15.06.2015

Aufgeschnappt

Wir bummeln durchs Städtchen und landen in einer Buchhandlung. Ich schaue  mir in der Nähe des Eingangs die Neuerscheinungen an, als ein Mann mit einem etwa 11jährigen Mädchen das Geschäft betritt. Sie gehen direkt an den Kassentresen.
"Was kann ich für Sie tun?"
"Wir möchten ein Buch kaufen!" 
Warum wundert mich dieser Wunsch in einer Buchhandlung jetzt nicht? 
"Welches Buch soll es denn sein?" 
"Das wissen wir nicht..."
 Na, Bücher gibt es hier genug. Wird sich wohl eins finden lassen!
"Da kann ich Ihnen auch nicht helfen. Zu welchem Zweck benötigen Sie denn das Buch?"
"Ja, meine Nichte hier, die ist zu Besuch. Und ich denke, lesen kann ja nicht schaden. Also brauchen wir jetzt ein Buch."
Man entschwindet zu Dritt in die Kinderbuchabteilung. Ich treffe meine Auswahl bei den "Herz-Schmerz-Taschenbüchern", weil mir gerade danach ist und gehe zur Kasse. Ich komme dazu, als der Mann mit dem Mädchen den Laden verläßt und höre noch:
"So, jetzt lieste das mal schön und dann kannste mir erzählen, was drinsteht in dem Buch!"
Ah ja. Lesen bildet bekanntlich, ob das auch aus zweiter Hand funktioniert?

05.06.2015

Die Traubengeschichte

Unser Kühlschrank war leer. Der Chef und ich beschlossen also, einkaufen zu gehen. Vorher wollten wir aber dem Supermarkt unseres Vertrauens angeschlossenen Bäcker einen Besuch abstatten und frühstücken gehen.

Der Chef belegte schon mal unsere Stammplätze und ich bestellte an der Theke das "Bäckerglückfrühstück" für uns. Es wurde frisch als Tellergericht angerichtet. Als gesunde Beilage lag auf jedem Teller eine Handvoll dicke blaue Trauben. Leider sahen sie nicht so appetitlich aus, wie ich es es erwarte. Sie waren zwar knackig, aber irgendwie nicht frisch. So ungewaschen mit einem Grauschleier halt. Das veranlasste mich zu der Frage, ob die Trauben gewaschen seien.

Die junge Bäckereifachverkäuferin sah mich lange an. Dann klärte sie mich darüber auf, dass sie die Trauben so geliefert bekämen. Zweiter Anlauf meinerseits: "Und haben Sie die Trauben gewaschen?" "Die bekommen wir so geliefert." "Von wem?" "Von der Fa. Fruchtglück. Sie sind im Schlauch verpackt." "Aha. Den machen Sie dann auf und nehmen Trauben heraus." "Ja." "Und waschen Sie die Trauben dann?" "Die bekommen wir so geliefert." Eine weitere Diskussion erschien mir zwecklos. Ich drehte mich um und ging mit meinen Tellern zum Tisch. Und ich konnte nicht daran glauben, dass irgendjemand in der Kette von der Rebe bis zu meinem Teller die Trauben gewaschen hat.

Der Chef guckte auf die Trauben. "Ach, guck mal, heute haben sie aber mal schönes Obst als Beilage!" Ich schaute ihn an. Er lächelte erfreut und begann seine Trauben zu essen. Wortlos schob ich ihm meine auf den Teller. "Magst Du die nicht?" "Nein, Ich glaube, die sind nicht gewaschen." "Na und? Schmecken aber sehr gut." "Ja, sie bekommen sie hier so geliefert."