30.04.2013

Und wieder ein Balkon

Wie oft in meinem Leben habe ich schon vor dem Fernseher gesessen und auf einen wie auch immer geschmückten Balkon geschaut und darauf gewartet, dass sich die Türen öffnen. Heute also wieder, aber diesmal musste ich unbedingt vor dem TV sitzen, weil "meine Konigin" abgedankt hat. Darum aus gegebenen Anlass:

Liebe Beatrix,

als Du das Amt von Deiner Mutter übernahmst, saß ich auch schon vor dem Fernseher. Du hast damals nicht viel anders ausgesehen als heute, es sind "nur" ein paar Fältchen hinzugekommen. Deine Frisur hat sich in den 33 Jahren Amtszeit niemals geändert und immer perfekt gesessen. Das muss man erst mal hinbekommen!

Kurz nach Deinem Amtsantritt bin ich mit meiner Familie in die Niederlande gezogen. Ich lernte dort nicht nur den "Koniginnentag" und die Bedeutung von "Oranje boven" kennen, sondern war auch erstaunt über die fast unbedingte Treue der Niederländer zu ihrem Königshaus. In den Jahren unseres Aufenthaltes dort wurdest Du auch "meine" Königin, und ich habe Dein Leben in Holland und später von Deutschland aus stets mit Interesse verfolgt.

Ich bin der Meinung, dass eine Mutter ihrem Sohn in Deiner Situation kein schöneres Geschenk machen kann, als rechtzeitig die Amtsgeschäfte zu übergeben. Was daraus werden kann, wenn eine Frau auf ihrem Thron kleben bleibt, sieht man ja an Lisbeth und Karlchen. Du warst sehr weise, ich ziehe meinen nicht vorhandenen Hut vor Dir!

Ich wünsche Dir, dass Dein Leben als Prinzessin - und vor allem als Oma - auch ohne die Diktatur des Amtes ausgefüllt sein wird, Du zufrieden bist und Deinen heutigen Schritt nicht bereust.

Herzliche Grüße

Deine Frau chat noir

Und gleich geht es in Amsterdam weiter. Ich setze mich jetzt wieder vor das Fernsehen und hänge mein Schild "bitte nicht stören" von außen an die Klinke der Wohnzimmertür. Ich wünsche einen schönen 1. Mai, man sieht sich!

27.04.2013

Aktfoto

Capt'n K. hat damit angefangen. Ich will mich nicht ausschließen und mache mit. Hier ist also das älteste Aktfoto von Frau chat noir. Eventuell vorhandene neuere Auflagen werden hier nicht veröffentlicht, weil sie so aussehen würden wie das dritte Foto. Und wer will sowas schon sehen?

Schönes Wochenende!


26.04.2013

"Vatertag"

"Kann ich Sie mal sprechen?" Laut und fordernd schallt der Ruf der Oberschwesterfeldwebel M. hinter mir her. "Meinen Sie mich?" Blöde Frage, außer mir ist auf dem Flur weit und breit niemand zu sehen, aber der Ton der Frau veranlaßt meine Stacheln, sich sogleich aufzustellen. Bepackt mit einem Korb voller Einkäufe in der einen und T-Shirts und einer Strickjacke in der Originalverpackung in der anderen Hand, drehe ich mich um. Ich versuche ein Lächeln, aber Frau Oberfeldwebel M. guckt mich streng an. Also gehe ich ein paar Schritte auf sie zu. "Ja, bitte?"

24.04.2013

Kam ein Wurfholz geflogen, ließ sich nieder in meinem Blog *sing*

Der ehrenwerte Herr Andi hat mir aus Berlin ein Stöckchen vor die Füße geworfen. Eigentlich ist es kein Stöckchen mehr, sondern eher eine Diplomarbeit, die ganze Aufmerksamkeit sowie Selbstreflektion erfordert. Eigentlich nicht meine Welt, aber dem Herrn Andi zuliebe mache ich mal eine Ausnahme. (Bitte tu das nie wieder, lieber Andi. Danke!)

22.04.2013

Eine neue Nachbarschaftsgeschichte.

Als der Chef und ich die neue 100m²-Welt besichtigten, war es uns nicht möglich, einen Blick in die Garage zu werfen, weil ein VW-Bus mit bunten Gardinen und allerlei Krimskrams an den Scheiben direkt davor stand. Auch bei unseren späteren Besuchen zwecks Renovierung des Hauses und Beförderung von Umzugsgut stand stets dieser blöde Bus davor. Wir konnten auch nicht herausbekommen, wem das Gefährt gehört.

19.04.2013

Der Dauerlutscher

Mal wieder mußte unsere Familienkutsche in die Werkstatt. Sie wollte gerne eine neue Lichtmaschine haben. Wir haben sie gestreichelt und ihr den Wunsch erfüllt. Der Chef und ich fuhren also heute morgen zur Autoreparaturanstalt, und wurden von dort freundlicherweise ins Städtchen gefahren - in einem neuen Auto, dass noch wie neues Auto roch und genau dem Typ entsprach, den der Chef so gerne hätte. Also als Auto meine ich.

17.04.2013

Geträumt

Es klingelt an der Haustür. Ich gehe hin und öffne. Vor mir steht eine größere Menschenmenge: "Überraschung!". Bevor ich etwas sagen kann, gehen sie einer nach dem anderen an mir vorbei, klopfen mir auf die Schulter oder geben mir Wangenküsse. Sämtliche Angehörige der "Sippe" sind dabei, Freunde und Menschen, die ich noch nie gesehen habe. Einer stellt noch schnell sein Fahrrad ab und läuft zu mir: "Das letzte Stück ist ganz schön steil!" Ich schaue ihm verwundert nach und schließe die Tür.

14.04.2013

Grenzüberschreitung

Immer da, wo Menschen miteinander auskommen müssen, gibt es Regeln und Grenzen. Z.B. im Verein, im Beruf, in der Familie, in der Ehe, im Straßenverkehr. Entweder gibt es sie als Gesetz, oder "man" macht das so, weil es aus dem Bauch heraus kommt oder traditionell festgeschrieben ist. Wenn jemand über die Regeln hinausschießt, ist der Ärger meistens vorprogrammiert. So geschehen in der "Sippe", was ich niemals für möglich gehalten hätte. Das macht mich nicht nur traurig, sondern auch sehr betroffen. Ich bin zwar nicht unmittelbar betroffen, aber involviert. Deshalb bin ich auf den Ausgang des Desasters sehr gespannt. Ich hoffe, das Ganze war eine einmalige Grenzüberschreitung. Als ob ich mit dem alten Mann nicht schon genug um die Ohren hätte! Muss das denn jetzt sein?

12.04.2013

Die Zauberschuhe

Auf dem Heimweg von der grandiosen 60iger Jahre Party* fuhren wir mitsamt Sohn bei dem alten Mann vorbei. Dieser freute sich sichtlich über den Besuch des Enkels, die anderen Besucher nahm er gar nicht wahr. Fürs Restaurant war es schon zu spät, wir saßen also zu viert in seinem kleinen Zimmer und er beklagte sich bitterlich über - na was wohl? - sein Geld. Aaarg! Der Enkel hörte zwar geduldig zu, ging aber nicht darauf ein. Er brachte das Gespräch auf die Schuhe des alten Mannes.

06.04.2013

Fast überall Murks.

Frau chat noir quält sich seit Tagen mit einer doofen Erkältung herum. So eine von der Sorte "Kommtnichtrichtig-gehtnichtrichtig". Deshalb bin ich schlapp und müde und habe ich zu nichts so wirklich Lust. Mpff. Aber schon zwei Bücher durch... Sollte der Frühling in der nächsten Woche explosionsartig ausbrechen, ist wohl mit dem vermehrten Flug von Pollen zu rechnen. Das heißt, meine  "normale" Rüsselpest geht dann gleich in Heuschnupfen über. Örks. Das sind ja nette Aussichten.

Ostern war schön. Der Besuch war schön. Die Ostereier hätte man zwar viel besser im Garten suchen können als im Wohnzimmer, dafür wurde im Garten als Ersatz ein Schneemann gebaut (!). Aber ein suchendes Mäuschen mit glücklichem Lächeln über den Päckchenfund hinter dem Sofakissen hatten der Chef und ich auch schon lange nicht mehr.

Der "Kaffeeklatsch" mit der ganzen Familie im Altersheim war nicht nur für die anderen Gäste ein Ereignis... Es kommt dort nicht oft von, dass sich 20 Personen treffen. Und diese Familie ist laut, unruhig und einmalig! Es war super, mal wieder mit fast allen an einem Tisch zu sitzen. Nur der alte Mann konnte sich nicht richtig freuen. Zunächst wußte er nicht mehr so genau, wer die handelnden Personen sind und wer zu wem gehört. Dann saß er schweigend dazwischen, auch, wenn sich jemand zu ihm setzte, um sich mit ihm zu unterhalten.

Gegen Ende ging ich zu ihm, um ihm für April das Taschengeld in bar zu geben. Er riss mir förmlich die Scheine aus der Hand (ich hatte die 100 € extra in 20iger gestückelt, damit er besser damit klar kommt), zählte das Geld und beschwerte sich lauthals darüber, dass es "nur" so wenig sei. Er wollte 150 €, und das wäre auch mit dem Chef so abgesprochen! Ich rief den Chef, und der gutmütige Mensch wurde angesicht der falschen Behauptung so böse, dass ich mich leise verkrümelte. Plötzlich drehte der alte Mann seinen Rollstuhl um und rollte hinaus. Ich lief hinter ihm her, um ihm die Ostergeschenke nachzutragen, die er mir wütend aus der Hand riss. Keine Verabschiedung von niemanden. Ende der Veranstaltung. Sein Enkel fuhr ihn dann im Fahrstuhl nach oben und blieb noch fast eine Stunde bei ihm. Es ging wohl auch dort ums Geld, und ich weiß, dass der alte Mann von ihm noch etwas bekommen hat.

In der Wartezeit erzählte mir eine Kellnerin, dass der alte Mann im Restaurant einen Lieblingstisch hat, an dem er täglich sitzt. Er jagt sogar andere Gäste weg, sollten sie dort Platz genommen haben. Nicht etwa höflich, was ja auch unverschämt wäre, nein, er donnert sie gleich an. Tatsächlich räumen die meisten Gäste das Feld. Er begründet es damit, dass die Angestellte, die von ihrem Büro aus in das Restaurant schauen kann, ihn nicht sieht, wenn er an "seinem" Platz sitzt, und somit seiner Frau (er meint mich) nicht erzählen kann, was er verzehrt. Und auch hier wurde mir erzählt, dass die blonde Frau öfter bei ihm sitzt. Vielleicht sollte ich meine Besuche nicht auf den Donnerstag festlegen, dann läuft mir die ominöse Dame eventuell über den Weg.

Zum Abendessen trafen sich fast alle "Kaffeetrinker" bei meinem Schwager, und wir hatten noch einen lustigen und unbeschwerten Abend. Das hat richtig gut getan. Ich glaube, die Familie sollte sich nicht wieder im Altersheim treffen. Es gibt bestimmt Orte, die, wie soll ich es ausdrücken, nicht so bedrückend sind. Zumal die Rechnung zum Schluß nicht gestimmt hat und obwohl alle schon bezahlt hatten, man von uns fast 30 Euro mehr für Kaffee und Kuchen verlangte.

Am Dienstag rief mich eine Pflegerin an und wollte wissen, ob ich etwas dagegen hätte, wenn der alte Mann in die Stadt gefahren würde. Er wolle sich ein paar Schuhe kaufen, seine jetzigen seien zu eng. Ich wies sie darauf hin, dass der alte Mann teure Therapieschuhe für Rollstuhlfahrer im Schrank stehen hat, die er nicht anzieht. Die wolle er nicht, er wolle Lederschuhe, und er hätte 1000€, davon könne er sich welche kaufen. Er würde gebracht und es würde ihn jemand begleiten und er würde wieder zurück gefahren. Ich habe der Aktion zugestimmt, mich aber wieder furchtbar aufgeregt. Ich weiß genau, dass er keine 1000€ im Heim hat, aber ich hatte keine Lust auf Diskussionen mit der Pflegetante. Nachher werde ich einen Kontoauszug holen, um zu sehen, was wieder schief gegangen ist. Auf dem Konto war genau die Summe, die das Altersheim abbucht für diesen Monat. Ich denke, der alte Mann wird wirklich dement, und mit den Auswirkungen muss ich klar kommen. Ich habe ihn bis auf Ostersonntag nicht wieder besucht, ich mag einfach nicht. Ich bin dieses ewige Gejammere und Gezanke um Geld so leid.

Im Schlafzimmer ist die Jalousie kaputt, man kann sie nicht wieder heraufkurbeln. Es machte "Plopp" und dann laut "Ratsch" - und hin war sie. Jetzt wird wohl ein Rollo her müssen, denn die Außenjalousien sind nicht nur aus Metall, sondern auch noch sauteuer. Es war schon jemand hier, der Maß genommen hat, und ich warte auf den Kostenvoranschlag.

Das liebenswerte Puschelkätzchen olle Katertier hat in den Korb mit dem Brennholz für den Kaminofen gepinkelt. Natürlich ist die Flüssigkeit durchgesickert, zum Glück auf die Glasplatte vor dem Ofen. Mistvieh! Wahrscheinlich riecht das Holz nach fremder Katze, weil es draußen gelagert wird. Na ja, die Katze ist auch nur ein Mann, der sein Revier markiert. Wie sie halt so sind, die Männer.

Jetzt freue ich mich auf einen schönen Abend, wir sind zu einer Mottoparty eingeladen und ich habe schon eifrig im Kostümfundus gekramt. Das wird bestimmt lustig. Am Sonntag haben wir einen Schlafgast. Der Chef arbeitet in der nächsten Woche, und ich habe freie Bahn zu Hause. Mir wird bestimmt einfallen, welche Bücher ich noch dringend lesen was noch gemacht werden muss, und am Freitag bekommen wir lieben Wochenendbesuch. Und irgendwann dazwischen besuche ich vielleicht den alten Mann.

Sollte man übrigens beim Lesen dieser Zeilen eine Sonnenbrille benötigen, weil es so glänzt und hell schimmert, liegt das daran, dass ich aus versehen meine Haare heute morgen mit Duschgel gewaschen habe und richtig schrubben musste, bis das Zeug wieder raus war. Dafür sitzt jetzt die Frisur locker, flockig, aufsteckfähig. Mpff. Schönes Wochenende!