29.03.2014

Mr. McCartney

Von meiner Oma habe ich ja schon einmal berichtet.

Als sie 1923/24 meinem Opa von Ostfriesland nach Südniedersachsen folgte, bezog sie mit ihm ein Zimmer in der Wohnung seiner Eltern. Seine Mutter, die zusammen mit ihrem Mann einen "Kolonialwarenladen" betrieb, konnte meine Oma nicht ausstehen. Schließlich war sie eine Geschäftsfrau, die auf ihren Ruf achten musste, und ihre neue Schwiegertochter stammte aus sehr einfachen Verhältnissen und war dazu noch unehelich geboren. Es kam wie es kommen musste: Nach der Geburt meiner Mutter wollte meine Oma nicht mehr in dem  Zimmer in der unmittelbaren Nähe zu ihrer ungeliebten Schwiegermutter wohnen und zwang bat ihren Mann, für die kleine Familie eine eigene Wohnung zu finden.

Mein gutmütiger Opa, der als Kind aus einem Apfelbaum gefallen und seither auf beiden Ohren fast taub war, machte sich auf die Suche. Er fand eine Wohnung mit 4 Zimmern, einer großen Küche mit seperater Speisekammer und einem riesigen Flur, eigentlich viel zu groß für das junge Ehepaar mit Kind. Und dieser "Palast" war vor allem eines: Viel zu teuer. Meine Oma hatte keinen Beruf erlernt und kümmerte sich nun ausschließlich um das Baby und den Haushalt. Mein Opa war Färber von Beruf und lernte nebenbei gerade für seinen Meister, so dass das Geld sehr knapp war. Meine Oma kam auf die Idee, eins von den Zimmern zu vermieten. So konnten sie die Wohnung halten (nach dem Krieg zogen die Mutter und der Stiefvater meiner Oma und später dann auch mein Vater mit in die Wohnung, sogar ich lebte hier noch die ersten vier Jahre meines Lebens).

Einer der ersten Untermieter hinterließ beim Auszug ein Geschenk, dass sich noch heute in meinem Besitz befindet. Es handelt sich um ein Fotoalbum, und es trägt folgende handschriftliche Widmung im Innern:

"Familie Noir. Zur Erinnerung eines frohes Jahr 1930/1931. William McCartney." 

Auf der ersten Seite des Albums klebt ein Foto von Mr. McCartney:


Neulich habe ich noch eine Weihnachtskarte von ihm gefunden, leider trägt sie kein Datum.  Sie zeigt die Kathedrale von Edinburgh, und Mr. McCartney schreibt, dass er mit Frau und Kind nach Aberdeen versetzt worden ist.

Ich weiß nicht, was aus Mr. McCartney wurde, aber ich finde, er sieht dem berühmten Paul schon ein wenig ähnlich, oder?

26.03.2014

Unverhoffte Freude

Da kam doch vollkommen überraschend der reitende Bote und lieferte neben Genesungswünschen einen sehr hübschen Blumengruß ab. Danke, meine liebe Muhge, Du hast mir eine große Freude bereitet! Woher Du nur immer die guten Ideen hast?!

23.03.2014

Internet im Sonnigen Winkel

Ich glaube, der Gemahl von Königin Elisabeth von England prägte den Begriff des "Indischen Elektrikers", für den er viel Ärger bekam. Ich weiß jetzt aber, was er gemeint haben muss. 


Husten, Schnupfen, Heiserkeit

Zusätzlich zu allen Ereignissen in der letzten Zeit plage ich mich seit Anfang März mit einer doofen Erkältung herum. Zuerst war es heftiger Schnupfen und eine Bindehautentzündung.  Dann "nur" Bronchitis mit Halsschmerzen. Als der Husten weg war, blieben die Halsschmerzen, mal links, mal rechts. Jetzt habe ich wieder Husten, keine Stimme mehr und irres Halsweh. Ich kann nicht schlafen. Meine Nase wird dicht. Ich habe Kopfschmerzen. Ich will das nicht. ICH WILL DAS NICHT!!! Ooops - zu laut, Entschuldigung! Bitte nur echt gemeinte Genesungswünsche in den Kommentaren. Danke. 

P.S.: Die Wahl eines Herdes für die 100qm-Welt schreitet langsam, aber sicher voran. Blöd so ohne Backofen, soll man nicht glauben. 

Der Makler hat in einem netten Gespräch alle meine Vorstellungen aufgenommen und Fotos gemacht. Bei der Besichtigung des Hauses fiel mir auf, dass der derzeitige Mieter die ihm zu Beginn des Mietverhältnisses ausgehändigten Rauchmelder nicht angebracht hat. Außerdem sind zwei Fenster so defekt, dass ich sie austauschen muss. Daran hat aber der Mieter keine Schuld, das ist Materialermüdung. Aber das hätte man mir auch schon mal sagen können. Morgen (heute) poste ich mal ein Bild vom Internetanschluss im Keller des Hauses im Sonnigen Winkel, den ein Fachmann von Kaxxl Dexxschxxxd gelegt hat. Ich glaube, da muss ein Elektriker ran. Ich habe Halsschmerzen. Kein Wunder. 

21.03.2014

Keine Lust...

... zum Schreiben. Weil nichts Erfreuliches passiert. Denn

- unsere Heizung meinte vor ein paar Tagen, sie muss die Abgase nicht nach außen, sondern nach innen transportieren. Dieser seltsame Geruch veranlasste mich, spät am Abend den Installateuer zu holen, der den Fehler fand, ihn aber erst am nächsten Tag beheben konnte. Nun ist Schluß mit lustig, wir bekommen in der nächsten Woche eine neues Gerät, und zwar auf Garantie. Hoffentlich läuft das dann ohne Fehler. Hat man auf darauf wieder zwei Jahre Garantie?

- dem Chef passierte beim Kochen, was dabei mal passieren kann: Es kochte Wasser über. Leider mochte das unser Herd nicht. Die Sicherung sprang raus, eigentlich nichts Schlimmes. Aber auch mit Sicherung wollte der Herd nicht mehr. Der Mann vom Pizzaservice war wirklich sehr nett. Und der herbeigerufene Elektriker am nächsten Tag auch. Leider ist der Backofen im Eimer (immer diese Elektronik), nur das Ceranfeld funktioniert noch. Und weil das mit einem neuen Backofen nicht kompatibel ist, muss also ein ganz neuer Herd her. (Und ich habe in der vorletzten Woche den Backofen geschrubbt!)

- das L-chen war sehr krank. Und weil L-chens Papa eine sehr weite und sehr lange Reise antreten musste, gingen N. (w) und das L-chen in unserer Stadt ins Krankenhaus. Trotz aller dazugehörigen Umstände hatte der kleine Mann meistens gute Laune und freute sich über Besuch. Und der Rettungshubschrauber, die Krankenwagen und die Bagger, die zu einer Baustelle im Krankenhausgelände gehören, sorgten für Abwechslung. Nun ist er wieder zu Hause und es geht ihm etwas besser.

- gestern hatte ich einen Termin mit der Maklerin wegen der Vermietung des Hauses im Sonnigen Winkel. Wir wollten uns dort um 14.00 Uhr treffen. Der Chef war den ganzen Tag mit der Kutsche unterwegs, also fuhr ich Bus. Ich musste um 12.23 Uhr starten, um pünktlich dort zu sein - mit dem Wagen braucht man für die Strecke nur 15 Minuten. Als ich dort ankam, hatte ich noch ein wenig Zeit und bin um das Haus herum gelaufen. Plötzlich war der alte Mann wieder so deutlich da, dass ich auf der Straße gestanden und geheult habe. Er hat dort fast 30 Jahre gewohnt, zuerst mit meiner Mutter, später allein. Eine Nachbarin, die gerade nach Hause kam, nahm mich in den Arm und kurzerhand mit zu sich nach Hause. Nach einem Kaffee und einem netten Gespräch ging es mir wieder besser. Nach dem (erfolgreichen) Termin im Haus bin ich zu Fuß in ein nahe gelegenes Einkaufszentrum gegangen, um meine fertige Sonnenbrille abzuholen. Von dort aus fuhr ich wieder mit dem Bus, mit nur einmal umsteigen, nach Hause, wo ich um 16.30 Uhr ankam. Netter Ausflug - wenigstens war das Wetter schön...

- heute fahren wir zur Beerdigung eines früheren Arbeitskollegen des Chefs, den er sehr mochte. Das geht wieder nicht ohne Tränen ab, ich sehe es schon kommen. Dabei habe ich genug vom Weinen.

Kryptisches: Mein Herz ist sehr, sehr schwer und tut weh. Es wird nicht besser, sondern immer schlechter. Ich bin so traurig. Dabei habe ich wirklich genug vom Weinen.

12.03.2014

Gestern, heute, morgen

Gestern hatten der Chef und ich einen Termin beim Notar wegen der Eintragungen ins Grundbuch. Den Notar kennen wir schon seit 2007, und er ist zu unserem "Haus- und Hofanwalt" geworden. Er hat uns vorgelesen, was wir eingetragen haben möchten, wir haben uns danach nett unterhalten und sind dann gegangen. Als ich später zu Hause war und über den Termin nachdachte, fiel mir auf, dass wir gar nichts unterschrieben hatten. Waren wir nicht vor allem deswegen dort? Ich rief also beim Notar an, der mir zunächst nicht glauben wollte, die Unterlagen prüfte und mir dann etwas kleinlaut recht geben musste.

09.03.2014

Notizen 2

Viele Menschen haben mit mir um den alten Mann getrauert. Sie haben Karten oder E-Mails geschickt oder sie riefen an. Ich war überrascht, wer und wie viele sich bei mir nach der Veröffentlichung einer Todesanzeige in der Zeitung gemeldet haben. Auf eine Danksagung in der Zeitung habe ich jedoch verzichtet, dafür Danksagungskarten verschickt. Fand ich persönlicher (und es war günstiger als eine Anzeige, zumal die "Ortsfremden" trotzdem angeschrieben werden müssen).

08.03.2014

Außer Betrieb. Bitte nutzen Sie die Papieraushänge.

Zeitung lesen bildet. Oder wissen alle Nutzer der Überlandbusse außer mir, dass die Kästen mit dem Hinweistext in Endlosschleife am Busbahnhof "Dynamische Fahrgastinfo-Tafeln" heißen? Ich gebe zu, ich wußte es nicht. Bis gestern, da stand es in der Zeitung. Aber ich weiß, dass die Tafeln den potenziellen Überlandbusfahrer schon seit Monaten darauf hinweisen, dass er die Papieraushänge bemühen möge, wenn er die Abfahrtzeiten der Busse erfahren möchte. Klingt erst mal gut. Und funktioniert auch. Allerdings nur tagsüber. Die Papieraushänge sind nämlich in unbeleuchteten Kästen untergebracht, und im Dunkeln kann man die Abfahrtzeiten nicht lesen. Auch nicht mit einer Lichtquelle von außen, die spiegelt sich nämlich im Glas des Kastens und macht somit das Papier hinter der Scheibe quasi unsichtbar. Nun könnte man meinen, dass im Dunkeln ohnehin keine Busse mehr über Land fahren. Klingt erst mal richtig. Funktioniert aber nicht im Winter. Die Jahreszeit neigt bewiesenermaßen schon früh zu Dunkelheit. Wer wartet da schon auf gut Glück auf einen Bus, noch dazu bei Minustemperaturen? Und schön anzusehen ist der Busbahnhof nicht. Aber das sieht man zum Glück nur, wenn es hell ist. Das ändert sich jedoch, wenn die dynamischen Fahrgastinfo-Tafeln ab nächster Woche wieder funktionieren. Die reißen dann alles raus.

06.03.2014

Max

Gestorben am 6.3.2010

05.03.2014

Die Fönfrisur mit roter Krawatte

Der alte Mann hatte mir schon vor ein paar Jahren die Vollmacht über seine Konten erteilt, weil er sich nicht mehr in der Lage sah, seine Bankgeschäfte zu führen. In der Kontovollmacht steht u.a.:
"2. Auflösung von Konten
Zur Auflösung von Konten sind die Bevollmächtigten erst nach dem Tod des Kontoinhabers berechtigt....."

Da ein Todesfall nun einmal viel Geld kostet und der alte Mann für diesen Fall vorgesorgt und ein Sparbuch angelegt hatte, wollte ich heute die Konten auflösen, damit ich u.a. die Beerdigung bezahlen kann. Ich marschiere also in die Bank. Ich trage noch immer schwarz, sehe heute aus Gründen sehr verheult aus, habe einen bad hair day und bin ungeschminkt. Das nur so nebenbei.

Ich trete an den Schalter, hinter dem ein sehr junger Mann im blauen Anzug steht.

ch.n.: Guten Tag.

Bubi: Aah! Guten Tag! (Die blonde Fönwelle wippt)

ch.n.: Mein Vater ist vor zwei Wochen verstorben und ich möchte die Konten auflösen.
 (Ich schiebe ihm die Sterbeurkunde über den Tisch)

Bubi: Konten können leider nur die Kontoinhaber selbst auflösen! Das muss Ihr Vater unterschreiben! (Rütteln an der roten Krawatte)

ch.n.: Das wird schwerlich möglich sein. Außerdem habe ich die Kontovollmacht.

Bubi: Die Vollmacht berechtigt aber nicht zur Auflösung der Konten! Warum kann Ihr Vater denn nicht unterschreiben? (Rüttel-wipp-rüttel-wipp)

ch.n.: Mein Vater kann nicht unterschreiben, weil er tot ist!! Und in Ihrem eigenen Vordruck, den mein Vater noch zu Lebzeiten unterschrieben hat, steht, dass ich die Konten nach seinem Tod auflösen kann!!! (Leicht gereizter Ton meinerseits und wedeln mit der Kontovollmacht)

Bubi: Ich bin erst im ersten Lehrjahr und kann Ihnen keine Auskunft geben. Sie sollten mit Ihrem Vater bei uns einen Termin machen! (Wippwippwipp)

ch.n.: (Ich muss mein unstillbares Verlangen, die rote Krawatte usw. usw. äh - bezwingen)
Ich mache hier mit niemanden einen Termin. SIE machen jetzt eine Kopie der STERBEURKUNDE und zahlen mir von dem Konto (Sparbuch rüberschieb) 5.000 € aus und Sie besorgen mir jemanden, der Ahnung hat. Danke!!! (Und zackig, Schätzchen!)

Also, er durfte noch nicht einmal das Geld in der Höhe auszahlen und wollte mich, da es inzwischen schon 15.45 Uhr war (um 16.00 Uhr ist Feierabend) los werden. Ich habe so lange Radau gemacht, bis der Filialleiter erschien und alles in die Hand nahm. Danach: Geld bekommen und die Konten in Auflösung zum 31.3., wie von mir gewünscht. Erhobenen Hauptes um 16.20 Uhr das Lokal verlassen. Geht doch.

04.03.2014

Der Pöppeltöck

L-chen (2 1/2) kommt zu mir gelaufen, baut sich vor mir auf und sagt: "Oma! Pöppeltöck haben bitte!". Ich schaue ihn an, weiß aber nicht so recht, was er von mir will. "Was möchtest du haben?" Der kleine Mann breitet die Arme aus, klappt die Handflächen nach außen, zieht die Schultern hoch und ruft "Pöppeltöck!". Es klingt wie "Mensch Oma, weißt du denn nicht, was ein Pöppeltöck ist?" Nein, weiß die Oma nicht. Also läßt sie sich zeigen, was der Enkel wohl meint. Der flitzt zum Sofa ins Wohnzimmer, legt sich davor auf den Bauch und zeigt darunter. "Da! Auto! Pöppeltöck, Auto brummm!". Aha! Er benötigt offensichtlich einen Gegenstand, mit dem er das Auto unter dem Sofa hervorholen kann. L-chen steht wieder auf, läuft in die Küche und zeigt auf meine alte Milchkanne, in der die Kochlöffel stehen. "Da! Pöppeltöck bitte!". Aaaahh, er möchte einen Löffelstock = Kochlöffel von mir! Den bekommt er natürlich, er holt damit im Wohnzimmer sein Auto unter der Couch hervor und bringt ihn zurück in die Küche: "Da, Pöppeltöck. Danke!". Gern, mein Schatz!

03.03.2014

Letzter Gruß



Man sieht die Sonne langsam untergehen und erschrickt doch, wenn es plötzlich dunkel wird.