31.03.2013

Aha!

Der Chef und ich "lustwandeln" durch ein großes Kaufhaus. Getreu meiner weiblichen Aufgabe weise ich ihn auf dies und das hin, ohne ein wirkliches Interesse seinerseits zu bemerken.
Ich halte ihm ein Objekt meiner Begierde unter die Nase:

"Ich glaube, ich werde mir das jetzt kaufen!".

Keine Reaktion. Er übersieht mich und läuft weiter zielstrebig dem Ausgang zu.

"Hallo?"

Nichts. Ich laufe hinter ihm her.

"Hast du nicht gehört?" Er dreht sich um.

"Was?"

"Ich habe dir etwas zeigen wollen, was ich mir kaufen möchte!"

"Warum tust du es dann nicht?"

"Weil ich dich dazu befragen wollte? Aber du rennst hier rum und nimmst mich gar nicht wahr!!"

"Stimmt. Aber ich liebe dich, auch wenn ich dich nicht wahrnehme!"

In diesem Sinne: Frohe Ostern allen da draußen, auch wenn ich Euch "nur" virtuell wahrnehmen kann!

26.03.2013

Ostermarkt im Altersheim

Punkt 14.00 Uhr waren der Chef und ich dort. Im Restaurant erwartete uns schon der mal wieder sehr grummelige, alte Mann. Wir stellten unsere Taschen mit den Einkäufen ab, alles brav nach seiner Liste besorgt. Wir begrüßten ihn freundlich - keine Reaktion. In dem Moment setzte die vom Heim angagierte Sängerin mit übersteuerten Bässen ein: "Zigeunerjunge, Zigeunerjunge, wo bist Du, wo sind Deine Pferdchen...". Leider war an eine Begrüßung/Unterhaltung nicht mehr zu denken. Wir warteten den künstlerisch wertvollen Beitrag und die Beschwerden der anderen Tische hinsichtlich der Lautstärke ab, wandten uns erst der Kellnerin wegen der Bestellung, und dann dem alten Mann zu. Er müsse uns etwas erzählen, dass würden wir nicht glauben! Er hätte von seinem Taschengeldkonto nur 4 Cent ausgezahlt bekommen! 4 Cent! Und er hätte kein Geld mehr! Nur 2 Cent in der Geldbörse! 2 Cent!

Ich schaue ihn an, und ich frage mich, wo wohl die 40 Euro geblieben sind, die er in der vorangegangenen Woche vom Taschengeldkonto abgehoben hat. Ich frage ihn danach, und werde sofort angefaucht. Er habe kein Geld geholt, er habe nur noch 4 Cent! Aber am Mittwoch hatte er plötzlich 35 Euro in seinem Portemonnaie! Er weiß auch genau, wer ihm das da rein getan hat, aber das sagt er uns nicht! Er will mehr Geld! So geht das nicht weiter! Die Serviererin bringt die Waffeln und den Kuchen, und die singende Tante im Dirndl fängt wieder an. Zwar etwas leiser, aber genauso scheußlich. "Wenn der weiße Flieder, wieder blüht...".

Nach drei Liedern ist wieder eine Pause, und wir können die Unterhaltung fortsetzen, zumal wir mit den Waffeln und dem Kuchen fertig sind. Ich sage dem alten Mann, dass die 35 Euro wahrscheinlich noch über waren vom letzten Mal Geld abheben, und dass er mit seinem monatlichen Taschengeld hinkommen muss. Er will nicht mehr, dass das Taschengeld ans Heim überwiesen wird! Die sagen immer, er hat nichts mehr! Er will, dass der Geldbriefträger kommt! Ich schaue ihn schon wieder sprachlos an und überlege, ob es heute überhaupt noch einen Geldbriefträger gibt, und wenn ja, was das wohl an Gebühren kosten würde? Der Chef ist schneller. Einen Geldbriefträger gäbe es heute nicht mehr, und es mache doch keinen Unterschied, wenn Frau chat noir das Geld am Anfang des Monats bar mitbringt. Nein! Er will ein Girokonto bei der Post und der Briefträger soll das Geld bringen! Tatatata! Tusch! Die Elli singt wieder. Ich stehe auf und gehe an die Stände, um Fotos zu machen.


Währenddessen ist der Gesang wieder beendet, und der alte Mann meckert den Chef an, warum er nicht mehr Geld bekommt und wieso ich weggelaufen sei. Wir hätten doch gemeinsam die Stände anschauen können und die Fotos würden ohnehin nichts, man könne sie noch nicht einmal in ein Album kleben. Der Chef kommt zu mir und bittet mich, einen Auszug vom Taschengeldkonto machen zu lassen. Ich gehe zur Verwaltung und muss dort zum wiederholten Male hören, dass der alte Mann sich nicht gut benimmt und alle bösartig angrummelt. In der Ecke stehen und nicht auf den Schulhof dürfen haben anscheinend nichts gebracht. Böser Junge!  Ich kaufe mir ein gefilztes rosa Schweinchen und ein Armband mit glitzernden Blüten, mache weiter Fotos und gehe dann in aller Seelenruhe zurück zum Tisch.

Ich komme mit dem Auszug zurück und zeige dem alten Mann, dass er am 12.3. vierzig Euro abgehoben hat, und am 21.3. die restlichen 12 Euro. Nun sind noch 34 Cent drauf. DAS STIMMT NICHT! DIE BETRÜGEN IHN! UND ER WILL SEIN SPARBUCH! Ich versuche noch einmal ihm zu erklären, dass mehr als 100 Euro im Monat nur für ihn allein - ohne die zahlreichen wöchentlichen Wünsche - zur Zeit nicht möglich sind. Und dass das Geld auf dem Sparbuch für wichtigere Dinge als Kaffee und Cappuchino aufgehoben werden soll. Was denn wäre, wenn z.B sein Fernseher kaputt ginge? Und ich sage, dass ich nicht jedesmal, wenn ich ihn besuchen komme, mit ihm über Geld diskutieren möchte. Dann brauche ich auch nicht mehr zu kommen. Er fährt im Rollstuhl hoch, funkelt mich böse an, fuchtelt mit seinem Zeigefinger vor meiner Nase herum und schreit: "DAS BRAUCHST DU AUCH NICHT MEHR!":

Ich hole tief Luft. Ich packe meine Sachen zusammen. Ich stehe auf und sage, dass ich dann ja auch sofort gehen kann. Ich bitte meinen Mann, die Einkäufe aufs Zimmer zu bringen, sehe aus den Augenwinkeln, dass der gutmütige Chef dem alten Mann 20 Euro zuschiebt, und gehe zur Theke, um unseren und seinen Verzehr zu bezahlen. Die Kellnerin hat den Schluss mitbekommen und schaut mich traurig an. Sie erzählt mir, dass der alte Mann öfter Besuch von einer blonden Frau bekommt, die er von früher kennt. Beim letzten Besuch dieser Frau bekam die Kellnerin mit, wie der alte Mann erzählte, dass er nie Besuch bekäme und keiner Besorgungen für ihn mache. Er wäre so einsam. Die Kellnerin ist dann später zu der Frau gegangen und hat ihr erzählt, dass die Tochter des alten Mannes wenigstens einmal in der Woche käme und stets seine Wünsche erfülle. Ich bedanke mich bei ihr, nehme die Kellnerin in den Arm und gehe.

Um 15.07 Uhr sitzen der Chef und ich wieder im Auto. Ich weine bitterlich.

Happy Birthday!

Alles Gute zum 16. Geburtstag, lieber Kater!


18.03.2013

Fünfzig!

Herzlich willkommen liebe Anna Pantoffelschnecke - Du bist die Nr. 50 bei den "Followern". Ich freue mich, dass es "schon" so viele Nachbarn aus Kleinbloggersdorf sind, die hier sichtbar mitlesen. Die Unsichtbaren kann man ja nicht zählen... Aber auch die Sichtbaren sind manchmal unsichtbar, sie haben zwar einen "Namen", aber keinen oder keinen für mich zugänglichen Blog. Das finde ich schade, ich wüßte schon gern, wer sich hinter so manchem Avatar verbirgt...

Heute war ich mit Mörchen zum Tierarzt. Er sah nach meiner längeren Abwesenheit gar nicht so gut aus, und er schien Schmerzen zu haben. Leider bekommt er von dem Katzensitter keine Medikamente, nicht weil der Katzensitter nicht mag, sondern weil der Kater nicht will. Und er frißt offenbar zu wenig, wenn ich nicht da bin. Medikamente und eine volle Schale Futter nach der anderen konnte ich "liefern", aber die Schmerzen schienen erheblich zu sein. Und mal wieder hatte ich recht, und mal wieder waren es die Zähne. Nun wurden drei der Übeltäter gezogen, der Zahnstein entfernt und auch gleich die Krallen geschnitten. Er ist ein alter Kater, der sich nicht mehr viel mit seiner Körperpflege und dem Kratzbaum beschäftigt und sich von mir die Krallen nicht schneiden läßt. Das hat zur Folge, dass er an vielen Dingen mit den Pfötchen hängen bleibt, Panik bekommt und die ganze Wolldecke hinter sich herzieht. Nun schlummert er in seinem Lieblingssessel, es scheint ihm besser zu gehen.

Damit habe ich mich übrigens beschäftigt, als ich nicht zu Hause war:

Der kleine Mann weiß genau, wohin die Figur muss. Jawoll!

Dies ist eine kleine Dame. Sie wählt gerade die Farbe ihrer Sommergarderobe aus.
Leider wohnen die Zwerge so weit weg, dass ich sie nicht öfter sehen kann.

Jetzt schaue ich mal nach dem Katertier und dann verschwinde ich in mein Schlafgemach. Gleich haben wir schon Morgen...

15.03.2013

Unglaubliche Geschichten

Frau chat noir ist wieder im heimischen Gefilde angekommen. Und weil sie eine brave Tochter ist, besuchte sie auch gestern (Sie wissen schon - Donnerstag) gleich den alten Mann.

Dieser konnte sich nicht so recht über den Besuch freuen, weil ich min-des-tens sechs Wochen nicht bei ihm war (A.M.: "Wo warste denn die ganze Zeit?"  ch.n.: "Auf den Bahamas. Ich hatte tolles Wetter, tolles Essen und super Sex." Was das Unterbewußtsein so mit einem anstellt und wie er mich angestarrt hat *gg). Wir suchten zunächst die "geklaute" Strickjacke in seinem Schrank, die sich verbotenerweise bei den Jogginghosen aufhielt, sortierten Unterhosen aus, die vom dauernden hochziehen bis unter die Arme voller Löcher am Bündchen waren, kramten die leeren Batterien, die in den "sechs Wochen" angefallen waren, aus den Schubladen und diskutierten mal wieder übers Geld. Er hat wie immer nicht genug, und diese Litanei geht mir langsam aber sicher auf die Schnürsenkel. Ich mag nicht in jeder Woche neu erklären, warum und wieso es ist, wie es ist. Örks.

Also fuhren der Chef und ich ihn zur Ablenkung in das Restaurant zum Kaffee trinken. Dort erzählte er uns fantastische Geschichten von den schönen Kellnerinnen, die hier von ihm zuviel Geld nehmen, ganz schlimm sei die "Alte", - Anm. der Red.: die Frau ist mindestens 10 Jahre jünger als ich - und von seiner ganz sicher abgeschlossenen Zimmertür, die bei seiner Rückkehr vom Essen ebenso weit aufstand wie die Türen des zuvor geschlossenen Kleiderschranks. "Einer" war wieder da. Der muss mit ihm eingezogen, aber unsichtbar sein. Ich konnte ihn bei meinen Besuchen jedenfalls noch nie entdecken.

Um ihn auf andere Gedanken zu bringen, kramte ich einen Stift und einen Zettel hervor und fragte nach seinen Wünschen für das nächste Mal. Jaaa, erst musste er überlegen, aber dann gab es doch einige kleine Wünsche:

- Kabelbinder
- Klebeband
- Küchenrolle
- Schmerztabletten
- Süßstoff
- Schokolade
- Kaffee
- Haarspray
- Zahnbürste
- 1 Flaschenträger
- 1 Sonnenbrille
- 1 Duschtuch.

Ganz wichtig sei die Zahnbürste, diese jetzt hätte er ja schon zwei (!) Jahre (Die letzte habe ich vor vier Monaten mitgebracht...), und nun bekomme er sie nicht mehr richtig sauber.  Ich sah ihn an, richtig sauber? Ja, er nehme seine Haarbürste, und damit mache er die Zahnbürste jeden Tag schön sauber, dann wäre nichts mehr drin von der Zahnpasta! Der Chef und ich sahen uns nur kurz an, dann mußte ich mich dringend nach meiner Serviette bücken, die plötzlich von meinem Schoß gerutscht war...

Zum Abschied sagte ich ihm, dass wir ihn in der nächsten Woche am Freitag besuchen werden, weil an dem Tag Ostermarkt im Seniorenheim ist (war nicht gerade eben Weihnachtsmarkt?). Ich kann nicht sagen, ob er das verstanden hat, wahrscheinlich wird er mich bei der Ankunft wieder fragen, wo wir so lange gewesen sind.

12.03.2013

Nächtliche Begegnung

Wenn sich nachts die Wege von Vater, mit einer Taschenlampe ausgerüstet, und Sohn, mit eigenem Sohn auf dem Arm, im Flur kreuzen, dann ist dass fast wie ein Sechser im Lotto. Aber nur fast.

Live zwischendurch aus dem verschneiten, derzeitigen Aufenthaltsort.

04.03.2013

Walking Cat
Melde mich für ein paar Tage aus dem Funkkreis ab.

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Grafik von Millan.net