11.04.2015

Menschen im Hotel

Der Roman von Vicky Baum stand im Bücherregal meines Großvaters. Gelesen habe ich ihn bisher nicht, aber immer wenn ich in einem Hotel übernachte, fällt mir der Titel ein.
Heute morgen saß ich allein am Frühstückstisch. Der Chef mußte schon um sieben Uhr los, dazu hatte ich keine Lust. Schließlich bin ich "nur" die Begleitung... Ich ging also später und wählte einen strategisch günstigen Tisch, von dem aus ich den gesamten Speisesaal übersehen konnte und ging einer meiner Lieblingsbeschäftigungen nach - Menschen beobachten. Das Hotel hat 327 Zimmer, es bot sich also reichlich Gelegenheit dazu.
Am Nachbartisch saßen zwei ältere Ehepaare, die sich während des Frühstücks unterhielten. Die Tische stehen so nah beieinander, dass man die Gespräche um einen herum mitbekommt, ob man will oder nicht. Wahrscheinlich fällt das sonst nicht auf, weil man zu zweit ist und sich selbst unterhält. Jedenfalls weiß ich jetzt alles über die Vorzüge kleiner Hörgeräte, kenne die gesundheitlichen Probleme von einem der Männer und lernte die Namen der Enkel der beiden Paare kennen, die alle einen Ausbildungsplatz haben.
Länger als geplant blieb ich sitzen, irgendwie stellten die vier eine besondere Art von gemütlicher Atmosphäre her. Und sie waren in ihrer Art spannend, nicht nur ihre Unterhaltung. Menschen im Hotel eben.

10.04.2015

Lieber da als hier?



Der Chef und ich fahren in der schwarzen Kutsche auf der A 7 Richtung Süden, ich begleite den Mann zu einer Tagung. Als ich den Verkehr in der Gegenrichtung betrachte, denke ich darüber nach, ob vielleicht gerade jetzt in diesem Moment Merlin( http://zaubermann.blogspot.de/2015/04/albers-calling.html?m=1 ) in seiner Bessy vorbeifährt. Gerne würde ich auch in die andere Richtung fahren. Ich tröste mich, ich bin dafür ohnehin zu wenig blond, zu alt und vor allen Dingen zu - fett (ja, ja, würde nie jemand sagen. Ist aber so.) Also freue ich mich auf das Ziel im Süden. Schönes Wochenende Euch allen! Egal, was Ihr macht, bleibt sauber!

05.04.2015

Vom Leben lernen

Der Chef und ich besuchten heute im Nachbardorf erstmalig ein Restaurant, um beim Osterbrunch zu testen, ob es uns gefällt. Wenn man die örtliche Gegebenheit berücksichtigt, war das Ambiente in Ordnung. Das Essen war der Gegend angepaßte Hausmannskost, geschmacklich sehr gut und genug für einen Saal voller Menschen. Und die waren ja mal wieder so was von spannend...
Aber das wollte ich gar nicht schreiben, es geht hier heute um ein Hemd. Nicht um das hellblaue des Chefs, sondern um ein weinrotes 80iger-Jahre Modell eines Gastes. Der hatte das Pech, genau in meiner Blickrichtung zu sitzen. Und so konnte ich in aller Ruhe beobachten, dass es für einen Gast, dessen Hemd die selbe Farbe wie die Westen und Kochjacken des Personals aufweist, ein - sagen wir mal interessanter Vormittag werden kann. Ich verstehe nicht, warum der Mann so früh aufgebrochen ist. Er hätte die Bestellungen nicht alle abweisen , sondern am Ende kassieren sollen. Ich fürchte nur, dass das Trinkgeld bei seinem Benehmen nicht sehr üppig ausgefallen wäre.
Ich denke, das Lokal besuchen wir wieder. Leckere Küche, dörfliches Interieur und angenehme Unterhaltung, was will man mehr, zumal die Preise ok sind. Ein ganz kleines bisschen hat mich nur gestört, dass der Wirtin, die von Tisch zu Tisch ging und sich erkundigte, ob alles zur Zufriedenheit sei, der vordere linke untere Schneidezahn fehlte. Fiel aber nur beim Lachen auf. Ehrlich!

Frohe Ostern!

01.04.2015

Er und ich

"Schau mal, jetzt gibt es die Rosinenbrötchen ohne Rosinen!". Der Chef wedelt mir mit einem Beutel unter der Nase herum. "Schön." "Aber du magst doch keine Rosinen!" "Nein, mag ich nicht." Pause. "Dann nehmen wir die Brötchen ohne Rosinen." "Ich mag die Brötchen aber auch nicht." Pause. "Es sind doch keine Rosinen drin!" Ich habe den Einkaufswagen dann mal weiter geschoben. Und wen es interessiert: an der Kasse lag ein Beutel Brötchen MIT Rosinen auf dem Laufband. Ich frage mich ja immer, wer mir die Waren in den Wagen legt, die gar nicht auf meiner Einkaufsliste stehen...