29.07.2015

Minibar

Der Chef und ich sind unterwegs. Zwei Nächte im Hotel. Es ist warm, sehr warm. Vor dem Balkon plätschert im Garten angenehm ein Brunnen. Das Geräusch macht irgendwie Lust auf kaltes Wasser, schwimmen und trinken, das wäre gut. Der Chef meint, wir könnten unser mitgebrachtes Wasser in der Minibar kühlen, dazu müssten wir nur ein paar der dort vorhandene Flaschen aus dem Kühlschrank nehmen. Ich schaue mir auftragsgemäß den Schrank unter dem Schreibtisch an, den er für die kleine Bar hält, und schaue nach dem Öffnen der Tür auf eine weitere schwarze Tür, die wie ein Safe aussieht. Ich bekomme die Tür nicht auf. "Hier ist kein Kühlschrank." Der Mann liegt auf dem Bett und liest. Ohne den Blick vom Buch zu nehmen weiß er, dass dort der Kühlschrank sein muss. Ich versuche wieder, die schwarze Tür zu öffnen. "Hier ist aber kein Kühlschrank!" Er schaut über das Buch hinweg auf das Schränkchen und beharrt darauf, dass dort die Minibar sei. Die blöde Tür will einfach nicht aufgehen. "Wenn ich sage, hier ist kein Kühlschrank, dann ist hier auch kein Kühlschrank!!" Plopp. Die Tür geht auf, vor mir der Kühlschrank voller Flaschen und Snacks. Der Chef lässt das Buch sinken und schaut mich wortlos an.   Ich räume ein Fach leer. "Wenn ich sage, hier ist ein Kühlschrank, dann ist hier auch ein Kühlschrank! Habe ich ja gleich gesagt!" Ich frage mich, warum der Chef so grinst. Muss wohl ein lustiges Buch sein.

16.07.2015

Traurig

Heute ist Dein Geburtstag. 95 Jahre alt würdest Du. Wir hätten bestimmt bei Deinem Lieblings-Griechen gefeiert und am Ende hättest Du wie immer ein bisschen gemeckert, weil irgendetwas nicht so war, wie Du es gern gehabt hättest. Der Chef und ich haben im Seniorenheim Dir zu Ehren Kaffee getrunken und Erdbeerkuchen gegessen, wir saßen an Deinem Lieblingstisch. Danach haben wir Dich besucht. Herzlichen Glückwunsch, alter Brummbär!

Wir lieben und vermissen Dich!

04.07.2015

Moderne Zeiten

Sehr geehrtes Tageszeitung,

stellen Sie sich vor, Sie wechseln aus Gründen Ihre Bank. Sie bekommen im neuen Bankhaus Ihres Vertrauens naturgemäß eine andere Kontonummer, die man für Sie freundlicherweise auch gleich zur IBAN hinfummelt. Damit ausgerüstet machen Sie sich fröhlich ans Werk und teilen den Menschen, die Ihr Bestes, nämlich Ihr Geld, haben möchten, den DE-Zahlenwurm mit.

Wenn Sie Glück haben, können Sie diese Mitteilung über das Internet erledigen. Nämlich dann, wenn Ihr Geschäftspartner eine Website hat. Das funktioniert eigentlich problemlos. Eigentlich. Es sei denn, Sie geraten, so wie ich, an eine, nennen wir es mal nett, verbraucherunfreundliche Internetseite. Sie suchen und suchen nach der Möglichkeit, Ihre vorhandenen persönlichen Daten hinsichtlich der Kontoverbindung zu ändern. Sie finden dazu nichts und müssen sich obendrein bei jedem Seitenwechsel mit Ihrem Benutzernamen und Ihrem Passwort wieder neu anmelden. 

Nach gefühlten fünf Stunden und leichten Erschöpfungserscheinungen füllen Sie letztendlich das Kontaktformular aus und teilen lapidar mit, dass Sie eine neue Bankverbindung haben. Sie möchten aber den DE-Zahlenwurm aus Sicherheitsgründen nicht einfach so in die www-Welt schicken und fragen deshalb an, ob Sie die Änderung schriftlich mitteilen sollen/können.

Nach kurzer Zeit erhalten Sie eine E-Mail, in der man Ihnen mitteilt, Sie möchten die neue Kontonummer bitte schriftlich per Post oder telefonisch mitteilen. Aus eben genannten Sicherheitsgründen entscheiden Sie sich gegen ein Telefonat und für einen altmodischen Brief, der in dieser streikbelasteten Zeit sogar befördert wurde. Denn etwas später bekommen Sie wieder eine E-Mail, die in der Anlage ein Formblatt enthält, mit dem Sie Ihre neue Bankverbindung per SEPA-Lastschriftmandat mitteilen möchten. Natürlich bittet man Sie, das ausgefüllte Original mit der Post zu schicken.

Früher - ja früher hätten Sie eine Postkarte mit der neuen Kontonummer und der dazu passenden Bankleitzahl abgeschickt und die Information wäre völlig ausreichend gewesen.  Aber da gab es ja auch noch keinen PC, keine IBAN, keine BIC und kein SEPA-Lastschriftmandat. Heute, in den modernen Zeiten, suchen Sie erst in einer Website, schreiben dann eine E-Mail über ein Kontaktformular und anschließend zwei Briefe. Ganz kurz blitzte in meinem Hinterkopf auf, warum man das Formular nicht einfach auf der Website zum herunterladen anbietet, um es dann ausgefüllt per Post abzuschicken - aber das ist wohl zu einfach.

Sie bekommen dann in den nächsten Tagen einen Brief von mir. Wenn die Post nicht streikt.

Mit freundlichen Grüßen
 Ihre Frau chat noir