23.02.2014

Danke!

Ich danke allen, die zu meinem letzten Post einen Kommentar geschrieben haben. Es tut gut, wenn so viele - in der Mehrzahl eigentlich unbekannte Menschen - ihre Anteilnahme zeigen. Ich möchte diesmal nicht auf die einzelnen Beiträge eingehen, weil sie alle für sich sprechen.

Ich bin noch immer sehr traurig, aber es geht weiter. Nun muss ich das Leben meines Vaters zu Ende verwalten, und da ist fast jeder Tag ein Blogeintrag wert. Vielleicht schreibe ich später mal darüber. Allein der Bestatter war eine Nummer für sich.

Das Zimmer im Seniorenheim ist schon leer. Und ich wette, dass auch die Rose nach meinem Verlassen des Hauses nicht mehr lange dort hing. Aber es war eine nette Geste. Wenigstens das.


Am Freitag ist die Beisetzung der Urne. Die Familie wird sich in der Friedhofskapelle treffen, der Chef wird ein paar Worte sagen, wir werden für den alten Seemann noch einmal "La Paloma" spielen (sein Lieblingslied, es musste aber ein Shantychor singen!), um dann die Urne dort beizusetzen, wo schon seit fast 22 Jahren meine Mutter begraben liegt. Das wird noch einmal ein sehr schwerer Tag.

18.02.2014

Gute Reise, Papa...

16. Juli 1920 bis 18. Februar 2014

Es ist die Liebe, die uns lehrt, jemanden gehen zu lassen.
Es ist die Liebe, die uns wissen lässt, wann es Abschied zu nehmen heißt.
Es ist die Liebe, die nicht zulässt, dass unsere Gefühle dem im Weg stehen,
was am Ende besser ist für die, die wir lieben.

(Aus einer Todesanzeige. Autor unbekannt.)

15.02.2014

Sockenbingo

Der Chef trägt fast ausschließlich schwarze Socken. Und behauptet, schwarz sei nicht gleich schwarz - schon gar nicht bei Socken. Leider hat er damit recht.  Da ich seiner Meinung nach nicht in der Lage bin, schwarz von schwarz zu unterscheiden, hat er die Socken gekennzeichnet. Seither spiele ich beim Zusammenlegen der Wäsche Sockenbingo. Manchmal habe ich den Hauptgewinn, und alle Zahlen stimmen auf Anhieb. Manchmal dauert es etwas länger. Es ist wie im richtigen Leben. Mal verliert man, mal gewinnen die Anderen.


12.02.2014

Ein anderer Platz

Es gibt in meinem Haushalt einen Gegenstand, mit dem kann man Zimmerblumen bewässern. Nennen wir ihn einfach mal Gießkanne. Diese Gießkanne stand immer in einem Regal im Keller. Plötzlich und unerwartet sagte mir der Platz nicht mehr zu. Nach ihrem letzten Gebrauch überlegte ich kurz und stellte sie dann an einen anderen Ort. Einen, den ich viel praktischer fand. Der sehr viel logischer ist, als das Vorratsregal im Keller. Als ich das nächste Mal Blumen gießen wollte, gehe ich - natürlich - zum alten Platz und wundere mich, wo denn die blöde Gießkanne geblieben ist. Ich suche im Raum alle Regale ab, schaue hinter die Wasserkisten, zwischen das Altglas, beschimpfe den Chef und verdächtigt ihn, die Kanne weggeräumt zu haben. Wo bitte ist die Gießkanne??? Sie.ist.weg. Verschwunden. Tagelang benutze ich einen Meßbecher zum Blumengießen. Und dann, eines Tages, als ich den Mülleimer zwecks gründlicher Reinigung aus dem Platz unter der Spüle heraushole, da, ja da fällt mein Blick auf die blaue Kanne mir plötzlich ein, dass das Ding hinter dem Mülleimer doch viel besser aufgehoben ist als im Vorratsraum im Regal, oder? Warum? Weil sich gleich der Wasserhahn oben drüber und ein Leerraum hinter dem Mülleimer befindet. Örks. Örksörksörks. Ich gehe jetzt mal Blumen gießen. Mit der häßlichen, doofen Gießkanne. Hoffentlich erwischt mich der Chef nicht mit dem Ding...

09.02.2014

Langsamer Abschied

Ich war zwei Wochen nicht bei Dir, weil ich zusammen mit dem Chef Deine Urenkel "gehütet" habe, wie man früher so schön sagte. Als ich am Freitag ins Seniorenheim kam, saßen wie immer Waldorf & Statler auf dem Sofa im Eingangsbereich und scannten mit ihren Röntgenblicken die Taschen der Besucher. Beide hoben gleichzeitig freundlich lächelnd ihre rechte Hand zur Begrüßung und winkten uns durch.

Wir fuhren wie immer mit dem Fahrstuhl hinauf zur Station und gingen an dem verwaisten Stationscounter vorbei, Feldwebel Oberschwester war offenbar im Haus unterwegs. Wir öffneten die Zimmertür, und ich erschrak sehr, als mein Blick auf Dich fiel. Du lagst auf dem Rücken, das Kopfteil viel zu hoch gestellt, mit angezogenen Beinen und leerem Blick in Deinem Bett. Das Radio plärrte laut vor sich hin, die Sauerstoffmaschine brummte und heizte das Zimmer zusätzlich zur voll aufgedrehten Heizung. Ich trat an Dein Bett, und die Bewegung ließ Dich aufschauen.

Ich nahm Deine Hand in meine, sah in die Augen, die den meinen so ähnlich sind, und lächelte Dich an. Du lächeltest nicht zurück, Du überlegtes krampfhaft, wer ich denn wohl sei. Ich streichelte Deine Wange, Du sahst an mir vorbei in die Zimmerecke und sagtest, ich solle dort in dem Ofen das Feuer nicht ausgehen lassen, weil es sonst so kalt würde für Dich. Und dass Dir Deine Ferse so weh tut. Ich legte Dein Bein auf ein Kissen, und erschrak noch mehr, als ich sah, wie abgemagert Du bist. Du bist 1,82 m groß, und wiegst nur noch 66 kg.

Du musstest viel Husten, und der Husten hörte sich nicht gut an. Trinken wolltest Du nicht, meine Hand mit dem Becher wurde von Deiner Hand erstaunlich kräftig weggedrückt. Du schautest mich mit trüben Augen auffordernd an, und ich gab Dir ein Handtuch, mit dessen Zipfel Du wieder und wieder Deinen Mund abtupftest. Ich streichelte Deinen Arm, jetzt konntest Du mich anlächeln und sagen, dass das so gut tut. Über mein Streicheln schliefst Du ein, und wir gingen wie immer nach einer Weile nach Hause.

Heute bist Du ins Krankenhaus gekommen. Du hast wieder eine Lungenentzündung, und eine Niere hat wieder versagt. Du hast mir früher immer wieder gesagt, dass Du niemals willst, dass Dein Leben künstlich verlängert wird. Ich habe entschieden, dass Du nicht auf die Intensivstation kommst, und auch nicht auf die Überwachungsstation. Du liegst in einem "normalen" Krankenzimmer, Du bekommst Sauerstoff und die dringend benötigte Flüssigkeit per Tropf incl. Antibiotikum, von dem man nicht weiß, ob es anschlägt. Auch wenn Du Dein Leben lang nicht an ihn geglaubt hast: Der liebe Gott wirds schon richten. Ich denke an Dich Papa.

07.02.2014

Sprachlos

Da sagt doch ein Mann zu mir: "Du bist meine beste Freundin, auch wenn ich noch nie mit Dir im Bett war." Ich bin sprachlos, gleichzeitig erfreut und denke, es ist genau einer der Gründe, warum wir so gut miteinander befreundet sind. So soll es auch bleiben. Danke für Dein Vertrauen, lieber M.!

06.02.2014

Schwarze Taler

Offensichtlich wird man geizig, wenn man sehr, sehr viel Geld besitzt. Oder bekommt. Das kennt man ja schon von Onkel Dagobert, der ständig zählend auf seinen Talern hockt. Wahrscheinlich werden sie von ihm in Entenhausen nicht versteuert. Allerdings weiß dort jeder, dass er so viele Taler besitzt, und außer Donald oder den Panzerknackern interessiert sich niemand dafür.

Im wahren Leben interessieren sich wahrscheinlich auch nur ein paar Leute für den Reichtum  prominenter Menschen oder den des Fleischers von nebenan. Kommt der Reichtum einmal ans Licht, denkt man dann: "Ach, guck an!" und vergißt es wieder. Von Vorstandsvorsitzenden bzw. Managern großer Konzerne oder Menschen rund um den Fußball erwartet man ohnehin einen gewissen Reichtum, aber dass man mit Feminismus so viel Geld scheffeln kann, war mir neu. Irgendwas habe ich wohl falsch gemacht. Es lag bestimmt an der fehlenden lila Latzhose. Lila steht mir nämlich nicht so gut.

Egal. Hier geht es nicht um Reichtum, Steuerhinterziehung und Selbstanzeige. Hier geht es um Moral. Und zwar um die Derjenigen, die ihnen beruflich anvertraute Geheimnisse verraten. Ich nehme an, dass auch hier viel Geld im Spiel ist. Warum sonst sollte jemand der Presse mitteilen, dass ein prominenter Mensch durch eine Selbstanzeige seine Verfehlungen dem Finanzamt gegenüber bekannt gemacht (und Steuern nachgezahlt) hat? Bisher dachte ich, dass die Bürger, zu denen alle Menschen eines Landes gehören, unter dem Schutz des Steuergeheimnisses stehen.

Wer sind die "gut unterrichteten Kreise", aus denen Papiere, Entwürfe, Mitteilungen mit vertraulichem Inhalt kommen und die die Nachrichten bzw. Klatschspalten nähren? In meinen Augen sind Menschen, die einen solchen Verrat ihrem Arbeitgeber gegenüber begehen, nicht besser als die, die ihre Millionen Taler wie Dagobert Duck in ihren Geldspeichern umschichten und dem Allgemeinwohl die Steuern nicht gönnen.

Merkwürdig, just in diesem Moment macht sich in mir ein Gedanke breit. Wovon lebt Edward Snowdon (Heißt der Mensch wirklich wie ein Berg in Wales?) wohl jetzt? Sein Gehalt als PC-Techniker wird er vom amerikanischen Staat kaum noch beziehen. Seine Rücklagen wird er zu Beginn seiner selbstlosen Mission verbraucht haben, jeder weiß doch, wie teuer so ein Sandwich auf einem Flughafen ist. Also, wer finanziert ihn in Russland?

Es stellt sich mir die Frage, ob die Welt wirklich stets über alles und jeden informiert sein muss und ob der Journalismus nicht irgendwo seine Grenzen hat/haben sollte. Dies ist meine persönliche Meinung, und es muss jetzt niemand in den Kommentaren versuchen, mich vom Gegenteil zu überzeugen. Es bleibt dabei, für mich ist beides nicht in Ordnung - Steuerhinterziehung und Geheimnisverrat.

03.02.2014

Ein unheimlicher, vergessener Ort


Es war spät geworden an diesem Abend im Februar. Es war bei ihm warm und gemütlich, und niemand wollte gehen. Die letzten Gäste hatte der Wirt der Bahnhofsgaststätte förmlich hinaus drängen müssen. Weil es so spät geworden war, mochte er nicht mehr aufräumen, ließ alles stehen und liegen, löschte das Licht, steckte bis auf ein wenig Wechselgeld die Tageseinnahmen in seine Tasche, verschloss die Kneipe von außen und ging.