Zeit

Der Baum ist bald Geschichte, so wie das Jahr bald Vergangenheit ist. Und bevor die Zeit für den "schönsten Baum, den wir je hatten" (Familieninsider) abläuft, wird er hier für spätere Zeiten konserviert. Weil er so schön ist. Findet Frau chat noir.


Mal sehen, wie lange er noch in meinem Wohnzimmer Asyl gewährt bekommt. Es scheint ihm aber nicht besonders bei uns zu gefallen, denn er nadelt bereits leise vor sich hin.

24.12.2012

Frohe Weihnachten!

Hallo, Ihr da draußen!
Frau chat noir wünscht allen gelungene Festtage ohne Streit, Bauchweh, Ärger und schlechte Laune. Auf das alle Geschenke den Wünschen entsprechen, das Essen schmeckt und alles so verläuft, wie jeder es sich wünscht. Gehabt Euch wohl, bis demnächst,
die schwarze Katze

22.12.2012

Fliegende Torten

Frau chat noir liest. Und zwar mehrmals täglich ihre Blogroll rauf und runter. Dazu gehört auch der Blog vom Capt'n. Und als dieser der Welt seine Gedanken über Tortenbilder und einer damit verbundenen Verlosung mitteilte, sandte ich ihm wie gefordert eine E-Mail mit meiner Adresse (keine Chance - er ist ein Gentleman und behält meinen Klarnamen für sich *g) und bat den großen Kürbis um Mithilfe. Denn wenn der für den Capt'n so manches regelt, macht er das vielleicht auch für mich. Nun, was soll ich sagen, mein Wunsch, den ich gleichzeitig ans Universum schickte, wurde erfüllt. Ich weiß aber nicht genau, von wem. Also ob von Capt'ns großen Kürbis oder meinem Universum. Oder mehr vom Kugelschreiber, der bei der analogen Ziehung der Lose zum Einsatz kam. Egal - ich habe mich sehr gefreut und bedanke mich bei Castagiro ganz herzlich!


Zuerst kam das Päckchen, in dem die Holzkiste lag. In der Holzkiste befindet sich die Torte, die nicht nur nach Weihnachten aussieht, sondern auch so duftet. Und die auch dann erst gegessen wird.

Die Spielregel besagt, dass ich nun etwas zurück schicken muss. Ich weiß auch schon was, aber darüber bewahre ich Stillschweigen. Soll der Empfänger entscheiden, ob er etwas dazu sagt. Ich denke jedoch, auch dann wird er ein Gentleman sein *gg

Klöng, Klöckschen, Klöngelöngelöng

Weihnachtsfeier im Altersheim Seniorenpark. Weil besuchsbedingt ein Kleinkind bei den chat noirs weilt, dieses einen langen, tiefen Mittagsschlaf hielt und dadurch unsere Zeit-Raum-Berechnung platzte, kamen wir 20 Minuten zu spät dort an. Der Flur vor dem Restaurant rappelvoll mit Rollatoren, das Restaurant selbst rappelvoll mit Menschen, auf Stühlen oder Rollstühlen an langen Tischen sitzend. Laute Weihnachtsmucke läßt die Stimmen während der Gespräche noch lauter werden, Hörgeräte beginnen zu piepsen. Am Ende der Fensterreihe an einem Tisch für fünf Personen sitzt der alte Mann mit Weihnachtsmannmütze, auf der "Nice" steht, in seinem Rollstuhl und noch zwei weiteren Bewohnern zusammen und wartet auf uns. Wir begrüßen ihn, aber er raunzt uns sofort an: "Ich warte hier schon seit 13.30 Uhr, um den Tisch frei zu halten, aber die setzen hier immer noch Leute ran, sagen, man kann nicht reservieren, und nun können wir nicht zusammen sitzen. Wir sind ja auch ÜBERHAUPT nicht angemeldet!!!"

10 Minuten später sitzt die angemeldete Familie chat noir an einem anderen Tisch, der für uns reserviert war, es stand sogar ein Kinderstühlchen daran. Der olle Muffelkopp thront am Kopfende mit dem Rücken zum Saal und rührt mit beleidigtem Gesicht mit seinem Finger im Plätzchenteller. Dabei wird er von seinem Urenkel fasziniert beobachtet. Die Kekse seien alle nur für den hohlen Zahn, der Kaffee zu kalt und die alten Menschen viel zu laut. Während seines Monologs kommt Bewegung in die Veranstaltung.

Tusch. Zwei Pflegerinnen, ebenfalls mit Weihnachtsmannmützen geschmückt, die eine hat sogar weiße Wollzöpfe an ihrem Exemplar, begrüßen mit dem zunächst nur vor sich hinpfeifenden Mikro die Gäste. Alle Hörgeräteträger fassen sich ans Ohr und fummeln daran herum, aber das Pfeifen kommt aus der Anlage. Endlich ist alles richtig eingestellt und es kann losgehen. Die Damen lesen eine weihnachtliche Geschichte vor, die furchtbar lang ist und von deren Inhalt ich nichts mehr weiß. Das lag daran, dass sich die Damen abwechselten, aber die eine wie eine Schülerin der 4. Klasse las vor sich hin stotterte. Während ihres nervtötenden Vortrags wird der Geräuschpegel um sie herum immer lauter und die Besserwisser mit den "Schschschsch"-Geräuschen treten in Aktion.

Pause. Es gibt Kinderpunsch für die alten Leute und Glühwein für die Angehörigen.Verdrehte Welt, irgendwie... Der alte Mann rührt weiter im Plätzchenteller, der kleine Mann mümmelt mitgebrachtes Obst und Käsewürfel. Er bietet dem Urgroßvater einen davon zum Tausch an, der versteht es nicht und isst den Würfel ohne Gegenleistung. Böser Blick aus Kinderaugen und kein neues Angebot mehr. Selber Schuld, der Käse wird allein verzehrt. Weihnachtliche Dudelmusik zwangsbeschallt die Festgesellschaft. Der alte Mann regt sich über seine Mitbewohner auf, die mit ihrem Messer Löcher in die Butter stechen, Honig mit dem Teelöffel herauspieken und seine Salami aufessen. Er beklagt, dass eine Bewohnerin immer dann ihren schmerzenden Arm zeigen muss, wenn er allein mit der Physiotherapeutin in der Küche Kaffee trinkt. Und überhaupt reden sie nicht mehr mit ihm und er will in die erste Etage umziehen. Die hatten gestern Weihnachtsfeier, da waren Bläser* für die reichen aus der ersten Etage, aber für den Pöbel in der zweiten Etage gibt es so was nicht.

Tusch. Es werden Liedzettel verteilt, die gesamte Pflegerschaft bewaffnet sich mit Blockflöten, Triangeln und sonstigem Orff'schen Instrumentarium und es beginnt die Liveshow. Löblich wäre es, wenn alle gleichzeitig begännen, aber das klappt bei keinem der Lieder. Brav werden alle Strophen abgesungen. O Tannenbaum, Leise rieselt der Schnee, Es ist ein Ros (warum singen die meisten Menschen immer "Roß"?) entsprungen usw. usw. Der Knaller ist das Lieblingslied des alten Mannes, dass er hingebungsvoll schmettert: "Klöng, Klöckschen, Klöngelöngelöng, klöng, Klöckschen, klöng!" Leider konnte ich nicht mitsingen, weil sich mein ostbengalischer Würfelhusten wieder breit gemacht hat und ich sowas von heiser bin... Mutter und Kind haben den Raum bereits verlassen und vergnügen sich nebenan mit bewegungstherapeutischen Luftballons. Die Wurzeln für den Musikgeschmack eines Menschen kann man nicht früh genug legen. Darum rocken Oma und Enkel zu Hause nach den Stones oder Herrn Maffey, hier aber wird das zarte Musikpflänzchen in dem Kind mit Füßen getreten.... Ende der musikalischen Einlage.

Pause. In der ersten Etage ist das Essen wärmer und besser, weil die Leute da die Vornehmen sind und gut behandelt werden müssen. Und ob ich denn die eine Wärterin da sehen würde? Die hätte er neulich auf dem Flur mit einer Bewohnerin erwischt. Sie hätte die Frau immerzu gestreichelt. Die ist bestimmt lesbisch, und zu ihm muss die nicht mehr kommen. Warum er kein Geld mehr von mir bekäme, seine Rente wäre doch sehr gut? Meine Erklärungen prallen völlig an ihm ab, er will gar nicht wissen, dass seine gute Rente nicht ausreicht und wie wir es ohne staatliche Hilfen schaffen, ihn dort wohnen zu lassen. Ihn interessiert nur, warum er nicht mehr Geld zur Verfügung hat. Me, Myself and I, die drei sind hier im Raum die wichtigsten Personen überhaupt.

Tusch. Der Weihnachtsmann kommt mit einem Rollwagen herein und verteilt an die Bewohner Geschenke. Er geht von Tisch zu Tisch, überreicht jeweils eine Tüte und wendet sich dem Nächsten zu. Schade, dass der alte Mann nicht gefragt wird, ob er immer brav war ;-) Dafür finde ich das Geschenk für ihn, der im Monat drei Flaschen Haarspray verbraucht, sehr gelungen: Ein Körbchen mit Kamm, Haarbürste und Shampoo. (Das will ich nicht. Ich nehme immer nur G.uh.l für weißes Haar!). Nach dem Weihnachtsmann folgt noch einmal ein Gedicht und eine Geschichte, diesmal von anderen dienstbaren Geistern vorgetragen. Derweil werden schon mal Teller, Tassen und Kannen abgeräumt und die Keksteller liebevoll ineinander geschüttet. Neuer Grund zum Fingerrühren.

Schluß. Das Restaurant leert sich überraschend schnell. Wir fahren noch mit dem alten Mann in die 2. Etage und bringen ihn in sein Zimmer. Das sei ja mal wieder eine blöde Veranstaltung gewesen. Warum er sich das immer wieder antut, weiß er auch nicht. Schon die Weinprobe neulich war Mist. Und mit der einen Oberwärterin hat er sich wegen des Essens gestritten. Die wollte ihm was geben, was er nicht bestellt hatte. Überhaupt wäre das Essen so schlecht, der Kartoffelsalat immer heiß (!), die Pfannkuchen hart und das Gyros aus der Pfanne. Nur die in der ersten Etage.....

Das Kind gab zur rechten Zeit kund, dass es jetzt nach Hause wolle. Verabschiedung, ("ach ja, warum hast Du uns kein Deospray mitgebracht? Und wir brauchen dringend Zahncreme und Schmerzgel. Das musst Du noch in dieser Woche vorbeibringen, bis Montag kommen wir damit nicht mehr hin!!") Ende des besinnlichen und ruhigen Nachmittags mit dezenter Musik und Geschichten für alte Menschen.

* Der Posaunenchor, den er in Erinnerung hat, gab am dritten Advent während des Weihnachtsmarktes ein Konzert. Er trat danach zu keiner Weihnachtsfeier des Altenheimes auf.

17.12.2012

Weihnachtsmarkt im Seniorenheim

Einer von drei Märkten im Jahr, die für die Bewohner und deren Angehörige veranstaltet werden. Die Bewohner basteln und werkeln ab Juli für die Verkaufsstände, und die Angehörigen können Stände mit Eigenkreationen aufbauen. Frau chat noir und der Chef hatten alle Hände voll zu tun, den alten Mann drei Stunden lang davon abzuhalten, vor dem familieneigenen Stand im Rollstuhl zu stehen und zu quatschen. Man konnte ihn nur mit frischen Waffeln, Glühwein sowie Kaffee und Kuchen und später mit Bratwürstchen davon abhalten. Junge, er hat alles durcheinander gegessen und getrunken. Mir wäre davon extrem schlecht geworden, wahrscheinlich fehlen mir da noch gefühlte hundert Jahre Übung. Aber unser Oppa hat gefuttert, was das Zeug hielt und war später von dem Glühwein ein klein wenig angeschickert...

Hier Impressionen vom Tag - ohne den alten Mann.


12.12.2012

Zufallstreffer?

Über guten Geschmack läßt sich nicht streiten. Und mein Geschmack ist ja so was von gut. Ich habe heute zwei Rollen Weihnachtspapier erstanden (nein, ich möchte hier nicht über die Auswirkungen des Weihnachtspapiers auf die Umwelt diskutieren). Eben habe ich sie zu den bereits herausgesuchten Rollen aus dem letzten Jahr gelegt. Und was soll ich sagen? Obwohl nicht im selben Geschäft gekauft haben sie das gleiche Muster wie die Rollen vom Vorjahr. Wenigstens da hat mein Geschmack bestand ;-) Allerdings wird das mit der bunten Vielfalt unter dem Baum nun nichts. Aber irgendwas ist ja immer.

Nur die Ruhe!

Meine eben gemachte Erfahrung sagt mir, dass man nicht in Panik und größte Befürchtungen ausbrechen muss, wenn man nach dem Zähneputzen kleine weiße Krümel im Waschbecken findet. Bei genauerer Betrachtung stellen sie sich nämlich als Katzenstreu heraus. Sowas bleibt schon mal liegen, wenn man vorher den Wassernapf der Katze säubert und neu mit Wasser befüllt. Boah, jetzt bin ich wieder wach!

Live aus dem Badezimmer

10.12.2012

Nachbarschaftliches

Er kommt uns im Dunkeln vor unserer Haustür entgegen.

Wir: "Guten Abend!"
Er:   "Guten Abend!"
Wir: "Na, alles klar?"
Er:   "Jau, und bei Euch?"
Wir: "Geht immer weiter!"
Er:   "So muss es sein!"

Keiner ist stehengeblieben. Alles im Vorbeilaufen. Wenn das mal keine ausführliche Kommunikation ist!

08.12.2012

Männerlogik

Der Chef und ich fahren auf der Autobahn. Rechts und 80, weil Baustelle. Uns überholt viel zu schnell ein Maserati. "Nun guck Dir den an! Hier ist 80!!!" Ich gucke, sehe aber nix mehr. Fünf Minuten schweigen. Immer noch Baustelle, immer noch 80, immer noch rechts. Uns überholt viel zu schnell ein Porsche.  "Die haben zwar so dicke Autos, aber bestimmt so ein kleines Geschlechtsteil (aus Gründen des Jugendschutzes kann ich hier nicht schreiben, was er tatsächlich gesagt hat). Darum geben sie hier so an!!! Hallo, hier ist ACHTZIG!!!!". Der Porschefahrer kann ihn nicht mehr hören, der ist schon ziemlich weit vor uns.

Nein, ich weiß auch nicht, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Ich bin nur eine Frau, diese Logik verwehrt sich mir ganz. Die Fahrer lenken die Wagen doch auch mit den Händen, oder?

07.12.2012

Der alte Mann und die Frauen

Als seine Ehefrau vor 20 Jahren starb, war er 72 Jahre alt und nach ca. drei Monaten wieder auf der Suche. Da war die Phase des Selbstmitleids bis auf einen kleinen, nützlichen Rest abgeklungen.

Er baggerte an, was nicht bei drei auf dem Baum war. Kegelschwestern, Schulfreundinnen seiner verstorbenen Frau, Nachbarinnen, Kassiererinnen im Supermarkt, Verkäuferinnen im Backshop. Zunächst bekamen wir davon nichts mit, wir lebten nicht im selben Ort, und wir sahen uns nur hin- und wieder. Viele Jahre schien er mit seinem Leben gut klar zu kommen, aber immer mehr trat die Suche nach einer Beziehung in den Vordergrund.

Der Chef und ich merkten es daran, dass wir genauestens befragt wurden, wie man einen Führerschein macht und wie hoch die finanzielle Belastung sei. Da war der alte Mann, der nie einen Führerschein besessen hatte, schon weit über 80. Nun hatte er eine Frau kennengelernt, die jemanden mit Auto suchte. Leider hat er sie dann an einen jüngeren Mann verloren, der war 75 und besaß einen Mercedes.

Seine Suche veränderte sich daraufhin. Er wurde älter, und die Damen jünger. Jetzt kam eine Sprechstundenhilfe dazu, die den Fehler begangen hatte, nett zu einem einsamen, alten Mann zu sein, ihn zum Einkaufen in ihrem Wagen mitzunehmen und mit ihm ein wenig ihrer freien Zeit zu verbringen. Er lauerte ihr an der Praxis auf und gestand ihr seine Liebe. Die Frau war Anfang 40 und alleinerziehend, merkwürdiger Weise konnte sie keinen 90jährigen Galan gebrauchen.

Dann war da die Physiotherapeutin. Er machte sich ernsthafte Gedanken über seine Potenz, beobachtete die Praxis tagelang von einem Fenster eines Cafés aus und verfolgte die Frau sogar mit dem Taxi ("Folgen Sie dem schwarzen Wagen dort vorne!"). Sie traf sich mit ihrem Freund an einem See und damit den alten Mann Mitten ins Herz. Daraufhin trat er in den folgenden Tagen so massiv an ihrem Arbeitsplatz auf, dass er Hausverbot bekam und sich eine andere Massagepraxis suchen musste.

Als er ins Altersheim zog, rückten die jungen Pflegerinnen in den Mittelpunkt. Sie mußten blond sein und "schöne Augen" (mindestens ein C-Körbchen) haben. Offensichtlich entsprach eine der Damen besonders seinem Beuteschema, ich wurde von der Pflegedienstleitung anläßlich eines Festes darauf hingewiesen. Den besten Zugang zum alten Mann hat unser Sohn, der wurde zur Klärung des Vorfalls ins Altersheim abkommandiert und redete mit seinem Großvater Klartext ("Alter, ich hatte vielleicht rote Ohren! Was der mir erzählt hat, wollte ich gar nicht wissen. Junge, Junge, hat der eine Fantasie!").

Es wurde ruhiger um den alten Mann und seine Frauen. Wir hatten schon gehofft, jetzt ist es gut. Falsche Einschätzung der Lage.

Zunächst fand ich im Altersheim bei der Suche nach einer Strickjacke im Schrank einen alten Kalender, den ich nicht anfassen durfte und sofort bei ihm abliefern musste. Natürlich schaute ich später nach, was denn so geheimnisvoll an diesem alten Ding ist. Es beinhaltete einen von ihm mit zahlreichen Unterstreichungen und Randbemerkungen versehenen Artikel, in dem über Hausbesuche von Damen des horizontalen Gewerbes berichtet wurde. Vor allem ging es darum, ob man die Kosten dafür bei der Krankenkasse einreichen kann. Daneben klebten gleich ein paar Anzeigen entsprechender Häuser mit markierten Telefonnummern.

Vor drei Monaten traf sich die gesamte Großfamilie zu einem feierlichen Anlass. Das jüngste Mitglied der "Sippe" wurde getauft, und natürlich wurde der alte Mann zu den Feierlichkeiten aus dem Seniorenpark geholt. Er saß neben der Großmutter meiner Schwiegertochter. Frau B. war seit etwa einem Jahr verwitwet und berichtete dem alten Mann davon. "Wie alt bist Du denn? 72? Na, da kann man doch noch mal heiraten! Ich suche gerade eine Frau!" Frau B. fand das und die Erzählungen über seine Damenbekanntschaften im Altersheim nicht so lustig und wechselte den Platz.

Gestern wurde ich im Seniorenpark von zwei Damen angesprochen, die sich bitterlich über den alten Mann beklagten. Sie hatten sich mit ihm eine zeitlang auf ein alkoholfreies Bier im Restaurant getroffen. Eine der beiden war wohl in seine engere Wahl getreten, aber sie gab mir zu verstehen, dass sie ihr Leben "mit so einem" verbracht und kein Interesse mehr an Männern habe. Und der Anderen hatte er während einer Unterhaltung den Mund mit den Worten "Halt doch mal das Maul, du dumme Ziege!" verboten und sich bis dato dafür nicht ENTSCHULDIGT!!!

Ich bin sehr gespannt, was noch alles kommen wird. Zur Zeit sitzt er am Fenster, beobachtet den Parkplatz und notiert sich die Kennzeichen der Fahrzeuge. Wetten, das hat wieder mit einer Frau zu tun?