30.09.2013

28.09.2013

Randbemerkung (2)

Wenn man beim Kuchenbacken den Handmixer mit laufendem Motor aus der Schüssel nimmt, hat der Teig eine ungeheure Streuwirkung. Dies ist ein Hinweis aus der Rubrik "Wissen für kluge Hausfrauen." Ich gehe jetzt den Teig von den Fliesen kratzen. ÖRKS!

22.09.2013

Wählen gehen!

Staatsbürgerpflicht. Demokratie. Höchstes Gut. Und die Gewissheit, egal, wo man das Kreuz macht, es nicht so wird, wie man es erhofft. Vergebliche Liebesmüh? Lassen wir uns überraschen. Um 18 Uhr ploppt die Kiste auf. Mal sehen, welche Figur heraushüpft. Es bleibt schwierig!

21.09.2013

Randbemerkung

Ich empfehle, eine Nacht im eigenen Gästebett zu verbringen. Man merkt sofort, wie schlecht die Matratze ist.

Live aus dem Höllenbett. 

20.09.2013

Unruhige Zeiten

Zur Info: Der alte Mann ist zurück im Altersheim, aber er ist sehr schwach, bekommt noch Sauerstoff und kann nur liegen. So eine doppelseitige Lungenentzündung steckt man im hohen Alter von 93 nicht einfach weg. Er ist außerdem noch sehr verwirrt, erkennt Besucher nicht, will nach Hause und erzählt von seinen ehemaligen Arbeitskollegen, der Militärzeit (vor 70 Jahren!) und spricht mit meiner Mutter, die vor 21 Jahren verstorben ist. Ich bin jeden Tag mit dem Chef bei ihm, und meine Zeit plätschert so dahin. Daher ist hier - leider - Funkstille. Aber es wird sich wieder ändern. Irgendwann.

16.09.2013

Sie und er - Yin und Yang

Der Chef und Frau Noir fahren auf den Parkplatz des Krankenhauses zu. Erst bei der Einfahrt bemerken wir den geöffneten Ticketautomaten, an dem ein Mann arbeitet.

Frau Noir denkt: *Oh schön, da müssen wir heute mal keine Parkgebühren zahlen!*

09.09.2013

Trost

Der Chef geht in dieser Woche wieder arbeiten. Als ich erwachte, war er schon weg. Aber dieser Zettel lag auf seinem Kopfkissen. Er ist so lieb, dieser Mann!

07.09.2013

Der Lauf des Goldes 5.0

Vor ca. drei Wochen drückte mir der alte Mann seinen Ring in die Hand. Ich sollte ihn noch einmal zum Juwelier bringen, er könne ihn so nicht tragen. Bei genauerer Betrachtung wußte ich auch warum:


"Was hast du denn damit gemacht?"
"Narf, narf, ich bin mit dem Rollstuhl drüber gefahren, narf"
"Ich glaube, der ist hin, den wird man nicht mehr reparieren können"
"Siehste! Ich habe ja gleich gesagt, dass der Juwelier mich damals besch...en hat!"

Ich werde das gute Stück aufbewahren und zu meiner Exotensammlung hinzufügen. Niemand wird später einmal glauben, was das "Schmuckstück" für eine Geschichte hat.

05.09.2013

Tränen

Sie haben mich angerufen und mir mitgeteilt, dass man dich ins Krankenhaus bringen wird. Das Krankenhaus rief später an und fragte, ob eine Patientenverfügung existiert und ob ich die vorbei bringen kann. Außerdem soll ich, bevor ich in das Krankenzimmer gehe, Kontakt mit dem Arzt aufnehmen.

Du hast mir in der letzten Woche am Donnerstag schon nicht gefallen. Du sahst irgendwie so blass aus und brachtest vieles durcheinander, weintest, weil du kein Geld finden konntest. Du hast abenteuerliche Geschichten über eine Geburtstagsfeier mit dicken Kellnerinnen und den Fußpfleger, der pro Fuß 150 DM genommen und alles blutig geschnitten hat, erzählt. Wir haben dein Geld in deinem Zimmer im falschen Schrank gefunden und du hast dich auf die nächste Tasse Cappuchino gefreut, die du nun bezahlen kannst. Jetzt sitze ich im Auto und mache mir auf dem Weg zu Dir ernsthaft Sorgen.

Der Arzt bedankt sich für die Patientenverfügung, erzählt mir etwas von einer Lungenentzündung, Nierenversagen, Wassereinlagerungen und Herzproblemen. Erklärt die Vorerkrankungen und betont das hohe Alter. Bevor ich das Krankenzimmer betreten darf, muss ich mir einen grünen Kittel und Gummihandschuhe anziehen sowie einen Mundschutz benutzen. Du liegst allein und isoliert, das Piepen und Blubbern der Geräte empfängt mich im halbdunklen Raum.

Du liegst auf dem Rücken, den Oberkörper etwas erhöht, und schläfst. Klein und grau und zusammengefallen, die Haut wie Papier, im Krankenhaushemdchen und nur mit einem Bettbezug zugedeckt, kämpfst du um jeden Atemzug aus der Sauerstoffmaske. Ich berühre dich an der Schulter, du öffnest die Augen und schaust mich mit leerem Blick an. Du musst dich erst zurechtfinden, weißt nicht, wo du bist und erkennst mich nicht. Ich nehme den doofen Atemschutz ab und lächle dich an. "Hallo, Papa!" Du willst trinken und reden, aber die Sauerstoffmaske ist dir im Weg. Ich nehme sie kurzerhand ab, du trinkst Wasser aus der Schnabeltasse und nennst mich Simone. Du schaut mir lange in die Augen, und ich sehe deine Angst. Ich streichle deine Hände, weine ein bißchen und gehe wieder, als du erneut eingeschlafen bist.

Ich hoffe, der alte Mann gewinnt auch diesmal wieder den Kampf um sein Leben.