20.01.2013

Zuschauer im Film des eigenen Lebens

Vor einigen Tagen waren der Chef und ich in dessen Heimatdorf zu einem 80. Geburtstag eingeladen. Der Jubilar empfing seine Gäste gleich am Eingang des Festsaals, um Gratulationen und Geschenke (er hatte sich Geld für einen Wellness-Urlaub (!) gewünscht) in Empfang zu nehmen. Anschließend wurde man von ihm "platziert". Wir saßen natürlich beim Rest der Sippe eigenen Familie und waren sofort mittendrin in den Gesprächen. Ich saß neben meiner Schwägerin und wir tuschelten uns unsere Meinung über die anderen Gäste - vor allem über die Familie der Freundin des Geburtstagskindes - ins Ohr, ein sehr ergiebiges Material! Gestört wurden wir von der Frage nach unseren Getränkewünschen (Kaffe oder Tee?) und der Ankündigung, dass das Kuchenbuffet eröffnet sei, und wir versorgten uns mit Selbstgebackenem. Für Kuchenfreaks ist der dörfliche Wettkampf um die leckersten Torten ein himmlischer Genuss!

Die winterliche Jahreszeit sorgte dafür, dass ab 15.00 Uhr die Neonröhren im noch spärlich besetzten Saal eingeschaltet werden mussten und die Menschen etwas bleich aussahen (Notiz an mich: Das nächste Mal make up benutzen!). Die Herren waren schon bei den Hopfensäften angekommen, den Damen ging das Gesprächsthema aus, der Kuchen wurde (leider) abgeräumt, Kaffee war "aus". Die Damen lauschten den Gesprächen der Herren über Autos und Fussball und begannen dann eine Unterhaltung übers Kochen und Handarbeiten (zum Glück waren sie noch nicht in dem Alter, sich ausgiebig über ihre Krankheiten zu unterhalten...), für mich nicht unbedingt die Spitzengesprächsthemen (niemand außer mir hat eine Katze...). Die Zeit tröpfelte so dahin. Kurz bevor es langweilig wurde, ging mit Schwung die Saaltür auf und es erschienen Männer und Frauen in Uniformen, vorweg eine Fahne schwenkend.

Die "Festsau" ist schon viele Jahrzehnte in der örtlichen Feuerwehr (kein Wunder, wenn man 80 wird), früher als aktiver Feuerwehrmann, heute als zahlendes Mitglied. Und nun bauten sich links von der Tür der Musikzug und rechts der Ehrenzug auf, der aus ca. 20 Menschen bestand. Viele Gesichter kamen mir bekannt vor, schließlich ist der Chef in diesem Dorf aufgewachsen und wir waren immer wieder hier, auch, als wir nicht in der Nähe wohnten. Der Ortsbrandmeister ließ seine Mannschaft lautstark mit dreimal "Gut Wehr" gratulieren und trug seine folgende Rede etwas leise vor, was den vielen älteren Gästen weiter hinten im Saal ein lautes "Wat hatter secht?" in die Gegend rufen ließ.

Anschließend kam der Musikzug laut und lange zum Einsatz. Und plötzlich war es wieder da, dieses seltsame Gefühl. Ich saß zwischen meiner Familie und dem Chef und den Nachbarn und sah mir selbst zu. So, als sähe ich mir einen Film an und wäre gar nicht wirklich dabei. Es war, als würde ich auf eine Leinwand starren und mir einen Dokumentarfilm über das dörfliche Leben in Deutschland anschauen. Mit dem Ende des musikalischen Vortrages verschwand dieses Gefühl wieder und ich kehrte zurück in meine Wirklichkeit. Die Feuerwehr zog mit gespendeten Bierkisten und lärmender Unterhaltung von dannen.

Weil das Geburtstagskind auch schon viele Jahre Schütze ist, kam gleich darauf von diesem Verein eine uniformierte Abordnung, die vor dem Gebäude drei Schuss Salut knallte schoss. Dazu wurde die Festgesellschaft nach draußen gebeten. Nach diesem Spektakel musste sich die Familie umsetzen, um einen Tisch für die Schützen frei zu machen. Die Feier wurde mit einem warmen Abendessen fortgeführt, das ein ortsansässiges Cateringunternehmen lieferte. Auf dem ehemaligen Kuchentisch wurden Unmengen von Fleisch (Kassler und Rinderbraten), Kartoffeln (gekocht und als "Grateng"), Gemüse (Leipziger Allerlei) und Soße (leicht versalzen, eine für alles) sowie zum Nachtisch grüner Wackelpudding und Vanillepudding mit Sahne angerichtet und los gings! Junge, junge, die meisten Gäste müssen mindestens zwei Stunden zuvor nichts mehr zu essen bekommen haben, so schnell wurde das Buffet gestürmt... aber das Essen wurde nicht wirklich weniger. Es war so viel, dass der Gastgeber mit seiner Familie bestimmt noch drei Tage von den Resten leben konnte.

Zum Ende der Veranstaltung blieben die üblichen Verdächtigen (Familie und Nachbarn) sitzen, sahen zu, wie sich der Saal nach und nach leerte und kamen endlich so richtig in Fahrt. Kein Wunder, stand doch die Flasche Köm (Schnaps) der Einfachheit halber gleich auf dem Tisch. Als die zweite Flasche geöffnet wurde, war das für den Chef und mich das Zeichen zum Aufbruch. Es hatte den ganzen Tag über geschneit, und wir zuckelten langsam durch die nächtliche Zauberwelt nach Hause. Ein Tag im Film meines Lebens war zu Ende.

19.01.2013

Fundstück


Diesen armen beinamputierten Vogel fand ich heute unterm Sofa. (Die Füße hatte ich bereits beim Abschmücken im Weihnachtsbaum gefunden und mich gewundert.) Nun stellen sich zwei Fragen: a) Wie kommt er dahin und b) wer hat ihn oben aus dem Baum geholt? Die eindringliche Befragung des Verdächtigen, der auf frischer Tat bei der Sicherung der Beute ertappt wurde, weil er vor dem Sofa lag und mit langer Pfote versuchte, dass tote Weihnachtstier darunter herauszufischen, ergab trotz intensiver Nachfrage meinerseits lediglich ein unverständliches "Miiauuu". Die Wahrheit wird wohl nie ans Licht kommen. Der silberne Torso schaut nun spielerisch aus einem Blumengesteck hervor. Die kleine schwarzweiße Nase hat ihn schon gefunden. Ich bin gespannt, wohin er den Silberling das nächste Mal verschleppt.

03.01.2013

Nachbarschaftliche Nachlese

Als der Chef vor den Adventstagen an unserem Gartenhäuschen eine Eiszapfen-Lichterkette befestigte, wurde er über den Zaun von der Nachbarin angesprochen. Sie war der Ansicht, dass man für solchen Schnickschnack weder Geld ausgeben noch den Strom verbrauchen sollte. Die Umwelt leide unter dem hohen Stromverbrauch, weil so viele Menschen unnötiger Weise im eigenen Garten / Haus Innenstadtatmosphäre verbreiten müssten. Nun ist die von uns neu erworbene Kette mit LED-Lämpchen ausgestattet und leuchtet lediglich vier Stunden am Tag. Ich denke, wir brauchen uns keine Sorgen um die der Emmission entströmenden Immission machen - sie wird gegen Null sein.

So schaut sie aus, unsere weihnachtlich geschmückte Hütte

Besuchsbedingt begingen wir den Jahreswechsel inhäusig. Und weil wir an einem Berg wohnen und zudem außer Garten und Terrasse auch einen Balkon unser Eigen nennen können, zogen wir kurz vor Mitternacht kurzentschlossen samt Sekt auf diesen um. Der Blick über das Tal inkl. Feuerwerk in den einzelnen Dörfern war traumhaft. Wir selbst haben keinerlei Schwarzpulver in welcher Form auch immer verballert. Aber unser Nachbar. Dessen Feuerwerk zog sich nervtötend in die Länge, offensichtlich konnte sich seine umweltbesorgte Frau nicht durchsetzen. Die Immission allerdings war deutlich zu sehen und zu riechen. Und elektrische Kerzen haben sie auch an ihrem Weihnachtsbaum, tztztz. Die Tante soll mir noch mal was von Umwelt erzählen!

02.01.2013

Bereit für den Frühling

Jetzt ist es an der Zeit, die Weihnachtsdeko einzumotten. Sie wird dann gleichzeitig auf Schäden und zukünftige Notwendigkeit untersucht und ggf. ausgesondert. Meiner Meinung nach ist das wie mit Büchern: Man fand sie mal ganz wunderbar, und nach einigen Jahren fragt man sich, was man daran toll fand. Der Mensch entwickelt sich halt weiter. Zum Glück.

Dann wird der Baum abgebaut, und ich weiß nicht so genau, was länger dauert, die Kugeln aufzuhängen oder sie zu verpacken. Sie werden in großen Plastikboxen aufbewahrt und warten dann 11 lange Monate auf dem Schrank in der Abstellkammer auf ihren nächsten Einsatz.

Danach sieht das Wohnzimmer wieder größer aus, und die geputzte Wohnung scheint nach dem Frühling zu rufen. Hier schon mal ein Foto zum Einstimmen:


Ich fürchte nur, dass daraus nichts wird. Es kommt bestimmt vorher noch Schnee, den keiner haben will. Hier ist heute so ein - wie man im Rheinland so schön sagt - "usseliger" Tag. Und weil Frau chat noir morgen einen Arzttermin hat, ist für den alten Mann heute schon Donnerstag. Es gibt also viel zu tun. Ich geh' dann mal und fange an.